Projekt Dualismus – Still

Schon wieder ist eine weitere Woche vergangen und läßt das Jahresende immer näher rücken. Schon wieder sitze ich in eine weiße Decke gehüllt auf meinem roten Sofa und suche nach rahmenbildenen Worten, an einem noch jungen und dennoch von künstlichem Licht beleuchteten Nachmittag. Das nächste Bild für Michel’s Dualismus-Projekt, das Gegenstück zu den bewegten Blättern der letzten Woche, habe ich bereits vor einigen Wochen gemacht, am gleichen Nachmittag, an dem auch das Abbild des Pilzes im zweiten Beitrag über den Spiegel auf meine Speicherkarte gewandert ist. Ein schlichtes, zartes Motiv, das von einem kurzen Moment der Ruhe erzählt.

Obwohl es gerade heute sehr grau, stürmisch und ungemütlich ist, dort draußen hinter der schützenden Fensterscheibe, und ich immer wieder bunte Blätter an mir vorbei fliegen sehe, so gibt es im Herbst auch sehr viele stille Tage und ruhige Momente, die einen kleinen Vorgeschmack auf den bald kommenden Winter geben. Ich denke dabei an in Morgennebel gehüllte Wiesen und Felder, auf denen winzige Tautropfen an Grashalmen hängend in der aufgehenden Sonne glitzern, an die leeren Strassen der noch schlafenden Stadt, früh am Morgen, bevor der Tag beginnt. Mit den immer kürzer werdenden Tagen ziehen auch wir uns immer mehr zurück in die Geborgenheit unserer vier Wände, treffen unsere Freunde zu einem gemütlichen Abendessen bei Kerzenschein anstatt irgendwo draußen im Biergarten zu sitzen oder am Rheinufer zu grillen, verbringen viele Stunden zusammengerollt auf dem Sofa mit einem guten Buch, einem schönen Film oder lieben Menschen. Und manchmal, an einem der oft endlos scheinenden grauen Nachmittage, versinken wir auch einfach in unseren Gedanken, schwelgen in Erinnerungen, träumen von der Zukunft und blicken stundenlang auf die leere Straße, die Fenster der gegenüberliegenden Häuser oder die endlose Weite des Himmels. Es gibt Momente im Leben, da muss man auch mal einfach nur nichts tun und der Stille ihren Raum geben. Innehalten und einfach nur sein.

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18 Replies to “Projekt Dualismus – Still”

  1. als wären die tropfen aufgesetzt.
    ein schönes bild. und ein genauso schöner text, der es liebevoll umrahmt,
    gefällt mir sehr gut.

    1. Die Tropfen machten auf mich tatsächlich den Eindruck, als hätten sie sich dort ganz bewußt platziert und hielten sich mit aller Kraft in Form, um besonders schön zu rund und glänzend auszusehen. Freut mich sehr, dass es Dir gefällt.

  2. als sei der moment eingefroren! wiedermal ein klasse bild mit einem text, der es genau trifft!

    1. Vielen Dank 🙂 Ein kleiner ruhiger Moment am Wegesrand, obwohl die Tropfen ein bißchen so aussahen, als würden sie sich so schnell nicht abschütteln lassen.

  3. Wie recht du hast mit der Stille.
    Und für mich ist die Stille ein schöner Moment – ein Augenblick wo Kräfte gesammelt werden…… bitternötig.

    Sehr sehr schönes Foto, gefällt mir wirklich ausgesprochen gut.

    Lieben Gruss – sonja

    1. Danke Dir, Sonja. Ich finde Stille auch sehr wichtig. Manchmal braucht man das einfach, den Rückzug, allein sein, um in sich zu gehen und etwas Abstand zu gewinnen. Um dann irgendwann wieder voller Energie durchzustarten oder auch einfach nur etwas Verrücktes machen zu können.

      Sei lieb zurück gegrüßt,
      Viola

  4. […] sehr aktuell it vielen tollen bildern von follygirl’s photoblog, james, sonjas perspektive, Viola, jana, ruthie, wildemischung, Frau K. von musculardisorder, alltagsblick und carinas foto blog. […]

  5. Ein tolles Bild mit einem Text, der wunderbar zum Herbst passt.
    Ich mag diese Stille, die Möglichkeit, die Gedanken schweifen zu lassen.

    Liebe Grüße,
    Moritz

    1. Vielen Dank, Moritz. Ich bin eigentlich ein eher unruhiger Geist, daher sind solche ruhigen Momente ganz besonders wichtig.

      Herzlich willkommen hier in meiner Blogwelt und einen lieben Gruß zurück,
      Viola

  6. Oh, wie wunderschön! Das Bild und der Text dazu wirken beruhigend und entspannend auf mich, die ich manchmal hektisch und gehetzt bin. Ich liebe das Projekt! Hab ich das schon gesagt? Du hast es – wie immer – super beschrieben und bebildert!!!

    1. Danke, Ruthie! Was für ein schönes Kompliment 🙂 Es ist wirklich ein ganz tolles Projekt, da kann ich Dir nur zustimmen. Beinahe schade, dass es nur noch zwei Bilder sind. Andererseits hab ich ja noch ein paar ungenutzte in Reserve, der Herbst ist schon irgendwie eine echt tolle Jahreszeit.

  7. Wunderbar entspannte Tropfen, die sich auf einen Halm setzten, um in Ruhe Tag und Leben zu genießen.
    LG Michel

    1. Sehr schön beschrieben, Michel, das waren sie in der Tat. Durch nichts und niemanden aus der Ruhe zu bringen, völlig sorglos auf ihren Halmen schaukelnd.

  8. Stille, Ruhe und die Reduktion der Reize gehört eben so zu unserem Sein, wie das Lebendige. Deine Aufnahme schaute ich mir nun mehrmals und länger an, da sie mich begeistert.
    LG Claudia

    1. Das hast Du aber lieb gesagt, Claudia, vielen Dank. Ich habe anfangs auch eine Weile davor gesessen, geschaut und geschaut, mich gefragt, ob sie wohl paßt und wenn ja, wozu. Und irgendwann fügt sich alles zusammen, in einem stillen Moment.

  9. Ein wundervolles Bild, Perlen der Natur. Deine Worte sprechen mir aus der Seele, die Stille genießen, nicht alle können das!
    Ein gut gewählter Bildschnitt und harmonische Farben.
    lieben Gruß
    Karin

    1. Vielen Dank, Karin. Ich habe einige Freunde, denen es so gut wie garnicht gelingt, die immer Musik oder Menschen um sich haben müssen. Ich selbst brauche inzwischen diese ruhigen Momente, um mich zu sammeln und etwas Abstand zu manchen Dingen zu bekommen.

      Sei ganz lieb zurück gegrüßt,
      Viola

  10. […] theatralisch und bescheiden // Bewegend und still // Anfang und […]

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