Analoge Abenteuer

In den ersten Monaten nach dem Erwerb meiner Lomography DianaF+ hatte ich nur wenig Zeit für analoge Experimente und bis aus ein paar erste Testbilder kaum etwas fabriziert. Das hat sich inzwischen zumindest ein bißchen gebessert und ich war in den Herbstmonaten deutlich öfter mit der kleinen Kamera und verschiedenen Rollfilmen unterwegs. Nachdem die ersten Experimente mit schwarz/weiß und Redscale eigentlich ganz gut gelaufen waren, fand ich die Ergebnisse der Septemberknipsereien eher enttäuschend. Die meisten Bilder waren viel zu dunkel und man konnte im Grunde nichts darauf erkennen. Hinzu kam, dass das Labor leider zwei Filme beim Entwickeln vertauscht hat, so dass ich nur zwei von vier Filmen beurteilen konnte. Ein kleiner Dämpfer in der anfänglichen Euphorie, aber von so etwas soll man sich ja nicht aufhalten lassen und so habe ich mich munter weiter durch den Herbst, Berlin, Köln und Düsseldorf geknipst. Da ich außerdem dieses Mal gerne die Entwicklung im LomoLab testen wollte, habe ich ein paar Filme gesammelt und zusammen eingeschickt. Das dauert leider deutlich länger als im Labor (Entwicklung innerhalb eines Tages), denn man muss erst bestellen, bekommt dann per Post einen frankierten Umschlag mit nummerierten Aufklebern für jede Rolle, schickt die dann ans LomoLab (Sitz in Wien) und wartet. Nicht ganz zwei Wochen nachdem ich die Filme abgeschickt hatte, bekam ich schließlich Emails mit Links für den Download der entwickelten und eingescannten Bilder, die Abzüge werden wohl innerhalb der nächsten Tage in der Post sein. Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass ich von den 6×12 Aufnahmen nur 5 Stück komplett versemmelt habe, weil ich mal wieder den Objektivdeckel drauf gelassen hatte. Ein wirklich guter Schnitt, für meine Verhältnisse. Und hier sind sie also, ein paar ausgewählte Bilder aus meiner DianaF+, pro Filmrolle jeweils zwei Stück.

Ich beginne mal in chronologischer Reihenfolge, vielleicht erkennt man so einen möglichen Lerneffekt. Die ersten beiden Aufnahmen sind mit dem Lomography Slide/ X-Pro 200 gemacht, gleichzeitig also meine erste Crossentwicklung. Viele Aufnahmen von den Film sind etwas zu unscharf bzw. körnig, weil ich oft viel zu nah an den Objekten dran war. Rechts eine Doppelbelichtung, klappt nicht immer, aber ich kann’s nicht lassen.

Autumn trees Hidden lantern

Ende Oktober war ich dann ja zu einem Workshop speziell für die DianaF+, organisiert vom Lomo-Store in Köln. Viele Einstellungen hat die Kamera ja nicht – Sonne, Wolken oder teils/teils, 3 Entfernungen, Tag/Nacht, 12/16 Bilder bei 120 mm Rollfilm, das ist schnell erklärt und verstanden. Am kniffligsten in der Bedienung ist eigentlich die Tatsache, dass der Sucher oberhalb des Objektivs sitzt und man nie so direkt sieht, was am Ende auf dem Film landet. Sehr gewöhnungsbedürftigt. Es war ein sonniger Tag und so habe ich mich etwas gewundert, dass wir zum knipsen einen Lomography Farbfilm mit ISO 800 bekamen; die meisten der von mir gekauften Filme haben ISO-Werte, die deutlich niedriger sind und ich hatte schon langsame ein komisches Gefühl deswegen. Hohe ISO und viel Sonne, damit sollte es angeblich problemlos gute Bilder in besonders kräftigen Farben geben, so wurde es uns zumindest gesagt. Nun ja, ich weiß ja nicht, die Ergebnisse finde ich wirklich sehr bescheiden, vielleicht habe ich zuviel mit der Doppelbelichtung gespielt bzw. mich wieder mit den Entfernungen vertan.

