Rundherum im September

So langsam wird es kühler dort draussen, die Tage immer kürzer, grauer und stürmischer. Ganz allmählich wird der Wunsch, in lauwarmen Sommernächten endlos lange draußen zu verweilen, durch das Bedürfnis ersetzt, sich möglichst bald in eine warme Decke gehüllt auf das Sofa zu kuscheln und passend dazu präsentierte die liebe Paleica uns für diesen Monat das Rundherum-Thema ‚Freundschaft/Nähe/Wärme‘. Im ersten Moment dachte ich, dass es für mich wohl für keinen anderen Monat besser gepaßt hätte, denn gerade im September letzten Jahres hatte ich das große Glück, sehr viel davon zu erfahren, durch Menschen, von denen ich es nicht erwartet habe. Und trotzdem hatte ich am Anfang keine Idee, wie ich es fotografisch umsetzen sollte, denn es ist trotz all der guten Erfahrungen, die ich inzwischen gemacht habe, nach wie vor ein schwieriges Thema für mich persönlich. Wobei ich vielleicht dazu sagen sollte, dass es sich bei der Vorgabe um drei Themen handelt und uns die Wahl zwischen ihnen gelassen wurde. „Zeigt mir etwas, das euch mit einer Freundschaft verbindet, etwas Symbolhaftes, was spendet Wärme, was gibt Nähe?“ so Paleica’s Forderung und ich habe es versucht, mit der Freundschaft und gleichzeitig auch mit der Nähe. Ausnahmsweise heute mal zuerst das Ergebnis, danach meine Geschichte und Gedanken dazu.

Nicht zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mich gefragt, was Freundschaft eigentlich bedeutet, für mich, für andere und überhaupt. Gibt es irgendwo eine Definition und wenn ja, wer hat sich die ausgedacht? Ist es etwas, dass man an bestimmten Dingen festmachen, vielleicht sogar messen kann? Lernen wir die Bedeutung oder erkennen wir intuitiv, wer unser Freund ist bzw. sein kann? Gibt es irgendeine Grundessenz, die jede Freundschaft beinhaltet, ganz egal wie eng sie ist und wie lange sie schon besteht? Für mich ist Freundschaft etwas, das sich im Laufe der Jahre verändert, ein Begriff, der sich immer wieder neu definiert in den verschiedenen Phasen unseres Lebens. Im Kindergarten und in den ersten Schuljahren waren Freunde die Kinder, mit denen man gerne gespielt hat, in der Regel waren sie im gleichen Alter, man wuchs miteinander auf, testete erste Grenzen, entdeckte Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Später dann, in der Pupertät, waren unter den Freunden nicht nur Schulkameraden und Nachbarskinder, sondern nach und nach auch andere Menschen, einige jünger, einige älter, einige ähnlich, andere verschieden, eine immer größer werdende Gemeinschaft. Man traf sich, teilweise jeden Tag, am gleichen Ort, verbrachte Zeit miteinander. Und selbst wenn langsam auch mehr als Freundschaft entstand, blieb man zusammen bei den anderen, meistens jedenfalls, hatte man doch selten die Möglichkeit, sich woanders zu treffen. Doch irgendwann wird der Wunsch nach Zweisamkeit, nach einer Partnerschaft, einer eigenen Familie immer stärker, vielleicht nicht bei allen, aber doch bei den meisten und Freundschaftsstrukturen verändern sich ganz automatisch. Das macht sich vor allem bemerkbar, wenn man, wie ich, früher hauptsächlich männliche Freunde hatte, von denen sich einer nach dem anderen verabschiedete, sobald die Frau fürs Leben gefunden war. Freundschaft zwischen Mann und Frau ist auch so ein Thema, aber damit fange ich jetzt besser nicht an, sondern versuche zurück zum Thema und meinen Bildern zu kommen und zu erklären, wodurch für mich in einer Freundschaft Nähe entsteht.

