Urbane Kunst en Miniature

Seit etwa einer Stunde sitze ich hier nun auf dem Sofa, wild entschlossen ein paar Bilder zu posten und kann mich einfach nicht entscheiden. Habe ich neulich nicht schon einmal so angefangen? Es ist schon manchmal komisch, wenn ich daran denke, dass ich eigentlich nur damit angefangen habe, so viele Bilder zu machen, weil sich durch den Blog erst die Möglichkeiten ergab, diese auch für etwas zu verwenden. Es zwingt mich auch niemand hier und heute noch etwas zu veröffentlichen, aber ich möchte es gerne und hoffe vielleicht auch ein bißchen darauf, dass es mir hilft, Entscheidungen für zwei in diesem Monat anstehende Projekte zu treffen. Zum einen gibt es ja wieder jeden Monat wieder ein neues Rundherum-Thema und es ist dieses Mal eigentlich ein sehr einfaches Thema, für dessen Interpretation ich vermutlich nicht besonders tief in meiner Seele herumgraben muss, es geht nämlich um die Natur. Parallel dazu startet dieses Wochenende aber auch ein neues Projekt von MüllersSicht, bei dem es darum geht, die Dualität des Herbstes in drei Bildpaaren zu zeigen und auch wenn es nicht zwangsläufig Naturaufnahmen sein müssen, bieten sich durchaus einige Motive an. Ich habe schon einige Bilder zusammen, tue mich mit der Auswahl aber noch sehr schwer und habe oft das Gefühl, dass mir irgendwie der jeweils passende andere Teil fehlt. Die Darstellung der 4 Elemente erscheint mir im Vergleich das reinste Kinderspiel gewesen zu sein.

Während ich also noch munter durch meine Alben stöbere und Gedanken jongliere, möchte ich gerne mit euch ein paar Eindrücke teilen, die nur sehr wenig mit der Natur und vermutlich gar nichts mit dem Herbst zu tun haben. Und auch wenn die Fotografie in diesem Fall auch hauptsächlich Dokumentationszwecken dient, versuche ich auch bei solchen Gelegenheiten gerne auch mal etwas anderes. Es geht um die Kunst auf der Strasse, die Gestalten von Freiräumen mitten in der Stadt, ein Thema, mit dem ich mich in den vergangenen Monaten sehr viel beschäftigt habe und das mich momentan wirklich begeistert. Am vergangenen Freitag war ich wieder auf einer Vernissage in der Galerie Pretty Portal, wo momentan verschiedene Werke des spanischen Strassenkünstlers LAGUNA gezeigt werden, der während des Cityleaks Festivals 2011 die Aussenwand eines Kölner Parkhauses mit einem riesigen Wandbild verziert und damit seine Spuren auch in Deutschland hinterlassen hat. Er sagt selbst über sich, dass seine Arbeiten von Träumen inspiriert sind und, ähnlich wie ich auch, sucht er nach den kleinen außergewöhnlichen Momenten im Alltag, die ganz plötzlich aus dem Nichts auftauchen können und oft so viel wichtiger sind als der Rest des Tages. Ich war also durchaus gespannt darauf, was mich in der Ausstellung mit dem Titel ‚Harvest of times that go away leaving signs without memory‘ erwartet. Als erstes war das vor allem ein nahezu leerer Raum, kein Vergleich zum doch sehr regen Treiben während der Eröffnung der Stencils Only Show. Ich war zwar im ersten Moment etwas überrascht, verstecke ich mich doch eigentlich ganz gerne in der Menge, konnte dieses Gefühl aber sehr schnell hinter mir lassen, da ich so die Möglichkeit hatte,  jedes einzelne Werk zu betrachten ganz in Ruhe und ganz nah. Ich entdecke viele, kleine Miniaturwelten, in denen Fische, Rentiere, Soldaten und Roboter lebten; verträumte Wunderwelten in Aquarell und wilde Abenteuerspielplätze in den buntesten Farben und kunterbunt gemischten Materialen. Einige Bilder schienen nur ganz sanft und leicht auf das Papier gehaucht zu sein, mit winzigen Details, für dessen Entdeckung man sich fast die Nase am Glas des Rahmens plattdrücken möchte und Bilder, auf denen Farbe, Kleber und Papierschnipsel so dick aufgetragen und ineinander verwoben sind, dass man die Struktur am liebsten mit den Fingern spüren möchte. Eine wunderschöne, vielfältige Mischung, die meiner Meinung nach einen guten Einblick in LAGUNA’s Werk und Arbeitsweise gibt. Aufgrund der Vielzahl der ausgestellten Arbeiten, habe ich mich dieses Mal hauptsächlich auf Detailaufnahmen beschränkt, von denen ich hier ein paar ausgewählt zeigen möchte, die komplette Übersicht aller Bilder gibt es auf der Internetseiten von Pretty Portal.






