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Ich bin all hier

Paule und ich waren am Wochenende zum allerersten Mal in diesem Jahr grillen, auf Einladung einer lieben Freundin und in sehr lustiger Runde. Da war eigentlich schnell klar, dass bei dieser Gelegenheit auch das nächste Wochenbild entstehen sollte, ich hatte ursprünglich sogar die Idee, eigens dafür noch eine kleine Grillschürze für ihn zu basteln, damit es auch etwas authentischer wird. Irgendwie hätte es auch ganz gut zum letzten Foto gepaßt, falls sich noch jemand gewundert hat, was Dexter-Paule mit den Überresten seiner Opfer gemacht hat, aber mir gefällt das am Grill gemacht Bild einfach nicht. Wie gut, dass ich an dem Abend später noch ein weiteres Foto mit der Blumenkastendekoration meiner Freundin gemacht habe und es paßt eigentlich auch ganz gut, denn wir das berühmte Rennen zwischen Hase und Igel fand eben auch auf dem Lande statt, wo wir uns ja getroffen haben. Ihr seht also wie die beiden gerade die Wette abschließen, nach dem Rennen war Paule verständlicherweise nicht mehr in der Lage, um noch für ein Foto zu posieren. Er könnt sich noch ein paar Tage Ruhe und versucht nicht daran zu denken, was diese Woche wohl auf ihn wartet. Wünsche auch noch einen wunderschönen Pfingstmontag und eine angenehme verkürzte Woche.

What’s the Art on the Street?

Ich gebe zu, das Ausdenken von Titeln für meine Blogposts zählt zu meinen liebsten Hobbies und macht mir oft viel Freude, ganz besonders, wenn es um kleine Wortspielereien geht. Dieser hier ist inspiriert von Podcasts der Sesamstraße (What’s the word on the street?), die ich vor ein paar Monaten mal gesehen habe, eigentlich hätte ich ihn aber genauso gut nach dem Event, um das es hier geht, benennen können. Dann wäre er ausnahmsweise weder deutsch noch englisch, denn es geht um die Tour de la Crèativitè, eine geführte Tour durch Düsseldorf und dem Erkunden von Kunst mitten in der Stadt, auf offener Straße. Urban Art oder auch Street Art – das ist heute viel mehr als ‘nur’ Graffiti, es wird gesprüht, gespritzt, gepinselt, geklebt und mit Schablonen gearbeitet, kleine und große Kunstwerke geschaffen, die Gestalt der Stadt aktiv gestaltet und ihre Erscheinung verändert. Natürlich ist das prinzipiell nichts Neues und trotzdem habe ich diese Art der Kunst gerade neu für mich entdeckt und finde einige Elemente und Künstler sehr spannend und inspirierend. Und genauso wie mit anderer Kunst, sei es Malerei, Fotografie, Literatur oder Musik, gibt es auch vieles, das mir nicht gefällt oder erschließt.

Doch zurück zum eigentlichen Event des Tages, der Streetart-Tour, nach einem Konzept der Hamburger Agentur Pila und Tüdelüt (dahinter verbergen sich die kreativen Köpfe Inga und Wiebke), gesponsert von Gauloises Blondes und unter sachkundiger Anleitung des Düsseldorfer Künstlers Oliver “Magic” Räke. Bei wunderbar warmen Wetter und Sonnenschein schlenderte unsere kleine, bunte Truppe durch die Straßen der Stadt, um nicht nur ein paar dieser urbanen Kunstwerke zu entdecken, sondern auch etwas über ihre Geschichte und die Entwicklung dieses Genres zu lernen. Gemeinsam bestaunten wir die nahezu vollständig mit Kunstwerken bedeckten Häuser der Kiefernstraße, einige sehr stimmig als großes Ganzes kreiert, andere wiederum Stück für Stück von verschiedenen Handstrichen und Sprühdosen gezeichnet. Natürlich hatte ich meine Kamera dabei, um Eindrücke zu sammeln und einige der Werke aufs Bild zu bannen, doch leicht war es nicht, wie ich nicht nur während der Tour, sondern auch später beim sichten und bearbeiten der entstandenen Bilder feststellen mußte. Es paßt eben nicht immer alles wirklich ins Bild und selbst wenn es das tut, sieht das fertige Ergebnis nicht unbedingt besonders spannend aus. Ich bin auf die Knie gegangen, hab zum Teil fast auf dem Boden gelegen und mich mehrfach unerlaubt von der Truppe entfernt, die meisten Aufnahmen würde ich jedoch eher als fotografische Skizzen oder Entwürfe betrachten, als Zwischenprodukt einer langsamen Annäherung an diese Art von Objekten. Ich vermute, dass vielleicht nicht jeder von euch mit dieser Art von Fotos warm werden wird und wie gesagt, auch für mich ist es vorerst nur ein weiteres Experiment, von dem ich noch nicht genau sagen kann, wohin es führt. Ich fand es jedenfalls sehr spannend an diesem Nachmittag und ich habe ich außerdem sehr darüber gefreut, dass sich die meisten Kreationen in der Nähe meines neuen Stadtdomizils befinden und ich somit zu einem späteren Zeitpunkt ganz in Ruhe weitere Erkundungen durchführen kann. Ein paar meiner Lieblingsmotive zeige ich euch heute, später kommen noch ein paar Bilder von anschließenden Besuch im Variété Libertè, wo wir in einem ehemaligen Supermarkt verschiedenen Künstlern bei der Arbeit zusehen konnten und es so einige interessante Sachen zu entdecken gab.

