4 Elemente: Luft

Im Gegensatz zum vergangenen Monat, wo ich das nächste Foto für das 4 Elemente-Projekt schon 3 Wochen vor der nächsten Deadline fertig hatte und ganz ungeduldig darauf wartete, dass ich es endlich veröffentlichen kann, war ich mir bis heute noch nicht einmal sicher, welches der verbleibenden 2 Elemente ich überhaupt zeigen werde. Die Grundidee für das Element Wasser habe ich schon ziemlich lange, nur gestaltete sich die Umsetzung ein wenig schwierig und obwohl ich heute bereits die ersten Testbilder sichten konnte, wird es nun doch definitiv ans Ende rutschen. Immerhin ist es für mich persönlich das wichtigste der 4 Elemente, da will ich mir einfach noch etwas mehr Zeit nehmen und nichts Halbherziges bzw. Unfertiges zeigen, auch wenn es im Grunde nur um eine ganze schlichte Umsetzung geht. Nun ja, wir werden sehen, was nächsten Monat letztendlich dabei herauskommt. Da ich mich in den vergangenen zwei Monaten ja bereits mit den Elementen Feuer und Erde beschäftigt habe, bleibt mir für dieses Mal also nur noch die Luft, das vermutlich am schwersten sichtbar zu machende Element.

In meinem Feuerbild hatte die Luft ja bereits einen kleinen Gastauftritt, als durch die Hitze erzeugtes Flimmern im Bild, man sieht sowas ja auch in besonders heißen Gegenden auf weiten Strassen, diese wallende Hitze am Horizont. Mein erster Gedanke war, dass man Luft vermutlich auch besten in der Dynamik darstellt, mit Hilfe von durch Luftströme bzw. Wind bewegte Dinge, vielleicht mit Hilfe eines leichten Stoffes oder ganz dünner Folie, aufgewirbelt mit einem Fön oder Ventilator. Dann dachte ich daran, dass ich Luft vielleicht auch einfach einfangen kann, in Seifenblasen zum Beispiel, das würde sicherlich sehr schön aussehen mit den schillernden Farben der Oberfläche und dieser Leichtigkeit, bunte Luftblasen durch die Luft schwebend. Um es mir beim Fotografieren leichter zu machen (und niemanden um Hilfe fragen zu müssen), sollten es besonders große Blasen werden, deren Herstellung jedoch ein wenig Vorbereitung und ein paar Besorgungen erforderlich gemacht hätte, wozu ich natürlich nicht gekommen bin. Als ich also vor 3 Tagen abends durch den Regen nach Hause lief, hatte ich noch immer kein Luftbild und auch keine Ahnung, ob ich denn wenigstens noch rechtzeitig ein Wasserbild bekomme. Und dann sah ich plötzlich, wie die herunterfallenden Regentropfen an der Oberfläche einer Pfütze Luftblasen erzeugten und konnte mein Glück kaum fassen. Ich hetzte die letzten Meter nach Hause, schnappte mir die Kamera und lief wieder zurück zur Pfütze, nur um festzustellen, dass der Regen inzwischen so sehr nachgelassen hatte, dass keine Blasen mehr entstanden. Ich wartete einen Moment und lief dann enttäuscht zurück nach Hause, knipste zum Trost ein paar Blümchen in den Gärten der Nachbarn und hoffte mit jedem Schritt auf wieder stärker werdenden Regen, was sich schon ein klein wenig absurd angefühlt hat. Direkt vor meiner Haustür ging es dann tatsächlich noch einmal los, es gab zwar nur eine recht kleine Pfütze am Bordstein, aber die mußte einfach reichen für ein paar schnelle Schnappschüsse mit dem Telemakro. Und so ist meine Luft eine halbrunde Blase, die sich wie eine kleine Kuppel über die Wasseroberfläche erhebt und ihre Umgebung spiegelt.

Doch ich habe bisher noch nichts darüber gesagt, was Element Luft nun speziell für mich bedeutet oder symbolisiert. Wie ich bereits sagte, ist Luft vermutlich das am schwersten sichtbar zu machende und auch greifbare Element, gleichzeitig ist es für uns das Unentbehrlichste. Sie ist das, was wir zum Leben am dringlichsten brauchen, nicht umsonst verwendet man den Vergleich, etwas zu brauchen ‚wie die Luft zum Atmen‘. Die meiste Zeit unseres Lebens merken wir kaum, dass wir atmen, es funktioniert ganz automatisch, ein und aus, immer wieder und in der Regel nur bewußt, wenn wir Schwierigkeiten damit haben, sei es aufgrund von zu wenig oder zu schlechter Luft oder verstopfter Atemwege. Ich bin im Grunde sehr froh, dass ich das Element Luft zusammen mit dem Element Wasser zeigen kann, denn am stärksten nehme ich sie war, wenn ich mich unter Wassser bewege und sie mir viel zu schnell ausgeht, ich so gerne noch ein kleines bißchen länger dort unten bleiben möchte, noch ein paar Schwimmzüge, noch ein kleines Stückchen weiter auch wenn das beklemmende Gefühl in der Brust immer stärker wird. Natürlich könnte ich mit einem Schnorchel oder einer Taucherausrüstung länger unter der Wasseroberfläche bleiben, aber es wäre nicht das gleiche Gefühl. Und ich liebe es auch sehr, dass man anhand der Luft die Jahreszeiten manchmal ganz wunderbar spüren kann; knackig kalt und kristallklar an sonnigen Wintertagen, duftend sanft und voller Leichtigkeit im Frühling, dicht und satt an schwülen Sommertagen, frisch und oftmals regenschwer  im stürmischen Herbst. Luft jagt Wolken über den Himmel, treibt Schiffe über das Meer, trägt die kleinsten Vögel und größten Flugzeuge, wiegt Grashalme und Blumen, wirbelt meine Haare durcheinander, streichelt ganz sanft über unsere Haut. Ohne Wasser kann der Mensch ein paar Tage überleben, ohne Luft nur ein paar Minuten, ohne sie können wir nicht sein.