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7 Replies to “Urbane Kunst en Miniature”

  1. Das ist ja immer so eine Sache. Kunstwerke zu fotografieren. Ich fotografiere ja schon eigentlich nicht so gerne Statuen/Denkmäler usw (außer eben zu Erinnerungs- und Dokumentationszwecken) weil ich das Gefühl habe, entweder es ist ein schlechtes Foto von einem Denkmal. Oder es ist eben ein Foto von einem Denkmal, und wenn es schön ist, liegt es am Denkmal nicht am Foto. Es ist, finde ich verdammt schwer, mit einer Statue/einem Denkmal als Motiv ein Foto zu machen, dass dann auch als Foto an sich geschätzt wird. Dafür kann man bei Statuen ja noch einigermaßen viel mit Komposition, Perspektive, Schärfe, Umgebung, Details usw spielen.

    Wenn man aber wie du hier Zeichnungen/Gemaltes fotografierst, so dass man dann auch was vom Kunstwerk an sich noch erkennen soll, ist es ja wirklich nur ein abfotografieren. So kann ich sagen, ja, du hast die Bilder schön für dich dokumentiert. Auch wenn du dort nicht mehr hingehst, hast du jetzt zu Hause die Möglichkeit sie dir anzugucken. Du hast den Eindruck nicht durch störende Lichtreflexe, Unschärfe, versemmelte Kompo oder so gestört (was ja tatsächlich auch eine Leistung ist) aber man sieht eben nur das Kunstwerk, nicht dein Foto. Aber interessante Kunstwerke.

    No offense intendet, du sagst ja selbst es dient eher Dokumentationszwecken, da wollte ich aber nochmal meine Meinung zu dieser Ecke der Fotografie kund tun

    … ich erinnere mich übrigens daran, wie ich – als ich meine eigene Kompaktknipse ganz neu hatte, und noch irgendwie gar nicht fotografieren konnte, aber wollte – schöne Fotos vom PC Bildschirm abfotografierte. Haha. Natürlich sah man da auch nur das schöne – nicht von mir gemachte – Foto, und meine Leistung war allenfalls, dass ich den Makromodus meiner Kamera gefunden hatte und auch den Bildschirm richten konnte 😀 😀 Glücklicherweise habe ich nach nur drei Bildern dieser Art erkannt, dass man so natürlich kein Stück weiter kommt, haha 😀

    1. No offense taken. Ich glaube, ich kenne inzwischen Deinen Standpunkt zum Thema Fotografie ganz gut und verstehe somit, was Du sagen willst. Meine Einstellung ist allerdings eine etwas andere und ich sag’s ja auch gerne immer wieder: auch wenn es inzwischen vielleicht so aussieht, das hier ist kein Fotoblog. Natürlich freut es mich, wenn jemandem meine Bilder gefallen und auch, wenn ich mal eine neue Möglichkeit entdeckt oder etwas besser als vorher gemacht habe, aber…es geht mir nicht darum ‚ein Stück weiter zu kommen‘, ich habe kein Ziel bzw. absoult keine Vorstellung davon, wohin mich die Fotografie wohl in meinem Leben führt.

      Es ist etwas, dass mir momentan Freude bereitet und im Alltag begleitet und ermöglicht mir, Dinge die mir gefallen mit anderen zu teilen, die diese Dinge vielleicht garnicht erst sehen würden oder auch könnten. Ob das nun fremde Orte, leckeres Essen oder Banalitäten des Alltags in neuem Licht sind. Und gerade die Strassenkunst lebt von einer sehr starken Symbiose mit der Fotografie (Ausstellungen in Galerien sind noch sehr selten), sind die Werke doch oftmals sehr vergänglich oder aber auch nur fest an einen Ort gebunden, durch Fotografien gehen sie jedoch um die Welt und begeistern Tausende von Menschen. Und so geht es hier eben auch etwas, dass ich erlebt und gesehen habe, dass ich teilen möchte, um zu sagen ‚Hey, schaut euch mal diesen Künstler an, ich finde seine Arbeiten sehr schön und inspirierend.‘ Und wenn mir dann die Künstler selber sagen, dass ihnen meine Bilder von der Show gefallen, ist es natürlich auch schön. Einer hat sogar eins davon als Titelbild in Facebook verwendet, das sehen tausende von Menschen – die wissen nicht, dass es von mir gemacht wurde und das ist auch völlig bedeutungslos, es freut mich einfach, denn es ist so dort draussen in der Welt, nicht nur auf meiner Festplatte.

