Bühnenporträts: Erster Versuch

Da nehme ich mir extra ein bißchen Zeit, zwischen Umzugskartons und Kleidersäcken und nach einer viel zu kurzen Nacht, um noch ein paar Bilder zu posten und kaum ist der Artikel veröffentlicht, sehe ich, dass WordPress wieder einmal den Text gefressen und nur die Bilder veröffentlicht hat. Ist nicht das erste Mal, das sowas passiert und es treibt mich manchmal in den Wahnsinn. Es ist echt ärgerlich, weil mir die gleichen Worte selten wieder einfallen und die Motivation natürlich auch ordentlich geknickt ist und vorschreiben in Word funktioniert für mich irgendwie nicht so gut, keine Ahnung wieso das so ist.

Also, dann mal auf ein Neues, mein Umzugshelfer braucht noch ein bißchen. Heute geht es um etwas, mit dem ich bisher noch nicht so wirklich viel Erfahrungen habe, dem Fotografieren von anderen Menschen. Natürlich knipse ich ab und zu mal Familie oder Freunde, in der Regel auf Geburtstagen, während ich beim fotografieren in der Öffentlichkeit meistens darauf achte, möglichst keine Menschen im Bild zu haben, zum einen, weil es mich selbst im Motiv stört und zum anderen natürlich auch, weil es das Veröffentlichen solcher Bilder schwierig macht. Umso erstaunlicher finde ich es daher, wenn ich zum Beispiel andere Blogs lese, in denen der Fotograf Bilder von Unbekannten auf der Strasse zeigt und dazu aufruft, dass sich diejenigen, insofern sie sich in den Bildern erkennen, doch bitte bei ihm melden sollen. Wie er die Bilder veröffentlichen kann, ohne die gezeigten Personen vorher zu fragen, ist mir ein wenig schleierhaft, offensichtlich sehen es andere Länder mit den Persönlichkeitsrechten nicht so eng, wer weiß. Es gibt schon einige tolle Porträtfotografen dort draussen, ich bewundere beispielsweise die Arbeiten von Rankin, Brian Bowen Smith und dem Newcomer Alex Stoddard sehr, bin aber noch eher unschlüssig ob ich mich selbst mit diesem Bereich der Fotografie beschäftigen möchte, von den Selbstporträtpielereien einmal abgesehen. Es erscheint mir doch recht schwierig, man muss viel mehr auf die Kameraeinstellungen und das Licht achten, und selbst wenn man technisch alles richtig macht, gibt es immer noch die große Unbekannte, das menschliche Gegenüber im Fokus. Ich denke, das Geheimnis eines wirklich guten Porträtfotografen liegt wohl in seiner Fähigkeit, auf das Modell einzugehen, eine vertraute, lockere Atmosphäre zu schaffen und das Beste aus der Person herauszuholen, die Seele einzufangen oder auch mit den verschiedenen Seiten der Persönlichkeit zu spielen. Ob ich das könnte, weiß ich nicht, Nähe zu anderen Menschen aufzubauen finde ich nach wie vor schwierig, auch wenn es Freunde sind, aber vielleicht ergibt es sich ja noch irgendwann einmal.

Die Bilder, die ich heute zeigen möchte, habe ich während der Kunstpunkte-Veranstaltung meiner Freundin Iris gemacht. Sie hat zu diesem Anlass u.a. Bühnenporträts ausgestellt, die sie von Frank Fabry und seiner Band während der Auftritte im Circus Flic Flac gemacht hat und die Band war ebenfalls für einige kurze Auftritte vor Ort. Also habe ich die Gelegenheit genutzt und versucht, ein paar Nahaufnahmen der Künstler auf der Bühne zu machen. Es war nicht wirklich leicht, mit der Beleuchtung, dem komischen Hintergrund und vielen Störungen, sei es von vorbeilaufenden Besuchern oder unschönen Objekten. Die Aufnahmen sind sicher nicht perfekt, aber ich finde sie ganz ok. Vermutlich hätte ich den ganzen Artikel auch nur mit Fotos von Sänger Frank Fabry gestalten können, seine sich ständig ändernde Mimik ist wirklich spannend zu beobachten und ich habe einige gute Aufnahmen machen können, wollte aber den anderen Bandmitgliedern (Hans Maahn am Bass, Tom Redmann an der Gitarre und Elmar Stolley am Schlagzeug) auch Raum geben. Sehr gerne hätte ich nach der Show noch Fotos von jedem einzeln gemacht, durchgeschwitzt und abgekämpft an einer Wand lehnend, ganz nach Art des Projektes The Moment After The Show von Fotograf Matthias Willi und Journalist Olivier Joliat, ohne Bühnenposen und grossen technischen Aufwand. Daraus wurde leider nichts, denn nach dem Soundcheck am Sonntag beschwerte sich einer der Nachbarn und das Ordnungsamt untersagte die zwei noch geplanten Auftritte am Nachmittag. Kein Auftritt, keine abgekämpften Musiker, keine Fotos. Vielleicht ein anderes Mal. Hier also ein paar Aufnahmen vom Soundcheck und Auftritt am Vortrag, am Ende noch ein Foto von Band und Bühne, damit ihr euch die lokalen Begebenheiten vorstellen könnt.

 
 
 
 
 

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6 Replies to “Bühnenporträts: Erster Versuch”

  1. Mir gefallen deine Musiker-Bilder. Das eine oder andere ist vielleicht ein wenig zu dunkel und auch nicht ganz scharf… aber… und ich möchte dieses aber dick unterstreichen: gerade deshalb wirken die Bilder… Musiker sind ja permanent in Bewegung und das Licht ist mies. Meist….

    Schönes Wochenende

    1. Das freut mich sehr, lieber Jan. Du hast absolut Recht mit dem Licht und der Bewegung, das macht das fotografieren nicht leichter, andererseits erzeugen diese dürftigen Verhältnisse eben auch diese speziellen Bühneneffekte. Die meisten Aufnahmen habe ich in Photoshop noch weiter abgedunkelt und gekörnt, das bietet sich bei solchen Bildern meistens an und ich habs mir auch ein bißchen von meiner Fotografenfreundin abgeguckt. Sie fotografiert aber von vornerein mit ganz niedriger ISO, habe ich neulich bemerkt, so sieht man in ihren Porträts of wirklich nur die Teile des Gesichts etc., die direkt und sehr hell angestrahlt wurden. Das ist mir teilweise zu extrem und so sind die Endergebnisse vermutlich irgendwo zwischen meinem ’normalen‘ und ihrem Stil.

  2. Also deine bunten Detailbilder der Musikinstrumente haben mich jetzt nicht so umgeworfen, dafür finde ich diese hier umso besser, spannender, dynamischer. 🙂

    1. Das macht nichts 🙂 Schön, dass Dir diese Aufnahmen gefallen, ist garnicht so leicht sowas.

  3. Ich finde ein paar Bilder sehr ausdrucksvoll und vom Licht her genau richtig. Super.

    1. Vielen, vielen Dank, Tom. Darüber freue ich mich ganz besonders.

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