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16 Kommentare

  1. Toll umgesetzt, eigentlich gleich zwei Elemente zusammen 😉
    In der Kugel kann man Dich und auch die Häuser erkennen.
    Das Element „Luft“ darzustellen, ist auch für mich das schwierigste. Noch habe ich keine Idee.
    liebe Grüße
    Karin

    1. Ja, irgendwie scheinen in meinen Projektbildern immer zwei Elemente auf einmal drin zu sein (Feuer/Luft, Erde/Wasser, Wasser/Luft), ist meistens eher Zufall 🙂
      Freut mich, dass es Dir gefällt. Ich kann Deine Schwierigkeiten mit dem Element gut nachvollziehen, ein bißchen Zeit ist ja noch da kommt Dir sicher noch eine Idee oder vielleicht ergibt sich wie bei mir auch einfach ein Zufallsbild.

      Liebe Grüße,
      Viola

  2. Eine wunderbare Idee, die Luft über ein Bläschen sichtbar zu machen. Und in S/W wirkt es durch die reduzierung auf die einzelne, große Blase noch stärker. Toll.

    1. Vielen, vielen Dank! Eigentlich war das Originalbild schon beinahe farblos, aber ein ganz klein wenig hat die s/w-Bearbeitung doch noch rausgeholt. Ich hatte noch ein paar anderen Blasenbilder, die ich auch ganz gut fand, einige mit Wellenmustern in der Pfütze, aber diese große hier war so schön schlicht 🙂

  3. Welch geniale Idee Luft in Form einer Blase darzustellen. Eine überaus gelungene Umsetzung!
    LG Claudia

    1. Vielen Dank, sage ich, noch immer grinsend und ein kleines bißchen rotwerdend 🙂

  4. Ich finde diese „natürlich erzeugte“ Luft für dieses Elemente Projekt viel spannender als wenn du jetzt mit Seifenblasen gekommen wärst – ich find das Bild richtig gut, die kleine Kuppel, die Spiegelung

    1. Vielen lieben Dank, das freut mich sehr zu hören. Es war halt echt Zufall, aber ich bin auch froh, dass es so geklappt halt, auch weil es für das Elementthema etwas ‚reiner‘ ist als mit Seifenlauge. Ich fands im übrigen auch echt witzig, dass Du fast zur gleichen Zeit Seifenblasen im Kopf hattest 🙂 Ich wollte gerne eine ganz große, schön bunte zeigen und hole es vielleicht bei Gelegenheit mal nach, ist bestimmt nicht so leicht udn ich bin neugierig.

  5. ich habe das irgendwie verpasst, da wirklich mitzumachen, leider. aber ich hab grade nicht den kopf, mich so intensiv mit fotoprojekten auseinanderzusetzen. dein foto gefällt mir wahnsinnig gut und deine gedanken zu luft kann ich gut nachvollziehen.
    luft ist immer allgegenwärtig und trotzdem am schwierigsten zu zeigen. aber wasser ist finde ich das schönste element.

    1. Ich hatte ursprünglich auch nicht vor, neben Rundherum und den zwei 52 Wochen-Serien noch bei anderen Projekte mitzumachen, aber das hat sich dann kurzfristig irgendwie angeboten. Garnicht so leicht für mich, nur ein einziges, alleinstehendes Foto zu präsentieren, daher freue ich mich echt total, dass bisher alle drei Beiträge gut angekommen sind. Wasser ist auch mein liebstes Element und ein kleines bißchen spüre ich den Druck, weil es so schwierig scheint, dafür ein Motiv aus so vielen möglichen zu wählen. Ich weiß im grunde, wie ich es gerne zeigen würde, aber noch nicht, ob ich es so auch umgesetzt bekomme. Zum Glück habe ich noch 3 Wochen Zeit 🙂

      1. lustig dass du das schreibst, mir geht es nämlich genauso. hab seit ewigkeiten ein paar einzelbilder in den entwürfen, aber irgendwie kann ich mich nie aufraffen, die so allein zu veröffentlichen, das kommt mir immer zu wenig vor.

        aber deines ist so toll, das hat auch das recht, ganz alleine zu stehen (:

        na dann freu ich mich mal besonders auf dein wasser-bild (:

  6. Nice work. In particular because the bubble cannot exist with out the air on ~both~ sides of the water membrane. Your picture describes both the invisibility of the air alongside it’s essential pressure.

    1. Thank you, I hadn’t even thought about this but you are right. Welcome back 🙂

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