      Um nochmal auf den Anfang zurück zu kommen, wenn ich fotografiere, denke ich nie bzw. nur äußerst selten (wenn es zum Beispiel für ein Projekt ist) daran ‚ein Foto zu machen, dass dann auch als Foto an sich geschätzt wird.‘ Ich mach halt einfach und wenn was cooles dabei herauskommt, vielleicht auch mal etwas künstlerisches, dann freu ich mich darüber und wenn nicht, ist es nicht schlimm. Fotografie ist ja im Grunde immer dokumentarisch und die Bilder Mitbringsel für all diejenige, die man im Moment des Entstehens eben nicht einfach mal anstupsen konnte, um zu sagen ‚Schau mal, wie schön das ist.‘ Es gibt Millionen von Bildern dort draußen, die schöne Dinge perfekt abgelichtet und in Photoshop nachbearbeitet zeigen, die aber nur sehr wenig von der ‚Seele‘ oder der ‚Essenz‘ des Motivs bzw. des Fotografen enthalten, bei denen man allerfalls denkt ‚Schönes Bild/coole Technik/netter Focus‘ oder was auch immer, die einem aber absolut nichts geben. Keine Emotionen auslösen, keine Geschichte erzählen. Und die, die anders sind, entstehen meistens ohne nachzudenken, aus dem Moment bzw. der Verbindung von Fotograf und Motiv/Modell. Ich war vor einer Woche in der Rankin-Ausstellung hier in Düsseldorf und auch wenn ich vielleicht nicht alle Porträts schön fand, sondern eher verrücht und teilweise auch verstörend, war ich unheimlich beeindruckt und hatte totale Gänsehaut bei einigen Bildern.

      Ok, ich lass es mal gut sein, höre auf zu labern und stürz mich ins Wochenende. Ein Projektbeitrag für MüllersSicht will noch gebastelt werden und ich habe noch immer keinen Plan 🙂

      1. Ja, ich verstehe dich.

        Ich betreibe ja auch öfters mal den rein dokumentarischen Ansatz.
        Bestenfalls kombiniert sich das bei mir aber, Dokumentation und „Kunst“ 🙂

        Ich finde deinen Ansatz aber auch interessant, dass du die Fotos quasi wirklich vor allem deswegen machst um das Kunstwerk zu zeigen … dich dabei quasi bewusst und gerne in den Hintergrund rückst. Eine sehr selbstlose Art des Teilens in diesem Fall.

        Und eher tatsächlich eher etwas was ich noch seltener mache als einfach nur mein Erlebtes zu dokumentieren.

        Glaube ich. Mir fehlt da irgendwie auch der Überblick, mal ist es eher so dann wieder eher so 😀

        … eins muss ich aber wohl noch sagen, ich habe deinen Blog wirklich als Fotoblog betrachtet. Fotoblog mit viel Text drum herum, aber Fotoblog. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich in einer stärkeren „Projektphase“ zu dir gekommen bin und auch gleich einige deiner Selbstportraits gesehen habe.

        1. Ja, die meisten sind hier erst dazu gestossen, als ich mit der Knipserei angefangen habe und es merke immer wieder, dass man Menschen mit Bildern viel leichter erreicht als mit Worten. Ich weiss noch genau, dass alles mit Paleica’s Gesetz der Serie angefangen hat, wie ich aber überhaupt darauf gekommen bin, kann ich beim besten Willen nicht mehr sagen. Ich finde es auf jeden Fall immernoch total spannend und habe außerdem schon einige ganz tolle Menschen durch die Fotografie kennengelernt. Und wenn ich mich recht erinnere, habt ihr euren Blog ursprünglich ja auch mit einem ähnlichen Ansatz begonnen, verschiedenes aus dem Leben zu zeigen. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Geschichte mit dem Titel/Thema ‚Dein Bauchnabel‘ 🙂

          Das Leben ist voller Überraschnungen und Veränderungen, bei Dir beginnt ja nun gerade das große Abenteuer Uni. Mal sehen, was noch so alles passiert.

  2. Ohja, das finde ich auch schwierig – Kunst fotografieren. Trotzdem ist es dir gut gelungen!

    1. Vielen Dank, Nicki. Es ist immer ein kleiner Spagat zwischen einfach nur abfotografieren und dem gewissen Etwas. Meistens reicht schon eine andere Perspektive. Am kommenden Samstag bin ich wieder in ähnlicher Mission unterwegs. Es gibt da nämlich noch ein Künstlerpaar, dass ich hier unbedingt noch vorstellen möchte und das natürlich am liebsten mit wenigstens einem, eigenen Bild. Mal sehen, ob es klappt.

  3. […] dabei war allerdings als wir um eine Ecke bogen und ich plötzlich vor dem von Laguna, ich habe neulich über ihn berichtet, gemalten Wandbild stand, da hatte ich echt ein bißchen Herzklopfen und bin […]

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