Gesetz der Serie: Oktober

Als ich heute (also eigentlich ja gestern, wollte nur nicht zwei Posts an einem Tag veröffentlichen) abend mit der Straßenbahn vom Büro nach Hause fuhr und es schon langsam dunkel wurde, dachte ich an all die Geschichten, die ich gerne noch erzählen möchte, die vielen Fotos auf meiner Festplatte und ob mein Chef wohl etwas dagegen hätte, wenn ich nur noch halbtags arbeite und die andere Hälfte des Tages hier im Blog herum bastle. Aber sind wir mal realistisch, er wäre vermutlich ‚Not amused‘ und ich würde sehr wahrscheinlich die zusätzliche Zeit daheim vorwiegend dazu nutzen, länger bzw. mehr zu schlafen. Nun ja, wie es aussieht scheine ich jedoch gerade wieder eine etwas geschäftigere Blogphase zu durchlaufen und meinen Rückstand (aus meiner Perspektive) ein wenig aufzuholen und heute geht es mal wieder um eins meiner liebsten Themen – das Projekt ‚Gesetz der Serie‘.

Ganz ungeduldig hatte ich Anfang des Monats ja schon auf das neue Thema gewartet und die Erlösung oder Erleuchtung ereilte mich dann während meines Aufenthaltes in Hamburg. ‚Bewegung‘ sollte es also werden, vielleicht aber auch Veränderung, wobei jede Änderung ja ein Prozess ist und sich sowieso alles immer bewegt, je nach dem wie genau man es betrachtet. Zuerst dachte ich daran, Dinge zu fotografieren, die sich bewegen, wehende Segel oder Fahnen zum Beispiel, ich war ja noch am Hafen unterwegs, das vom Schaufelrad des Dampfers aufspritzende Wasser, fliegende Vögel in der Luft, vielleicht auch die Lichtschweife von Autoscheinwerfern auf einer dunklen Straße. Alles nur Ideenfetzen, die durch meinen Kopf flogen und so richtig kein Ganzes formen wollten; mal davon abgesehen, dass ich mich bisher noch nicht viel mit dem Fotografieren von bewegten Objekten beschäftigt hattte.

Und auf einmal war dann doch alles ganz einfach – auf der Zugfahrt nach Dresden, nach einem grausam frühen Start in den Tag und 7 mal wieder endlos langen Stunden sinn- und lustlosen Herumsitzens verbrachte ich viel Zeit damit, einfach nur aus dem Fenster zu schauen und das Wechselspiel der Landschaft und des Wetters zu beobachten. Oft sehe ich damit Dinge, die mich begeistern, zum staunen bringen oder einfach nur so schön sind, dass es mich traurig macht, wenn sie wieder aus meinem Blick verschwinden und ich keine Möglichkeit hatte, sie nur irgendwie festzuhalten: eine endlose Landstraße umzäumt von Bäumen, die sich über die Felder schlängelt; eine leuchtend grüne, frisch gemähte Wiese auf der in in weißer Folie trocken verpackte Heuballen wie wahllos verstreute Riesenmarshmallows herum liegen; dicke, weiße Wolken, die wie flauschige Schafe am blauen Himmer über das Land schweben und ihre Schatten werfen; ein Abendhimmel und rosarot bis pink und die langsam untergehende Sonne am Horizont. Und weil mal ausnahmsweise meine Nase nicht die ganze Zeit tief in einem Buch steckte, habe ich einfach zwischendurch immer mal wieder die Kamera herausgeholt und die vorbeirauschende Welt fotografiert. Schön war es, auch wenn mir manche Dinge entwischt sind, aber man und sollte eben auch nicht alles nur durch die Linse bzw. den Spiegel sehen. Und irgendwie ist es auch ein sehr passendes Thema für mich, bin ich doch gerade in diesem Monat relativ viel mit dem Zug unterwegs und die nächste Reise kommt auch bald.

Und weil ich noch reichlich andere Bilder übrig hatte, ich krankheitsbedingt zur Zeit viel auf dem Sofa herumliege mit dem Laptop aufm Schoß und meine Chucks zur Zeit ein beliebtes Fotomotiv sind, habe ich als kleinen Nachschlag gestern noch 2 weitere Serien gebastelt, die ihr euch, wenn ihr wollt, auf meiner ‚Gesetz der Serie‘-Seite anschauen könnt. Eigentlich schon schade, dass das Projekt langsam zu Ende geht.

