Ein Einohrhase in Berlin

Wißt ihr noch, wie schlecht ich mich letzte Woche gefühlt habe, weil ich Paule zu Hause vergessen hatte und er so den ganzen Spaß in Köln verpaßt hat? Und das ich ihm dafür, zusätzlich zum Spielen mit der Carrerabahn, versprochen hatte, dass ich es auf jeden Fall wieder gut machen werde, wenn wir in Berlin sind? Nun, das ging leider ganz böse in die Hose. Dabei sah alles noch so vielversprechend aus, als wir am späten Freitagmorgen aus dem Hotelbett geklettert sind und uns ein strahlend blauer Himmel begrüßte, was wirklich eine sehr schöne Überraschung war, hatte es doch noch am Abend zuvor in Strömen geregnet. Froher Dinge bin ich also mit der S-Bahn zum Alexanderplatz und von dort langsam, mit zwei Kameras und dem Handy abwechselnd fotografierend Richtung Museumsinsel geschlendert. Bewaffnet mit einem köstlichen Becher heißer Schokolade im Kampf gegen die Kälte fand ich mich schließlich neben dem Berliner Dom wieder und beschloss, dass es doch vielleicht eine schöne Hintergrundkulisse wäre, um den Paule mit einem Berliner Motiv in Szene zu setzen.

Damit der Dom auch ordentlich zu sehen ist, mußte ich logischerweise recht schräg nach oben halten und den Kleinen dementsprechend platzieren und dafür schien sich das Geländer der Spreepromenade geradezu anzubieten. Leider schien das nur so, denn das Geländer war oben abgerundet und der kleine Paule hatte so seine Schwierigkeiten, mit seinen Pfötchen darauf Fuss zu fassen. Nur schnell ein paar Aufnahmen und dann weiter, das war der Plan, doch nachdem es ein paar Sekunden gut ging, hat er dann doch den Halt verloren und ist in die Tiefe gestürzt. Beim ersten Mal ist nichts passiert und es hätte mir eine Warnung sein sollen, aber nein, ich konnte es nicht lassen und außerdem hat Paule ja schon ganz andere Sachen überstanden. Naja, wir ihr sehen könnt, wurde mein Leichtsinn bestraft und als ich Paule nach dem nächsten Sturz aufhob, sah er auf einmal so anders aus und war um ein Ohr ärmer. Und was macht man in solchen Situationen? Genau, man sucht nach den verlorenen Körperteilen. Oben wo ich stand war es nirgendwo zu sehen, aber auf dem ca. 3 m tieferen Weg, der direkt unten am Wasser entlang läuft, sah ich den abgetrennten Löffel liegen.

Inzwischen sind wir wieder zu Hause angekommen und ich habe das Ohr gestern Abend mit Sekundenkleber wieder angeklebt. Es war ein ganz sauberer Ohrenbruch, der ganz bestimmt schnell und gut verheilt. Paule geht es prima und man sieht kaum, dass das Ohr mal ab und er vorübergehend ein Einohrhase war. Zum Beweis gibt es nächste Woche ein Nachher-Bild, heute aber erstmal ein Unfallfoto.

Und damit ihr euch vorstellen könnt, unter welchen Umständen der Paule für mich so posieren bzw. arbeiten muß, ergänze ich noch zwei Bilder vom verhängnisvollen Shooting am Berliner Dom, eins in Pose und eins beim Fallen. Man könnte ja meinen, ich sollte besser mal ein Stuntdouble für den Kleinen anheuern, aber es sind ja nur noch 9 Bilder bis zum Projektende, das wird er doch noch schaffen, oder nicht? Vielleicht war es auch nur eine Ironie des Schicksals, schließlich waren wir ja wegen der Premiere von Lilly Lindner’s neuem Buch in Berlin. Es trägt den Titel: ‚Bevor ich falle‘. Nächstes Mal fange ich Dich auf, Paule. Oder ich verleihe Dir Flügel. Vielleicht gibt es ja diese Kinderleinen auch in Miniaturausgabe für abenteuerlustige Plastehasen. Ich werde das mal recherchieren.

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6 Kommentare

  1. gute besserung, paule! modeln ist eben ein gefährlicher job…

    1. Paule bedankt sich recht herzlich. Es geht ihm schon deutlich besser, das reparierte Ohr scheint gut zu halten und er lächelt schelmisch vom Fensterbrett rüber. Und fragt sich vermutlich, was er diese Woche durchmachen muss, schließlich ist ja morgen Halloween…wir werden sehen 🙂

  2. Muahahaha, ich amüsiere mich gerade köstlich über den fallenden Paule xD Wie geil, dass Du da noch die Nerven hattest, auf den Auslöser zu drücken! Aber das erste Dom-Bild ist wirklich ganz ganz toll geworden – der Sturz hat sich also gelohnt 😉

    1. Haha. Na, das freut mich jetzt aber, dass Du das so lustig findest, damit sind dann wohl hoffentlich alle Sorgen verschwunden und der Schock überwunden. Oh Gott, ein Reim, wie konnte das passieren? Freut mich sehr, dass Dir auch das Dom-Bild gefällt, für die #kunst‘ bringt man ja gerne Opfer 😉 Ich war irgendwie nicht so ganz überzeugt davon, was auch einer der Gründe war, warum ich doch noch ein anderes Wochenbild gemacht habe. Ist manchmal nicht leicht, mit der Auswahl.

  3. die paule in action fotos sind ja cool (:
    aber dass der ärmste beinah sein ohr verloren hat! ein glück gibt es sekundenkleber und du bist eine tolle krankenschwester 😀

    1. Hihi, vielen Dank. Ich verlange ihm ja manchmal so einiges ab, aber zum Glück steckt er viel weg. Und bald ist es ja geschafft, dann kann er in Rente gehen 😉

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