Take me to the music

Die Idee zu diesem Post kam mir bereits vor einigen Monaten und obwohl von vornherein klar war, dass ich ihn erst zum Jahresende schreiben kann bzw. werde, war es manchmal nicht leicht zu warten. Wie ihr ja vielleicht mitbekommen habe, lese ich sehr gerne, habe Spaß am fotografieren und mag einfach schöne Dinge, ob klein, banal und alltäglich oder aber auch riesengroß, kunterbunt und total verrückt. Zu Sehen ist mir der liebste all unserer Sinne und ich liebe es einfach, die Welt mit den Augen zu erkunden oder aber auch neue Bilder vor dem inneren Auge zu kreieren. In der Welt der Bücher,  Fotos, Zeichnungen und Filme fühle ich mich geborgen und manchmal irgendwie auch wie in einem riesigen Spielzeugladen.

Ganz im Gegensatz dazu, hatte ich mit der Welt der Töne, der Musik nie wirklich viel am Hut, kann weder tanzen noch singen, geschweige denn ein Instrument spielen und da mein Gehör nicht mehr ganz das Beste ist, verstehe ich die Texte der meisten Songs leider oft nur bruchstückhaft. Während meiner Schulzeit habe ich noch etwas häufiger Musik gehört, meistens beim Hausaufgaben machen, immer aber relativ laut und, natürlich, Heavy Metal. Musiksender und Radio haben mich nie interessiert und noch heute gegen die meisten neuen Solokünstler oder Bands relativ an mir vorbei, ich sehe sie meistens nur beim Lesen von Modezeitschriften oder aber auf den Fernsehbildschirmen im Fitnessstudio. Und genau dort begann vor etwas mehr als einem Jahr meine allmähliche Wiederannäherung an die Musik, denn beim Ausdauertraining auf dem Laufband liest es sich eher schlecht, da ist so ein iPod wirklich deutlich praktischer und eine geeignete Songauswahl treibt einen ja auch ein bißchen an. Als ein weiterer begünstigender Faktor erwies sich auch mein Eintritt in die Facebookwelt, über die ich nicht nur mit alten Freunden wieder in Kontakt treten konnte, sondern auch neue Freunde gefunden habe, von denen einige eben auch Musik machen. Ich habe ja neulich schon einmal geschrieben, wie viel Freude es mir macht, Bücher von Freunden zu lesen, ähnlich ist es eben auch mit der Musik, vermutlich weil ich dadurch einfach mehr Bezug dazu habe. In der Vergangenheit habe ich oft festgestellt, dass ich einen besseren Zugang zu Musik habe, wenn ich Bilder damit verbinden kann, also z.B. den Künstler live oder zumindest im Fernseher performen gesehen habe oder die Lieder aus einem Film stammen. Ursprünglich hatte ich die Idee, für jeden Monat des Jahres einen Künstler oder eine Band auszuwählen und ein Video dazu zu posten, dabei stoß ich jedoch auf drei Probleme. Erstens, ich schaffe es nicht, die Chronologie einzuhalten, am Anfang des Jahres ist es etwas lückenhaft und zum Ende hin gehören z.T. mehrere in den gleichen Monat. Zweitens, es gibt nicht von jedem Künstler ein passendes Video, manche Sachen sind schon veraltet oder bestimmte Songs, die ich gerne zeigen würde, eben noch nicht veröffentlicht. Und drittens, man kann hier ja immer nur ein Video pro Zeile einfügen und bei 12 Monaten finde ich irgendwie, dass das blöd aussehen würde. Naja, alles halb so wild, es geht ja auch anders und ich kann nur ein paar Videos zeigen, von den eher weniger bekannten Künstlern. Hier kommt sie nun also, meine musikalische Chronologie des Jahres 2011.

Das Jahr begann relativ ruhig, mit etwas Altem und etwas Neuem, denn zu Weihnachten 2010 hatte ich mir endlich mal ein ‚Greatest Hits‘-Album von Queen gekauft und außerdem noch zwei CDs von ‚Stargeiger‘ David Garrett,  zum Test, weil ich dachte, Musik so ganz ohne Text ist vielleicht auch mal ganz nett. Queen ist natürlich grandios und die Songs eine wunderbare Mischung aus rockigen und bewegenden Stücken, die Interpretationen verschiedener bekannter Songs mit einer Geige ist zwar nicht grundsätzlich schlecht, ich hab aber bestimmt schon 7 oder 8 Monate nicht mehr reingehört. Und so bin ich dann erstmal wieder umgestiegen und habe beim Sport wieder Metallica gehört oder aber den Soundtrack von „Queen of the Damned“. Um die mir ebenfalls an Weihnachten zugetragenen Robbie Williams DVDs anzuschauen, fehlte mir bisher irgendwie die Zeit und gerade neulich erst habe ich mich mal wieder darüber gewundert, dass ich Take That damals (und heute) total blöd fand, den Robbie alleine aber total gerne mag. Das erste Quartal war also eher belanglos, im zweiten gab es dann aber schon die ersten Überraschungen. Als erstes stellte ich fest, dass ein neues Album von Cristin Claas erschienen ist, dieses Mal nahezu vollständig mit deutschen Liedern und einfach wunderschön. Ich habe Cristin und ihre Musiker, Christoph Reuter und Stephan Bormann, vor einigen Jahren in meiner Heimatstadt live gesehen und war total begeistert, auch wenn ihre Musik oder ‚Songpoesie‘ wie sie sie selber nennen, ganz anders ist/war, als das, was mir normalerweise gefällt. Ich habe lange nach einem passenden Beitrag gesucht, um diese Künstler hier vorzustellen und wie es der glückliche Zufall so will, ist gerade erst vor 2 Tagen ein neues Video erschienen, dass wie ich finde einen wundervollen Einblick in die Welt dieses Trios gewährt. Mehr Informationen und Songproben gibt es hier.