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12 Replies to “Gesetz der Serie: Oktober”

  1. liebe ola, zu allererst ganz kurz eine kleine anmerkung – der text war ein bisschen schwer zu lesen, weil gar keine absätze drin waren. vielleicht magst du das nächste mal ein paar reinmachen (:

    es freut mich, dass du soviele ideen hattest! und deine umsetzung war ja auch eine gute idee! das letzte gefällt mir übrigens am besten! chilliges reisen (:

    1. Oh, das tut mir leid, manchmal sprudelt es halt einfach so heraus, da komme ich garnicht auf die Idee, Absätze einzufügen. Kann ja später nochmal drüber schauen und vielleicht ein bißchen Struktur hinzufügen 🙂

      Und du glaubst vermutlich nicht, wieviele Fotos ich von dem letzten Motiv gemacht habe, mit Kamera und Handy, war ja auch gemütlich. Ein paar haben auch noch schöne Spiegelungen, das Auserwählte paßte aufgrund des Häusleins aber besser zu den anderen beiden.

      1. du musst dich ja gar nicht entschuldigen, das ist nur ein tipp und eine bitte, weil es mir das lesen erleichtert und manch anderen vielleicht mehr zum lesen animiert (: den schreibfluss sollst du um himmels willen natürlich nicht unterbrechen (:

        hehe wirklich? du kannst ja eine gesonderte serie mit dem letzten motiv zeigen (: es gefällt mir übrigens, dass es quasi sowas wie ein durchgängiges objekt in deiner serie gibt, mit den häuschen.

  2. Naja, ob Chef und ‘Not amused’ wichtig ist, eher ne Vertragssache. Und die sind selten amüsant, aber rechtlich bindend.
    Für’n Spaß ist die Arbeit nicht erfunden, das erzählen die, die nicht so hart ran müssen, bei TV Plapperköppen gerne….. aber, wie es der Zufall so will, habe ich passend zur Bahnthematik noch soeben ein Zug- Video vorgespielt:
    http://dinkelschnitte.wordpress.com/2011/10/13/fudelchen-einsteigen/
    Kannst ja mitfahren. 😀

    1. Möglicherweise nimmst Du da irgendwas an meinen Äußerungen zu ernst, ich kann nämlich Deinen Gedanken nicht so ganz folgen, über meine Arbeit habe ich doch garnichts geschrieben, egal ob nun Spaß oder nicht, hart oder nicht, viel oder wenig. Mal davon abgesehen, gibt es durchaus Firmen und Jobs, in denen man nur halbstags arbeiten kann und mit meinem halben Gehalt würde ich auch noch sehr gut auskommen, nur würde mein Chef mich schon ein bißchen vermissen 🙂

      Oh, und ich kenne durchaus einige Menschen, die offensichtlich Spaß an ihrer Arbeit haben, auch wenn sie stressig ist, manchmal kein Ende nimmt, die Lieben das in Deutschland gängige Rentenalter bereist um einige Jahre überschritten und finanziell schon lange ausgesorgt haben. Schwer zu glauben, aber Realität o.O

  3. Wie spannend … du hast eine wissenschaftliche Ausbildung, nicht wahr? Das wunderbare an der Kunst war für mich immer, diese Ebene zu verlassen, den Blick unverstellt auf das gerichtet was ich dann entdecke. Und wenn das abgeschlossen war, ergänzte sich meine Entdeckung mit vielen anderen Erfahrungen zu einer Werksstruktur … meine Struktur, mein Thema, meine Linie … so als hätte ich ein inneres privates Labor.
    Und Brotjob … man muss leben und am Leben bleiben. Dann kann man es auch einfangen. Schöne Bilder. 🙂

    1. Jawohl, durch und durch naturwissenschaftlich vorgeprägt mit leichten betriebswirtschaftlichen Einflüssen, allerdings aller meistens weniger im Labor als vorm Computer. Übrigens habe ich damals den Berufsweg ganz bewußt zum Brötchen verdienen gewählt und auch, weil ein klares Ziel am Ende stand. Ich habe mich damals auch sehr für Literatur und Philosophie interessiert, doch wie hätte ich damit Geld verdienen können, wo ich doch keinen Plan hatte und mir Sicherheit wichtig war?

