Rundherum im Oktober

Es gibt ja durchaus Menschen, die glauben nicht daran, dass es Zufälle gibt. Ich selbst bin mir da auch nicht immer ganz so sicher, aber als ich am Monatsanfang das neue Thema für das Projekt Rundherum in Paleica’s Blog las, mußte ich schon etwas schmunzeln. Im Oktober sollten wir uns als mit ‚Natur‚ beschäftigen und gerade einen Tag zuvor hatte ich bei einem kleinen Ausflug im Volksgarten einige Bilder geschossen, die sich dafür förmlich anboten, auch wenn sie vielleicht nicht 100% dem Regelwerk des Projektes gerecht werden. Doch obwohl ich mir von Anfang an sicher war, dass es ganz bestimmt diese Aufnahmen werden, lagen sie noch eine Weile auf meiner Festplatte herum, selbst die Kollage ist schon seit einer Weile fertig, und trotzdem zögerte ich noch. Vielleicht lag es daran, dass ich dachte, mir würde vielleicht noch eine andere Idee kommen oder ein besseres Motiv begegnen. Vielleicht war es aber auch die Tatsache, dass eins der Bilder nicht so wirklich zu den anderen zu passen schien, ich aber nach wie vor bei der 6er Serie bleiben wollte. Nachdem sich der Herbst seit gestern wieder von seiner schönsten und wärmsten Seite zeigt und die Stimmung dort draußen sehr stark an den Sonntag erinnert, an dem ich diese Bilder gemacht habe, finde ich, dass es nun Zeit wird loszulassen und das Thema abzuschließen. Hier ist er also, mein herbstlicher Nachmittag in der gelb-grünen Grossstadtoase.

Bleibt am Ende noch die Frage, kann man eigentlich ein so weitläufiges oder auch allgemeines Thema irgendwie persönlich interpretieren? Gibt es etwas ganz Bestimmtes, dass ich damit verbinde oder daran besonders schätze? ich bin ja relativ naturnah aufgewachsen, mit einem großen, wilden Garten hinterm Haus, kleinen Wäldchen und sumpfigen Wiesen ganz in der Nähe, nicht ländlich, sondern nur ein kleines bißchen außerhalb mit Blick auf die Kirchtürme der Stadt. Und als sich die unmittelbare Nachbarschaft auf einmal in eine riesige Baustelle verwandelte und nach und nach eine neue, moderne Betonsiedlung aus dem Boden wuchs, stampften wir über modrigen Boden, bauten Flosse und fingen Kaulquappen in den mit Regenwasser gefüllten Baulöchern. Gibt es als Kind etwas Schöneres, als draußen in der Natur herumzutoben und immer wieder neue Welten und Räume zu erobern? Bedeutet erwachsen werden, auf solche Abenteuer verzichten zu müssen?

Für die großen Erlebnisse und Naturschauspiele zieht es uns oft in die Ferne und auch ich konnte vor allem während meiner zwei Amerikareisen einige sehr beeindruckende Erfahrungen machen, habe weite Ebenen, tiefe Canyons, tosende Wasserfälle, uralte Baumriesen, dunkle Höhlen, hohe Berge und endlose Strände gesehen. Nature at it’s best. Sie erstaunt, verzaubert, begeistert und fasziniert, macht uns spachlos und demütig. Und trotz allem, liebe ich das Leben in der Grossstadt, das Gefühl der Freiheit und die unendlich vielen Möglichkeiten. Ich schlendere gerne durch die belebten Strassen, tauche ein in der Menge, unbeobachtet beobachtend oder auch einfach nur gedankenverlorenen durch den Fluss der Massen treibend. Doch eine Stadt kann nur wirklich meine Stadt sein oder werden, wenn sie auch mit grünem Leben durchzogen ist, kleine Orte der Ruhe, Fluchtpunkte für die Seele. Parks mit verschlungenen Wegen, grünen Wiesen, blühenden Blumen, plätschernden Bächen, großen Bäumen und kleinen Seen, auf denen Enten ganz gemütlich ihre Runden drehen. Wo man einfach nur einen Moment lang dem Funkeln der Sonnenstrahlen auf dem Wasser zusehen oder stundenlang mit einem Buch oder dem liebsten Menschen auf der Welt unter einem Baum liegen möchte. Für die kleinen, wundervollen Momente im Alltag.

