Großstadtmärchen: Toykio featuring MDCR

Seit mehr als 5 Jahren lebe und arbeite ich nun schon in Düsseldorf und Umgebung und dennoch stelle ich gerade wieder fest, wie wenig ich meine Wahlheimat bisher eigentlich kenne bzw. wie viel mir durch mein fast 3-jähriges ‚Exil‘ in Neuss und meine teils freiwillige, teils weniger freiwillige Zurückgezogenheit entgangen ist. Es scheint mir außerdem so, dass ich jetzt, wo ich mit einem Bein wieder fest auf der Düsseldorfer Rheinseite stehe, die mir eigentlich recht vertraut vorkommende Stadt noch einmal mit ganz neuen Augen entdecke. Während mich in den ersten Jahren vor allem, die zahlreichen kleinen und großen Läden, die bunte Modewelt, die vielen tollen Cafès, Restaurants, Museen und Parks, das muntere Treiben auf und entlang des Rheins begeisterten, so ist es gerade im Moment wohl eher das Leben und Geschehen auf der Straße, die Künstler und kreativen Köpfe der Stadt, die Perspektive durch die Kamera und das Entdecken von Besonderheiten und Banalitäten im Alltag. Das liegt vermutlich daran, dass mein Leben heute ganz anders ist als noch vor 5 Jahren, ich selbst inzwischen eine andere bin und mich ganz besonders die Menschen, denen ich innerhalb des letzten Jahres begegnet bin, sowohl im realen Leben als auch in der virtuellen Welt des Gesichtsbuches, geprägt und in vielerlei Hinsicht inspiriert haben.

Als ich vor ein paar Wochen hier über die Streetart-Tour durch die Stadt geschrieben habe, habe ich ja auch einige meiner lokalen Favoriten genannt und versprochen, zu einem späteren Zeitpunkt hier noch Arbeiten von ihnen zu zeigen. Eins der allerersten Streetart-Bilder habe ich irgendwann letztes Jahr im Herbst mit meinem Handy an einer Straßenecke fotografiert, damals noch völlig ahnunglos, einfach nur so, weil ich es cool fand und in Facebook posten wollte. Bei diesem Werk handelte es sich um ein Paste-Up von Streetartist MDCR, es klebte an der Wand des Toykio’s und zeigte, wie ich erst später lernte, den Inhaber Selim Varol, der neben der Figur eine Notiz ergänzt hatte, die den Künstler, der seine Identität geheim hält, aufforderte, auf einen Kaffee im Laden vorbeizuschauen. Und weil ich in den vergangenen Jahren am Toykio zwar oft vorbei gegangen, aber noch nie drinnen gewesen bin, wußte ich nicht, dass dort nicht nur Kaffee, internationale Gebäckleckereien und Designertoys zum Verkauf angeboten, sondern auch Kunstwerke ausgestellt werden. Zur Zeit findet dort eine Ausstellung der MDCR Düsseldorf All- Stars, die sich am besten mit den Worten des Künstlers selbst beschreiben läßt:

„This is a love story! – meine Stadt, meine Helden, meine Vorbilder, meine Inspiration, meine Identität. Menschen, die ich bewundere und schätze, Menschen, die etwas bewegen und besondere Dinge schaffen, sei es sozial oder kulturell. Diese Menschen habe ich gesucht und gefunden und bin stolz auf meine ‚Düsseldorf All-Stars‘!“ (MDCR)

Die noch bis Ende Juli dauernde Ausstellung wurde am vergangenen Freitag eröffnet und ich war natürlich mit meiner Kamera vor Ort dabei, habe mir erstmal einen White Flat schmecken und die Stimmung auf mich wirken lassen, um schließlich hinabzusteigen in die heiligen Hallen. Die Atmosphäre dort ist wirklich toll, wunderbar vielfältig und voller kleiner und großer Schätze, im bunt gemischten Publikum konnte ich auch einige der All Stars entdecken und fragte mich, ob sich der Künstler selbst wohl auch irgendwo dort in der Masse befand und was er wohl dachte beim Anblick all derer, die extra für ihn zusammengekommen sind an einem leicht frischen, aber doch schönen Frühsommerabend. Ich muss zugeben, dass ich die meisten der in den Werken dargestellten Persönlichkeiten nicht kenne/kannte (Oliver Räke und Kay Schlossmacher waren vermutlich die einzigen, die ich vorher schon mal ‚live‘ gesehen habe) und somit bei der Auswahl meiner Fotomotive hauptsächlich nach persönlichem Geschmack gepaart mit einer kleinen Spur Willkür vorgegangen bin. Jedes einzelne Werk (insgesamt ca. 30) wollte und konnte ich nun auch nicht knipsen und wir ihr wißt, versuche ich wenn möglich auch Menschen in den Fotos zu vermeiden, was bei solch kleinen Räumen schwierig ist. Andererseits arbeite ich ja gleich beim Toykio um die Ecke, sind vermutlich nur 5 Minuten Fussweg vom Büro aus, da werde ich sicherlich in Zukunft öfter mal dort vorbeischauen.

   
   
   

Wie ihr vielleicht gesehen habt, habe ich Paule bereits in eins der Fotos mit rein geschmuggelt, er kriegt aber noch seinen eigenen Auftritt mit einem Wochenbild vom Ausstellungsbesuch. Später vielleicht oder aber auch erst morgen. Wir haben für ihn dort auch noch einen tollen Spielkameraden entdeckt, aber auch dazu ein anderes Mal. Schönen Sonntag noch.

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3 Kommentare

  1. ich finde die bilder alle wirklich sehr cool!
    und ich kenn das, ich wohl eigentlihc schon immer im wiener umland, aber trotzdem weiß ich so verhältnismäßig wenig über die stadt!

    1. Danke, das freut mich. Es war auch irgendwie sehr cool dort und ich geh vielleicht nochmal hin. Ich würd ein, zwei Werke des Künstlers eventuell gerne zu den anderen Streetartbildern in meine neue Wohnung hängen, hab aber ein paar potentielle Wunschmotive noch nicht fotografiert.

      Und irgendwie ist es ja auch das gute und spannende daran, in einer Großstadt zu leben, man kann immer wieder neue Seiten von ihr entdecken 🙂

      1. da hast du absolut recht (: und solang diese ausstellung is kannst du es ja auch ausnützen und öfter hinschauen! man ärgert sich sonst immer, wenn man es verpasst hat!

        da hast du absolut recht. in wien gibt es ja auhc soooviel zu sehen und zu entdecken. aber wenn man da wohnt wird man oft so faul und tut erst nur das bekannte…

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