 

 

 

 

Meine Lieblingsbilder aus dieser Serie sind im Übrigen die ersten und die letzten zwei. Sehr interessant fand ich auch zu erfahren, dass der Ende der 70er Jahre als “Sprayer von Zürich” bekanntgewordene Künstler Harald Naegeli seit vielen Jahren hier in Düsseldorf lebt und auch im Alter von inzwischen 72 Jahren noch immer mit der Spraydose aktiv ist. Auf dem Pfeiler im zweiten Hochformat rechts sieht man eins seiner ganz alten Werke, die schwarzen Linien der Frauenfigur, die eine ehemalige Freundin von ihm symbolisiert, schon beinahe verblaßt und durch die einfallende Sonne nur fast unsichtbar. Auf dem Heimweg nach der Tour habe ich auf den Brückenpfeilern der Rheinkniebrücke noch einige frischere Werke von ihm entdeckt und das Bild direkt unter dem Hochformat zeigt ein solches. Ich muss sagen, mit persönlich gefallen zur Zeit vor allem mit Hilfe von Schablonen gesprühte Sachen (stencil graffiti) und auch wie Plakate aufgeklebte Werke (Paste-Ups), darunter die Arbeiten von den lokalen Künstlern Decycle, L.E.T. (Les Enfants Terribles) und MDCR. Ich werde sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt noch Bilder von ihren Arbeiten zeigen, in der Zwischenzeit könnt ihr ja einfach mal auf ihren Facebookseiten nachschauen. Es lohnt sich.

Kiwiblüte am Rhein

Wieder so ein Tag, an dem ich mich fragte, ob sich das Universum wohl gegen mich verschworen hat und es neuerdings vielleicht auch noch ein Depressionsäquivalent der Sommergrippe gibt. Die Tatsache, dass heute bereits Freitag und die Vorschau auf das lange Wochenende wunderbar warm und sommerlich ist, habe ich mich heute durch den ganzen Arbeitstag geschmollt, dann etwas früher Feierabend gemacht, um mich möglichst schnell in irgendeiner dunklen Ecke daheim zusammen zu rollen und der Melancholie zu fröhnen. Ich fahre also nach Hause, schlurfe den Bürgersteig entlang, nehme leicht augenrollend zur Kenntnis, dass die Hecke wirklich langsam mal wieder geschnitten werden müßte und dann, ja dann sehe ich sie: Die ersten Kiwiblüten haben sich heute geöffnet und strahlen mir im goldenen Licht des Spätnachmittages mit all ihrer Schönheit entgegen. Und auf einmal ist alles anders, ich strahle mit ihnen und versuche eine zaghafte Annäherung mit der Kamera, zuerst von weiter weg mit dem Telemakro und später näher dran mit dem Makro, voller Ungeduld und Vorfreude darauf, die Bilder so schnell wie möglich mit euch zu teilen.

 

Die Kiwiranke, die sich über den Zaun des Nachbarn in meinen Vorgarten herübergeschlängelt hat und inzwischen ziemlich kräftig an der Hauswand entlangwuchert, ist in diesem Jahr voller Knospen und erst wenige sind bereits geöffnet, vielleicht versuche ich mich später also noch an weiteren Aufnahmen. Es ist eben wie ein kleiner Dschungel in ca. 2 m Höhe, da muß man sich mit der Linse erstmal durchkämpfen und das, ohne dabei Schaden anzurichten.

Einzelkämpfer

Irgendwie bin ich gerade etwas grummelig, seit ein paar Tagen schon und völlig grundlos, dabei gibt es doch gerade so viele Dinge über die ich mich eigentlich sehr freue, viele kleine Geschichten zu erzählen. Aber manchmal geht es einfach nicht, die Gedanken und Worte kommen gerade dann nur in Momenten, in denen ich sie nicht festhalten kann, wie einfach ist es dagegen überall schnell ein Bild zu machen. Oder eben ein paar schlichte Fotos heraus zu suchen und dazu nur ein paar kurze Worte zu finden. Es immer wieder Momente oder Phasen in meinem Leben, da würde ich am liebsten rein gar nichts mehr tun, einfach die Zeit anhalten und warten. Nur, Stillstand verändert nichts und selbst wenn ich wartend verharre, ganz egal wie kurz oder lang, ist im Anschluss immer noch alles wie es vorher war und ich habe nur Zeit verschwendet. Ich gebe zu, die Verlockung bleibt und manchmal ist es wirklich schwer, trotzdem mache ich weiter und bewege mich vorwärts, Schritt für Schritt, immer dem Licht entgegen, mit aller Kraft. Genau wie diese kleinen, grünen Kämpfer hier, die trotz ihrer Zartheit auch die härteste Schale durchbrechen und verfügbare Freiräume für sich erobern.

Dachgrün auf Augenhöhe

Langsam beginne ich wieder damit, die Strassen der Stadt für mich zurück zu erobern, ohne bestimmtes Ziel und ganz in Ruhe. Herumschlendern und auch mal Haken schlagend neues Terrain erkunden und altes wiedersehen. Der beginnende Sommer scheint mir dafür die perfekte Zeit zu sein, denn die langen Tage und lauwarmen Nächte eignen sich ganz wunderbar für Spaziergänge und das auch noch nach der Arbeit, ganz ohne Druck und Blick auf den Fahrplan. Ganz einfach zu Fuss nach Hause gehen, am nächsten Morgen auch zu Fuss ins Büro, vielleicht auch einfach mal ein bißchen länger schlafen oder doch endlich damit anfangen, ganz in Ruhe noch zu Hause zu frühstücken. Natürlich ist nicht immer alles schön in der Stadt, sie ist manchmal zu laut, zu dreckig, zu voll, zu einsam, zu groß, zu viel. Aber auch wunderschön und voller Leben, im großen Ganzen und auch im winzigsten Detail, eine große Box gefüllt mit vielen bunten Überraschungen. Wie dieses Meer aus Sedum-Pflanzen und Moos in satten Farben leuchtend.

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