Rundherum im April

Ich bin heute zwar erst sehr, sehr spät aus dem Bett gekommen, war aber dennoch recht fleissig und hab nicht nur den kompletten Frühjahrsputz erledigt, sondern auch noch jede Menge Fotos bearbeitet und Kollagen gebastelt. Und nachdem ich gerade schon einen kleinen Beitrag zu einem anderen Fotoprojekt veröffentlicht habe, kommt hier auch gleich schon der nächste. Das Aprilthema von Paleica’s Rundherum Projekt lautet Freiheit und auch wenn es eigentlich ganz einfach ist, zu erklären, was das für mich bedeutet, wußte ich nicht so wirklich, wie ich das in Bildern umsetzen sollte. Zuerst dachte ich daran, Fotos vom Meer zu machen, bei  einem Besuch in meiner Heimat, doch die Regeln des Projektes machten eine Annäherung an das Objekt irgendwie schwierig und mir wurde außerdem schnell klar, dass das Meer oder eben Wasser an sich, für mich doch eher etwas anderes bedeutet als Freiheit.

Das Gefühl von Freiheit ist für mich immer allgegenwärtig, ganz egal was ich auch tue oder wo ich mich aufhalte, ich kann niemals nicht-frei sein. In seinem Werk „Der Existentialismus ist ein Humanismus“ schrieb Jean-Paul Sartre:

 „…der Mensch ist frei, der Mensch ist Freiheit. […] Wir sind allein, ohne Entschuldigungen. Das ist es, was ich durch die Worte ausdrücken will. Der Mensch ist verurteilt, frei zu sein. Verurteilt, weil er sich nicht selbst erschaffen hat, andererseits aber dennoch frei, da er, einmal in die Welt geworfen, für alles verantwortlich, was er tut.“

Es ist wahrlich nicht immer leicht, frei zu sein, sein Leben ganz alleine selbst zu bestimmen, keine Ausreden zu haben, etwas nicht zu tun, keine Entschuldigungen dafür, einfach aufzugeben. Es gab viele dunkle Zeiten in meinem Leben, Zeiten, in denen ich meine Existenz verfluchte und mir wünschte, das Unmögliche ändern zu können; Zeiten, in denen ich versuchte mir vorzustellen, wie meine Welt oder vielleicht eher die Welt der anderen wohl ohne mich geworden wäre; Zeiten, in denen ich mich fragte, ob ich irgendwelche Spuren hinterlassen habe oder meine Existenz einfach keinen Unterschied macht für das was war oder das was sein wird. Doch obwohl es oft unendlich schwer war und die Verzweiflung mich nicht loslassen wollte, so gab es doch immer etwas in mir, dass mich vorantrieb, ein kleines Fünkchen Hoffnung und der Wille, nicht klein beizugeben und in vollem Bewußtsein durch Licht und Dunkelheit zu gehen. Vielleicht habe ich zu viele Menschen gesehen, die sich längst aufgegeben zu haben scheinen, die sich eine heile Welt vorspielen und jeglichen Schmerz zu betäuben versuchen, die anderen die Schuld dafür geben, dass sie selbst ihr Leben nicht leben und ihre Träume nicht verwirklichen. Manchmal habe ich sie darum beneidet, weil ich das so einfach nicht konnte, nicht für mich wollte, manchmal habe ich sie dafür bedauert, weil es bedeutet, auf vieles zu verzichten und einen Teil von sich selbst nicht sehen zu wollen. Und mit der Zeit wurde aus dem winzig kleinen Fünkchen ein Feuer, das immer stärker in mir brannte, mir Kraft gab und mich voran trieb; ein Feuer, das ich manchmal vergaß, genügend zu pflegen und dennoch niemals ganz erlöschen ließ. Und wenn man die eigene Freiheit mit offenen Armen empfängt, seine Entscheidungen mit einem tiefen Urvertrauen in sich selbst treffen kann und nicht davor zurückschreckt, sich selbst für sich selbst zu verändern, dann kann das Feuer so heiß werden, dass man darin wie ein Phönix verbrennt, nur um danach schöner und stärker wiedergeboren zu werden. Diese Symbolik verdeutlicht für mich, hier und heute, am stärksten das Gefühl der Freiheit und daher ist meine sehr freie Umsetzung des Themas ein Versuch dies aufzugreifen.

Die Aufnahmen sind während meines Heimatbesuches zu Ostern entstanden, in der Nähe meiner Eltern wird am Samstag vor dem Ostersonntag immer ein Osterfeuer veranstaltet und dieses Mal war ich von Anfang an mit der Kamera dabei. Trotz des Telemakros kam ich dem Feuer doch so nahe, dass ich die Hitze deutlich spüren konnte und die Tatsache, dass gleichzeitig dicke, weiße Schneeflocken vom Himmel fielen und sich mit den aufwirbelnden Ascheteilchen zu einem Tanz vereinten, machte das Ganze zu einem ganz besonders magischen Moment. Im vergangenen Winter habe ich viel stärker als sonst an der anhaltenden Dunkelheit gelitten, doch es scheint, dass die unbändige Kraft dieses Feuers und meine Faszination dafür, mir wieder ordentlich Kraft und Energie gegeben haben. Daher gibt es ganz zum Schluss noch eine weitere Serie als kleines Extra.