      Und im Grunde ist dieser Blog für mich ja auch nur eine Art Labor, ein Experiment, eine Spielwiese für Ideen, die im Berufsalltag keinen Platz finden. Doch andersrum fließen durchaus Sachen aus meinem Job hier mit hinein, z.B. kleine artikelähnliche Posts im Stil der Nachrichten, die wir tagtäglich verfolgen und selber verfassen oder eben auch mein gelegentlicher Gebrauch der englischen Sprache, denn viele Kollegen sind inzwischen Freunde und verfolgen den Blog, auch wenn sie nicht alles verstehen. Wie in Facebook geht es eigentlich hauptsächlich darum, Dinge zu teilen und vielleicht auch darum, immer wieder auch die kleinsten Dinge in Blickfeld zu richten. Und natürlich Spaß dabei zu haben 🙂

  4. ooops wo ist mein Kommentar der ersten Monatshälfte geblieben?

    Deine Betrachtungsweise und die Sehnsucht, viel öfters die vorbeisehende Landschaft „festzuhalten“ spricht mir aus dem Herzen …. fast jeden Morgen, wenn ich mich auf den Weg zur Arbeit mache geht es mir so. Der Himmel verändert sich in den 15 Minuten wo ich Richtung Süd- und Ost fahre bietet sich immer aufs Neue ein Naturschauspiel!

    Liebe Grüße
    Christel

    1. Hallo Christel – ich habe keine Ahnung, wo er hin ist, vielleicht hab ich auch mal wieder irgendwo falsch geklickt :/ Schön, dass du trotzdem nochmal vorbei gekommen bist. Ist schon irre manchmal, man schaut aus dem Fenster und denkt die ganze Zeit ‚oh, oh, halt, das war jetzt aber gut!‘ und schwups ist es wieder vorbei. Und gerade am Morgen oder auch Abend ist es schon sehr spannend, wie schnell sich alles verändert.

      Und auch wenn es mich manchmal ganz kribbelig macht, ein schönes Motiv verpaßt zu habe, sag ich mir immer wieder: Man kann und muß auch nicht alles nur durch die Linse betrachten, sondern auch einfach mal so genießen. Manchmal bekommt man auch eine zweite Chance: Als ich dieses Wochenende bei meinen Eltern angekommen bin, warteten auf der Wiese in der Nähe ganz viele weißverpackte Heuballen auf mich 🙂

  5. 7 Stunden Zugfahrt ist natürlich heftig. Ich fahre alle paar Monate vielleicht 2 Stunden (einfache Fahrt) und genieße diese dann auch in vollen Zügen (Ha! Glücklicherweise sind die Züge meistens nicht voll *lach*) Aber das Gefühl, alles festhalten zu wollen, kenn‘ ich auch, meine Kamera liegt dann immer griffbereit neben mir, selten kommt sie zu einem lohnenswerten Einsatz. Vielleicht sollte ich den Blick diesbezüglich mal IM Zug lassen, statt immer nur rauszukucken und vor mich hin zu träumen 😉

    Mir gefällt Bild 3 am besten, AAAber – die Oktober 3er Serie hier >>> http://olaswelt.wordpress.com/in-my-eyes/gesetz-der-serie/ ist der absolute Knaller! Und dass der Himmel wolkenverhangen ist, stört üüüberhaupt nicht, im Gegenteil – ich glaube, das macht diese 3 Bilder grade so besonders 🙂

    1. Schön mal wieder von Dir zu hören, meine Liebe 🙂

      Mir geht es zur Zeit oft so, dass ich durch die Stadt laufe oder fahre und ärgere, keine Kamera dabei zu haben, aber ich mag sie auch nicht jeden Tag mit zur Arbeit nehmen. Man kann und muss auch nicht immer alles fotografieren, sage ich mir dann gerne, ist manchmal allerdings nicht leicht. Freut mich sehr, dass Dir die dritte Serie so gut gefällt. Sie ist als erstes entstanden und war auch eigentlich als Hauptserie gedacht, weil sie die Bewegung irgendwie noch am besten zeigt, dann wollte ich aber doch lieber was Bunteres. Und es steht ja auch nirgendwo, dass es nur eine Serie sein muss, insofern leg ich auch immer gerne noch was nach 🙂

      1. „Und es steht ja auch nirgendwo, dass es nur eine Serie sein muss, insofern leg ich auch immer gerne noch was nach“
        Oh ja, ich auch… manchmal denke ich, wären die Regeln nur etwas straffer, dann müsste ich mich nicht so quälen *lach*

        „Man kann und muss auch nicht immer alles fotografieren, sage ich mir dann gerne, ist manchmal allerdings nicht leicht.“
        Nein, ist es nicht, weil man nämlich gerade DANN etwas sieht (jedenfalls mir geht das oft so), das man unbedingt fotografieren möchte… 😉

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