Nur wenig später wurde ich darauf aufmerksam, dass Hugh Laurie (den meisten bekannt als „Dr. House“) eine CD mit Bluessongs veröffentlicht hat und da ich ja bereits seine schauspielerischen und schriftstellerischen Fähigkeiten bewundern konnte, war ich natürlich neugierig und hab mir das Album besorgt. Auch hier wurde ich sehr positiv überrascht und fand schnell Gefallen an den Songs und seiner Stimme, das ist für mich das Entscheidende. Jazz und Blues also im zweiten Quartal, eine wunderbare Kombination und irgendwie so passend zu meinen Gefühlen in dieser Zeit, leichte Verliebtheit, der Reiz des Neuen, Abenteuer in Amerika und eine verletzte Seele. Vielleicht war es Zufall, vielleicht auch naheliegend, dass ich im Juli dann REM für mich wiederentdeckt habe; eine Band, die ich schon immer mochte, von der ich aber noch keine CD hatte. Im August bin ich durch einen Freund auf ein Projekt der Künstlerin Essence (ich habe darüber hier berichtet) aufmerksam geworden und ihre CD mit Kinderliedern ist gerade erst vor ein paar Wochen fertig geworden, so dass ich zu Weihnachten ein paar Sprösslinge von Freunden damit beglücken konnte. Und auch ich selbst habe so viel Freude an den Liedern, laufe oft schmunzelnd bzw. lächelnd durch die Straßen, wenn ich sie höre. Man kann alle Songs des Albums ‚A dog named Moo‘ auf der extra eingerichteten Website anhören (und auch kaufen) und auch wenn die offiziellen Videos noch nicht fertig sind, gibt es glückerweise inzwischen Aufnahmen von ihren Liveauftritten und damit kommt hier das nächste Video.

Die letzten vier Monate des Jahres wurden dann nochmal so richtig bunt, laut und turbulent, angefangen mit einem Konzert von Frank Fabry & Band, das mir besser gefallen hat als erwartet, dem Kauf meines allerersten Konzerttickets für einen Auftritt der Smashing Pumpkins, der an Thanksgiving geplant war, dann aber kurz vorher abgesagt wurde, und einer kleinen Tour von der Vergangenheit in die Zukunft, in Form der CDs des ehemaligen Böhse Onkelz Mitglieds Stephan Weidner, mit denen ich mich bei Gelegenheit noch etwas genauer beschäftigen muss. Und das alles allein im September, einem Monat, in dem mich jemand sehr verletzt hat, in dem ich aber auch viele gute neue Freunde gefunden habe und ganz tollen Menschen begegnet bin; in dem ich gelernt habe, dass es nicht falsch ist, auf andere zuzugehen und das auch Menschen, die weit weg sind, einem nah sein können. Für diesen Monat steht für mich ein ganz bestimmter Song, der von den Schwestern Cherie & Marie Currie Anfang der 80er Jahre aufgenommen wurde und der irgendwie auch meine Hymne des Jahres 2011 ist. Ein Song, der mich jedes Mal wieder bewegt und den ich mit der allergrößten Freude hier teile.

So, ich glaube, ich komme nun tatsächlich langsam zum Ende des Jahres und das Hauptthema könnte hier vermutlich Rock ’n‘ Roll heißen, denn bei einem Spaziergang durch die Stadt sah ich irgendwann ein Plakat, dass eine neue CD von Dick Brave & the Backbeats ankündigte, die ich mir natürlich gekauft und schon oft hoch und runter gespielt habe. Ich kenn mich ja nicht gut aus mit Musik und kann mit dem Herumgehopse der meisten modernen Künstler einfach nichts anfangen, aber sowas Modernes im alten Stil verpackt, das mag ich. Und deshalb hab ich mir vor Kurzem auch noch zwei CDs von The BossHoss gekauft, von denen ich bis zu ihrem Erscheinen in der Jury von ‚the Voice of Germany‘ bisher noch nichts gehört (oder es verdrängt) hatte und ich kann euch sagen, auch diese Jungs treffen voll meinen Geschmack und bringen mich zum schmunzeln. Und  mal unabhängig von der Musik, ich steh eben auch total auf den Rock ’n‘ Roll-Look, Jeans, weißes T-Shirt oder Feinrippunterhemd, schwarze Boots und ne coole Friseur…Ach ja, träumen kann man ja mal oder eben auch ein wenig schmachten, so wie bei diesem, letzten Video für heute, wo die Jungs allerdings dunkle Anzüge tragen, auch nicht schlecht.

Und damit mache ich jetzt Schluß für heute und wünsche euch allen einen guten Rutsch in Neue Jahr. Ich hoffe, wir sehn uns in 2012.

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