Das Wort zum Sonntag

LibelleWenn ich mich recht erinnere, habe ich heute vor 5 Monaten diesen Blog ins Leben gerufen – wäre ja eigentlich ein Grund zum feiern und vielleicht auch eine gute Gelegenheit, um die letzten Monate ein bißchen Revue passieren zu lassen. Damals war mein Kopf so voller Ideen, Bilder und Worte, dass ich einfach etwas tun, ein Ventil finden mußte, um das alles heraus zu lassen und es gab Tage, da habe ich stundenlang am Computer gesessen, gebastelt und geschrieben, manchmal sogar zwei Posts auf einmal. Ich habe schon als kleines Kind viel gelesen und je älter ich wurde, desto mehr hat mich das geschriebene Wort fasziniert und ich wünschte mir, ich könnte auch schreiben, immer nur schreiben, über alles, was in meinem Kopf vorgeht, Geschichten erzählen, die nicht nur von Trauer, Schmerz und Einsamkeit handeln. Noch später dann, habe ich versucht zu verstehen und zu erkennen, was uns antreibt, ‚was die Welt im Innersten zusammenhält‘, wie wir mit unserer Freiheit nur umgehen und ohne Zeichen leben sollen. Ich dachte, vielleicht könnte ich besser schreiben über Fakten, ganz objektiv mit Abstand zu den Dingen, doch mir wurde schnell klar, dass ich viel zu scheu und distanziert geworden war, um mit Fremden zu kommunizieren, offensiv, neugierig und beharrlich genug zu sein; mal ganz davon abgesehen, dass mich die ganz normalen Nachrichten noch nie wirklich interessiert haben. Damals schrieb ich noch regelmäßig in mein Tagebuch, diese Aufzeichnungen habe ich noch immer, doch wenn ich sie heute lese, erkenne ich mich kaum und es scheinen Worte aus einer anderen Welt zu sein, einem anderen Leben, vielen anderen Leben. Worte von jemandem, an den ich mich noch zu gut erinnere, den ich manchmal vermisse und doch vielleicht lieber nicht noch einmal wiedersehen möchte. Damals habe ich nur geschrieben, wenn es mir schlecht ging, wenn ich traurig, einsam und verzweifelt war, manchmal jeden Tag, manchmal mehrmals am Tag, in ständig wechselnder Handschrift, viele Wörter in Eile unvollständig niedergekritzelt und kaum noch zu entziffern. Und dann, eines Tages, fand ich jemanden, mit dem ich über alles reden konnte und verlor das Bedürfnis, Dinge nieder zu schreiben. Ich machte immer wieder einen neuen Anfang, kaufte ein neues Notizbuch, gab mir Mühe mit meiner Schrift, doch die Worte wollten einfach nicht mehr kommen und die Jahre vergingen. Ich weiß nicht genau, was passiert ist, das auf einmal wieder alles geändert hat, vermutlich waren es auch viele kleine Dinge, ein schrittweiser Prozess, der vermutlich damit anfing, dass ich auch Jahre nach dem Ende meiner Promotion noch die Ergebnisse meiner wissenschaftlichen Arbeit veröffentlicht habe. Ich wurde oft gefragt, was ich denn noch davon hätte, da ich ja nicht mehr wissenschaftlich arbeite und ja auch kein Geld dafür bekomme, doch für mich war es trotzdem wichtig und auch schön, meine Erkenntnisse mit anderen zu teilen und etwas zu schaffen, dass nur mir allein gehört. Ich weiß nicht wie viele meiner Veröffentlichungen tatsächlich von jemanden gelesen werden, aber ich weiß, dass sie dort draußen sind und gelesen werden können. Und mit meinem Blog ist es irgendwie auch ein bißchen so. Vermutlich spielt es keine Rolle, ob und was ich hier eigentlich schreibe, weiß nicht, wer meine Worte liest und ob sie jemandem gefallen oder auch nur irgendeine winzige Kleinigkeit in der Welt verändern. Nein, eigentlich ist das nicht so ganz richtig und ich würde damit wohl auch einigen Menschen Unrecht tun. Ich kenne zumindest ein paar der Menschen, die meinen Blog gerne lesen und es mir auch immer wieder einmal sagen, was mich jedes Mal aufs Neue freut. Und es finden auch immer wieder Menschen hierher, denen ich noch nie begegnet bin und mit denen ich mich trotzdem so langsam ein klein wenig verbunden fühle; Menschen, die auch einen Blog schreiben und gerne fotografieren; Menschen, die mir Mut und Freunde machen und mich auf gewisse Art und Weise auch inspirieren und antreiben. Und dank dieses Blogs habe ich nicht nur wieder Freude am Schreiben gefunden, sondern beschäftige mich endlich mehr mit der Fotografie und der für mich so wichtigen und besonderen visuellen Welt und auch damit, neue Dinge zu schaffen und zu erleben, Momente nicht nur festzuhalten, sondern auch zu inszenieren. Meine Welt war viel zu lang nur dunkel und grau, dabei ist es bunt so viel schöner und alles Neue so viel spannender. Früher fühlte ich mich oft wie gelähmt, völlig hilflos und erstarrt, dabei habe ich schon immer davon geträumt, zu fliegen. Frei sein ohne zu leiden. Einfach nur leben, einfach nur sein.

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2 Kommentare

  1. Ich lese hier mit. Und ich finde Deine Gedanken gut, obwohl es bei mir anders war. Schön, dass Du da bist.

    Ist das eine Libelle in der Schachtel? Das sieht toll aus!

    Glückwunsch zu den 5 Monaten!

    1. Danke vielmals. Für alles. Und ja, es ist eine Libelle – ein Mitbringsel aus meinem Amerikaurlaub, für das ich gestern auf dem Stoffmarkt endlich ein paar passende Lederbänder bekommen habe, so dass ich es jetzt auch um den Hals tragen kann. ist auch gleichzeitig eine Erinnerung an einen wunderschönen Tag voller Leichtigkeit und Freude, nur dass die ‚echten‘ Libellen nicht silbrig sondern ganz wunderbar dunkelblau waren 🙂

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