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8 Replies to “Rundherum im Oktober”

  1. Eine sehr schöne Collage (Bild 2 und 4 sind meine Favoriten) 🙂
    Ich als Berlinerin bin ja eher im Großstadt-Dschungel ausgewachsen, aber ich liebe es jetzt umso mehr, in die Natur rauszufahren un einfach mal die Ruhe zu genießen. Am See entlang schlendern, auf der Parkbank sitzen und die Sonnenstrahlen genießen… es tut wirklich gut, von der Hektik abzuschalten und das kann man wirklich in der freien Natur!
    Liebe Grüße!

    1. Oh ja, Bild Nr. 4…dazu wollte ich eigentlich noch eine Geschichte erzählen, habe ich ganz vergessen. Es ist so ein typisches Motiv, das sieht man und denkt sofort ‚Das muss ich einfach fotografieren‘, traut sich dann aber nicht so wirklich. Es sind halt Menschen drauf zu sehen und sowas ist immer heikel, wenn ich sie aber angesprochen hätte, wäre der Moment nicht mehr derselbe gewesen und so ist ist nur ein einziger, schüchterner Schnappschuss aus der Ferne geworden. Zum Glück ging es nicht in die Hose 🙂

      Und was den Großstadtdschungel angeht, das ist Düsseldorf im Vergleich zu Berlin vermutlich nur ein begrünter Blumenkasten 😉

      1. Du hast die beiden so gut wie von hinten fotografiert, man erkennt nicht, wer es ist, bekommt bei der linken Person allenfalls eine leise – aber SEHR leise, mit viel Fantasie – Idee, wer es sein KÖNNTE. Insofern geht die Aufnahme in Ordnung, Ola 😉 Es ist übrigens mein Favorit in dieser Collage 🙂

        1. Danke 🙂 Ich hab auch gedacht, dass wird so vielleicht schon in Ordnung sein. Ich selbst würde die beiden auf der Strasse auch nicht wieder erkennen, dafür waren sie zu weit weg. Und ganz vertieft in ihre eigene, kleine Welt.

          Das Bild ist auch mein Favourit und der Hauptgrund, warum ich am Ende doch diese Bilderreihe genommen habe. Die anderen wirken halt eher in der Serie als allein.

  2. Sehr sehr schön beschrieben und fotografiert!

    1. Vielen Dank, Ruthie 🙂

  3. du schreibst immer so schön. der letzte absatz könnte beinahe von mir sein. um all die dinge, die du schon gesehen hast, die canyons und baumriesen und die endlosen strände, darum beneide ich dich ein wenig. ich hoffe, dass ich acuh noch das eine oder andere davon sehen werde. mir geht es da genauso. ich bin eigentlich schon ein stadtmensch, ich könnte so richtig am land glaube ich nicht so gut leben, aber in einer durch und durch großstadt auch nicht. das ist das schöne an wien. und am wiener umland.

    deine serie finde ich übrigens wunderschön, die bilder passen alle perfekt zusammen, sie haben herrliche farben und zeigen tolle momentaufnahmen!

    1. Freut mich sehr, dass Dir die Bilder und der Text gefallen. Ich fand auch, dass sie fabrlich ganz gut paßten, als Erinnerung an einen schönen Herbstnachmittag im Park. Meine beiden Amerikareisen waren ja eher so spontane Ideen, eigentlich hatte ich früher nie den Wunsch, so etwas zu machen. Doch nachdem ich dort war und all das gesehen habe, bin ich schon sehr froh, dass ich es gemacht habe. Ich hoffe, dass es nächstes Jahr wieder klappt, vielleicht eine Woche Ostküste (New York und Umgebung) und eine Woche Westküste (San Francisco und LA), kurze Strecken, da ich wohl alleine fliegen werde und ja keinen Führerschein habe. Obwohl, ein paar Freunde/Kollegen ziehen gerade nach Singapur, da hab ich endlich mal einen Grund, weiter Richtung Osten zu reisen 🙂

      Du wirst ganz sicher auch noch sehr viel von der Welt sehen in Deinem Leben. Alles zu seiner Zeit. Es sind nur ein paar Flugstunden bis nach Amerika, heutzutage ist die Welt irgendwie so viel kleiner. Und vielleicht zeige ich hier auch noch ein paar Bilder von der Ostküste, ein paar Freunde drängeln gerade und fragen mich mich danach. Wir werden sehen.

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