Unser täglich Brot

Gibt es heute, auch wenn es gewissermaßen nicht mehr ganz frisch ist und vermutlich auch eher als kleine Fingerübung für mich dienen soll. Vor ein paar Wochen philosophierte ich mal beiläufig mit jemandem über die Vorlieben beim Essen von Brot und nachdem ich so ein bißchen vor mich hin gequasselt habe, meinte mein Gegenüber so zu mir, dass ich doch darüber in meinem Blog schreiben sollte bzw. könnte. Irgendwie blieb das in meinem Kopf drin, irgendwo hinten in einer zugigen, verstaubten Ecke rollte die Idee ab und zu hin und her, doch so richtig greifen konnte ich sie nicht. Planen kann ich Dinge meistens eher schlecht, wenn es ums Schreiben geht, bin ich total chaotisch und puzzle mir gerne Absatz für Absatz aus Satzfetzen zusammen; fliessen muss es irgendwie und so wird beim drüberlesen immer noch das eine oder andere Wort hinzugefügt. Manchmal schwirren schon Bruchstücke in meinem Kopf herum, größere und auch kleinere, doch so richtig kann ich das Ganze oft nicht fassen; dann wieder habe ich eine coole Idee für den Titel (die machen oft am meisten Spaß) oder ein ganz bestimmtes Foto geknipst und muß nur noch den Rest drumherum stricken. Zurück zum vermutlich liebsten festen Lebensmittel der Deutschen – dem Brot, Laiendarsteller auf meiner kleinen Bühne hier. Für die meisten von uns etwas total Banales und Alltägliches, das uns schon seit frühesten Kindertagen begleitet. Als fast zahnloses Baby nuckelten wir schon an einem möglichst weichen und im Idealfall auch noch süssen Brötchen, das uns mit Krümeln übersäte oder auch mit Speichel vollgesogen als Brei herunter kleckerte, so stelle ich mir das zumindest heute rückblickend vor. Im Kindergarten hatten wir dann schon mehr Zähne und spülten unser Frühstücksbrot früh morgens mit einer Tasse lauwarmer Milch herunter, nur für die Glücklichen gab es stattdessen Kakao; ab und zu vielleicht. Später in der Schule war die Milch kalt und in kleinen Plastikbeuteln verpackt und die Stullen wurden in der Brotdose transportiert, die manchmal aus Metall, meist jedoch auch aus Plastik war, einfache flache Boxen in Brostcheibenform, wenn ich mich recht erinnere, bunt bedruckt war damals nicht viel und der Schulranzen schlicht und einfach aus Leder, das paßte schon alles irgendwie. Wenn man dann älter mit und Mutti einem nichts mehr zurecht macht, wird man schnell bequem und weil man es morgens oft eilig hat und trotzdem nicht verzichten will, kauft man sich schnell was vom Bäcker um die Zeit bis zum Abendbrot (die Wortwahl ist mit Sicherheit kein Zufall) zu überbrücken. Belegte Brötchen und Stullen haben in den vergangenen Jahren ein außerordentliches Artenwachstum durchlaufen, das muß man schon sagen. Als Kinder sind mein Bruder und ich oft nach der Schule noch rein in den Konsum (quasi die DDR-Variante eines Supermarktes) und haben uns von unserem Taschengeld Brötchen (5 Pfennig das Stück) und eine dicke Scheibe Leberkäse gekauft, dann das Brötchen mit den Finger geöffnet und die Wurst reingestopft, fertig war das Sandwich. So einfach und billig geht das heute bei Subway nicht und wie oft habe ich schon erlebt, wie nichtsahnende Leute völlig unvorbereitet am Tresen stehen und sich ein Schinkenbrötchen bestellen; die Hilflosigkeit in ihren Augen, wenn sie damit konfrontiert werden, noch weitere Entscheidungen treffen zu müssen, darüber, welches Brot sie wollen, und was denn alles noch so drauf soll, Salz, Pfeffer, Saucen, Käse, Extra oder nicht, getoastet, dreimal in die Luft geworden oder doch nur ganz leicht gedrückt, hier essen, mitnehmen oder wegwerfen? Aber ich schweife ab, wollte ich doch eigentlich nur erzählen, ob, wann und wie, vielleicht auch wo, ich gerne Brot esse, denn auch wenn ich Brot generell sehr gerne mag und so manche Sachen (Ragout Fin zum Beispiel) auch nie, nie ohne Brot essen würde, bin ich schon ein klein wenig wählerisch und eigen. Eine kleine Teilschuld daran möchte ich dabei dem außerordentlich breiten Spektrum an in Deutschland erhältlichen Brotsorten geben, Amerikanern sind derartigen Überlegungen vermutlich völlig fremd. Fangen wir mal am Anfang des Tages an, mit dem Frühstück. Es gibt Leute, wie meine Eltern, die essen jeden Morgen genau das Gleiche, zum Beispiel Brot mit Erdbeermarmelade, dazu eine Tasse Kaffee. Am Wochenende gibt es vielleicht auch mal ein Ei, aber generell gibt es was Süsses. Ich esse auch ganz gerne mal etwas Süsses am morgen, ein bißchen Müsli, einen Croissant mit Aprikosenmarmelade oder eben schönes, frisches Brot mit Honig oder Marmelade, ganz wichtig dabei ist jedoch: es sollte helles Brot sein, vielleicht ein Baguette oder auch etwas weiches, süßliches und dazu einen schönen Milchkaffee, Obst, vielleicht auch noch etwas Saft und ein weichgekochtes Ei.

 

Und das alles besonders gerne zu einem späten Frühstück am Wochenende, was jedoch selten vorkommt, da ich in der Regel bis Mittag schlafe. Generell mag ich es aber schon lieber herzhafter, kräftiger – schönes Vollkornbrot, am besten mit ganz vielen Kernen und auf gar keinen Fall trocken, belegt mit Wurst, Käse oder auch beidem zusammen, vielleicht noch ein wenig Gurke oder Tomate dazu, da startet man gleich ganz anders in den Tag und so’ne Stulle läßt sich auch sehr gut einpacken und mitnehmen für den späteren Verzehr vorm Computer beim Lesen der Emails. Zum Mittag ist der Deutsche ja ganz gerne warm, auch so eine Gewohnheit, die manchmal im Berufsalltag etwas umständlich und auch kostspielig sein kann, die guten alten Mensazeiten, wo man sich für 2 Euro den Bauch vollschlagen konnte, sind eben irgendwann für jeden einmal vorbei. Und so scheint es, dass das gute alte Abendbrot seinen Platz abtreten bzw. tauschen muß, weil es uns besser in den Kram paßt – mittags gibts nur schnell ein Brot und abends nach Feierabend wird gekocht, nicht immer, aber doch immer öfter mal, auch zum Entspannen. So ist es zumindest bei mir momentan. Und trotzdem esse ich auch abends immer noch gerne Brot, vor allem, wenn ich es gerade erst frisch gekauft habe, so ein schönes Walnussciabatta oder ein Baguette mit eingebackenen Oliven, dazu einen frischen Salat, etwas Schinken, Käse, eventuell auch mal ein Gläschen Wein, ist doch etwas ganz anderes als nur ein Käsebrot, das einsam und irgendwie trostlos auf einem schnöden Holzbrettchen liegt, oder?

 

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