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22 Replies to “Rundherum im April”

  1. welch kraftvolle Bilder

    1. Freut mich, dass Du sie genauso emfindest wie ich. Es ist ein bißchen so als würde ich noch immer dort am Feuer stehen und staunen.

  2. Eine schöne, interessante Serie, die die ganze Kraft und Schönheit des Feuers zeigt. besonders gefällt mir deine 3er Serie, die zusätzlich auch noch wie ein Feuer geschichtet ist.
    LG Michel

    1. Ich frage mich ja immernoch so ein ganz kleines bißchen, ob nicht eins dieser Bilder für die 4 Elemente besser oder passender gewesen wäre, andererseits finde ich die hier in Serie vielleicht doch schöner. Freut mich, dass Dir mein Schichten aufgefallen ist, ein bißchen habe ich das auch in der 6er Serie versucht, zumindest was den Flammengang angeht. War ein feuriger Abend, selten habe ich so viel Freude beim Bearbeiten gehabt.

      1. Gepaßt hätte sicher auch eines dieser Bilder. Aber ich bin ganz froh, dass Du Dich für das andere entschieden hats, da ich persönlich es für vielschichtiger halte.
        LG Michel

        1. Also ich glaube ja, das habe ich mir irgendwie gedacht bzw. mich bei der Auswahl gefragt, was besser zu einem Projekt von Dir passen würde 🙂

  3. Wundervolle Umsetzung!

  4. Deine „Freiheitsbilder“ zeigen die Schönheit und Kraft des Feuers sehr gut. Die Farben, das Holz und die gewählten Ausschnitte finde ich sehr gelungen.
    LG Claudia

    1. Das Auswählen war wirklich nicht leicht, bei fast 200 Fotos, daher freut es mich sehr, dass Dir meine ‚Auserlesenen‘ gefallen. Für mich war das Fotografieren an sich schon total spannend und schön, beim Bearbeiten kamen dann aber erst noch die besonderen Details zum Vorschein. Auch das ist irgendwie Freiheit 🙂

  5. liebe viola, ganz herzlichen dank für diese wunderschöne und unglaublich persönliche interpretation des themas! ich liebe diese bilder, sie sind einfach perfekt gelungen, das farbenspiel, der bildaufbau, das motiv selbst, die zusammenstellung… und die gedanken dazu. ein wunderbares zitat von jean-paul sartre, in dem auch ich mich sehr stark wiederfinden kann. und ein ansatz, an den ich so noch nicht so klar gedacht habe.
    großartig. daumenhoch.

    1. Freut mich sehr, dass es Dir so gut gefällt. Vielen Dank! Das Zitat stammt aus einem Text, den wir im Philosophieunterricht 11. Klasse behandelt haben, was man so alles aufhebt und woran man sich noch immer erinnert 🙂

      1. ja man glaubt es kaum (: ich hab noch meine ganzen psychologieunterlagen und in denen stöbere ich hin und wieder sogar gern. das psycho und philobuch haben es sogar bis in meine neue wohnung geschafft und liegen hier auf meinem wissenschaftlichen bücherregal +g+

  6. Das Feuer ist gut und damit auch atmosphärisch eingefangen. Gute Schärfe, starker Kontrast (Feuer vs. Blau der Umgebung). Besonders auf die letzten drei Bilder trifft das zu, weshalb ich die auch besonders mag.

    Die Nuss

    1. Vielen Dank, liebe Nuss, das freut mich wieder sehr 🙂

  7. Die Bilder sind großartig. Fangen die Faszination vom Feuer wirklich gut ein, man hat das Gefühl man ist „dabei“.
    Besonders gut gefallen mir:
    Collage Freiheit – links oben, rechts mitte
    von der Dreiercollage – das ganz rechts
    Tolle Zusammenstellung 🙂

    Der Point.

    1. Vielen Dank! Ich glaube, wir haben so in etwa die gleichen Favouriten 🙂

  8. Es ist alles gesagt. Wahnsinnig schön! Toller Text, klasse Fotos. Ich bin begeistert!

    1. Das freut mich sehr, vielen lieben Dank 🙂

  9. Liebe Ola, Du hast den schwereren Weg gewählt. Aber auch den besseren. Meinen Glückwunsch, das kann nicht jeder und diesen Menschen darf man deswegen nicht mal böse sein, denn es ist verdammt schwer, den Tatsachen ins Auge zu schauen. Sich selbst einen Spiegel vorzuhalten. Selbstreflektion. Wie immer man es nennen mag… Doch dieser Weg lohnt sich am Ende. Immer 😉

    1. Danke 🙂 Und ja, es stimmt, man kann niemandem böse sein, weil er den einfacheren Weg für sich wählt. Manchmal wünsche ich mir, ich könnte es auch, doch andererseits ist es eben wie es ist. Oder vielmehr bin ich eben so wie ich bin. Und das ist gut so.

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