Im Laufe des letzten Jahres habe ich sehr viele neue Menschen kennengelernt und auch wenn ich einige von ihnen noch immer nicht persönlich getroffen habe, weil sie teilweise am anderen Ende der Welt leben, nenne ich sie ohne Zögern meine Freunde. Ihre Offenheit macht es für mich so viel leichter, denn wirkliche Nähe kann nur entstehen, wenn beide Seiten geben und nehmen können, wenn man nicht nur Erzähler oder Zuhörer ist, sondern Erlebnisse, Gedanken und Gefühle miteinander teilt. Ich habe Freunde, die immer nur zuhören und so gut wie nichts von sich selbst preisgeben, bei denen irgendwie immer alles ok zu sein scheint, und ich habe auch Freunde, die so sehr mit sich selbst beschäftigt sind, bei denen das Leben ein einziges Drama zu sein scheint, so dass sie wenig von anderen wahrnehmen. Ich tue mich mit Nähe ohnehin sehr schwer, in persönlichen Gesprächen finde ich da selten die richtigen Worte und sage eher gar nichts. Es zu schreiben fällt mir allerdings erstaunlich leicht und es sind tatsächlich vorwiegend die geschriebenen Worte von Freunden, die für mich die größte Nähe erzeugen. Es braucht nicht vieler Worte, um jemandem das Gefühl zu geben, dass man gerade in diesem einen Augenblick an ihn gedacht hat, ganz egal wo er auch ist oder wie gut man sich kennt. Es ist so leicht, jemanden zu unterstützen oder zu trösten, einfach nur zu zeigen: Ich denke an Dich. Ich sehe Dich. Jeder Mensch, der es schafft, mir dieses Gefühl zu geben, für einen winzigen Moment oder eine Ewigkeit, betrachte ich als einen Freund und versuche ihm genau so viel zurück zu geben. Weil ich weiss, wie schön es ist, wenn man liebe Worte liest, die einen zum lächeln bringen oder auch Tränen der Rührung fliessen lassen können.

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17 Replies to “Rundherum im September”

  1. Wow! Tolle Bilder und in dem letzten Absatz finde ich mich so sehr wieder 🙂

    1. Vielen Dank, das freut mich total, in zweierlei Hinsicht 🙂

  2. Wunderbare Bilder zu einem wunderbaren Text, bin begeistert! Dein September-Beitrag hat mich womöglich auf eine Idee gebracht, denn meiner steht noch aus… 😉
    Danke, Ola!

    1. Oh, vielen lieben Dank, da bin ich fast ein bißchen sprachlos. Freut mich, dass ich Dich auf Ideen bringe, sehr gern geschehen 🙂

  3. Tolle Idee und klasse Umsetzung. Wenn ich die Fotos so sehe, bin ich wieder etwas traurig, dass ich das Projekt so schleifen lassen habe – aber ich hab es leider einfach nicht mehr geschafft…

    1. Vielen Dank, liebe Nicki. Mit den Themen kannst Du Dich doch trotzdem noch beschäftigen, zu einem Zeitpunkt, der für Dich richtig ist. Sei nicht traurig deswegen, es soll ja auch Spass machen 🙂

  4. Eine wunderbare Umsetzung des Themas und schöne und wahre Worte dazu.
    Ich drück Dich mal ganz lieb aus der Ferne :-*

    1. Danke, Süsse. Ich drück Dich ganz dolle zurück.

  5. Deine Collage finde ich zum Thema sehr gelungen!
    Liebe grüße von:
    Beate

    1. Vielen Dank, Beate. Darüber freue ich mich sehr.

      Liebe Grüße zurück,
      Viola

  6. die collage finde ich wunderschön und auch deine worte dazu. toll, dass du dir soviele gedanken gemacht hast und toll, was du dazu geschrieben hast!

    1. Dankeschön 🙂 Ich bin echt ein bißchen überrascht, dass sie so gut ankommt und freue mich deshalb umso mehr. Und Du weißt ja, ich mache mir immer viele Gedanken zu den Themen und versuche, sie ganz persönlich zu interpretieren 🙂

  7. So ein schöner Beitrag und die Collage ist echt schön! Sehr individuell und mit lustigen Zeichnungen. Tolle Idee! Ich finde, du hast einen schönen Schreibstil. Man merkt, dass du gerne schreibst und dich gut damit ausdrücken kannst. die perfekte Freundin für eine Brieffreundschaft. 🙂

    1. Vielen Dank für die lieben Worte. Es freut mich wirklich sehr, dass Dir sowohl die Bilder als auch der Text gefallen. Ich habe den Blog ja ursprünglich gegründet, weil ich wieder mehr schreiben wollte, wirklich gelesen wird er aber erst, seit ich auch fotografiere. Inzwischen gehört beides zusammen, Bilder die Geschichten erzählen und Geschichten, die von Bildern untermauert werden. Und ein bißchen sind meine Posts ja auch offene Briefe, an jeden, der sich die Zeit nimmt, die Worte zu lesen und nicht nur Bilder zu schauen.

  8. Klasse Idee und super Umsetzung, sowohl in Bild als auch in Schrift.

    1. Freut mich, dass es Dir gefällt. Vielen Dank.

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