Watered bench Leaves on lawn

Eine Woche später in Berlin, bei nahezu gleichen Lichtverhältnissen, habe ich drei weitere neue Filme getestet: den Redscale XR mit ISO 50-200, einen abgelaufenen Kodak Ektachrome 400 und einen Lomography Farbfilm mit ISO 400. Der letzte Film läßt sich allerdings nicht ganz so gut beurteilen, da ich alle Aufnahmen am späten Nachmittag kurz vor Sonnenuntergang gemacht habe, da reisst eine 400er ISO nicht mehr so wirklich viel. Dafür haben die beiden anderen umso mehr geglänzt. In den Redscale Film habe ich mich ja gleich am Anfang verliebt, auch die ISO 100 gibt da schon tolle Ergebnisse, der abgelaufene Film ist aber nochmal eine ganz andere Kategorie voller Überraschungen. Da mag ich ich die Bildstörungen teilweise viel lieber als die eigentlich abgelichteten Motive.

Cloudy monuments Red church
Berlin, expired II Berlin, expired I
Berlin sky II Berlin sky I

Und ganz zum Schluss, weil’s so schön ist, kommen noch einmal Redscale-Aufnahmen von einem sonnigen Sonntag in Düsseldorf. Falls jemand von euch gerne noch mehr analoge Bilder sehen möchte, schaut einfach mal bei Gelegenheit in meinem Lomo-Home vorbei. Ist halt anders, aber auch irgendwie cool und auf jeden Fall eine Herausforderung, mit solch doch recht einfachen Mitteln ordentliche Bilder zu machen. Mal sehen, wie sich das noch so entwickelt, ich werde natürlich nach wie vor hauptsächlich digital fotografieren. Und wenn die Sonne am Himmel lacht, mit dem allergrößten Vergnügen auch ab und zu einmal rot sehen.

Silent sunny road Doubled time

Teile diesen Beitrag:

8 Replies to “Analoge Abenteuer”

  1. Wow, super interessante Fotos! Die Redscale-Aufnahmen gefallen mir am besten – so ein schönes warmes Orange-Rot 🙂
    Die erste Doppelbelichtung mit der Laterne ist auch toll – ach, es sind alle toll!

    1. Danke, Süsse. Ich war echt positiv überrascht von den Ergebnissen, nach der Enttäuschung beim letzten Mal. Und Redscale ist einfach der Hammer, genau mein Ding. Eigentlich hab ich viel zu wenig Zeit, um mit der Lomo herumzuspielen, aber ich habe noch eine ganze Kiste voller Filme, da geht also noch was 🙂

  2. ich find die redscale aufnahmen auch klasse. besonders „analogred2“ mit der uhr. das gefällt mir sehr gut 🙂
    und die beiden aus der x-pro 200 serie gefallen mir auch gut. die haben durch das licht einen ganz ebsonderen charme 🙂
    eine schöne kamera..
    lieben gruß!

    1. Freut mich, dass sie Dir gefallen, Sabrina. Ist echt erstaunlich, was die etwas höhere bzw. flexiblere ISO bei dem Redscale Film so alles rausholt. Ich bin echt begeistert und wünschte, ich könnte sowas auch mit der DSLR und Photoshop hinzaubern. Andererseits ist aber auch schön, mit der Lomo und immer voller Überraschungen 🙂

  3. Schöne, warme Effekte!

    1. Danke. Ich bin wirklich sehr verliebt in den neuen Redscale Film.

  4. oooh die sind aber toll! sie haben einfach alle immer so einen ganze eigenen charme und eine besondere ästhetik.
    ganz besonders hat es mir analogred4 angetan. aber auch die bilder vom himmel finde ich wunderbar!

    1. Freut mich, dass sie Dir gefallen. Ich find es nach wie vor total spannend, zu sehen, was dabei so herausgekommt. Dein Favorit ist auch einer von meinen 🙂

      Gestern habe ich übrigens endlich die Abzüge bekommen und muss sagen, dass die Bilder gedruckt sogar noch besser aussehen. Und hatte ich erwähnt, dass das Lomohauptlabor in Wien ist ^^

Wenn Du auch etwas dazu sagen möchtest...