Urban Artists: Herakut

Es gibt manchmal Dinge, die kugeln ganz lange in meinem Kopf hin und her, Beiträge, die ich so gerne und unbedingt schreiben möchte und die trotz allem irgendwie nie so wirklich ihren Platz einnehmen wollen. In diesem hier geht es um das Künstlerduo Herakut, dass ich wie so viele andere Künstler aus der stetig wachsenden Streetartszene noch nicht sehr lange kenne, von all jenen dort draußen aber vermutlich am allermeisten bewundere. Das liegt zum einen an ihrem ganz besonderen Stil, einer Kombination aus ausdrucksstarken Bildern und Worten, die als eine Form des Dialoges zwischen den beiden Künstlern Hera und Akut oft ganz spontan direkt vor Ort entstehen. Sie sagen selbst, dass ihre Arbeiten (Bilder, Kollagen und auch Skulpturen) das beschreiben, was gerade in ihren Köpfen vorgeht und das ihnen ihre Zusammenarbeit die Möglichkeit bietet, aus einem noch größeren Vorrat an Bildern, Gedanken, Gefühlen, Ideen, Träumen und Ängsten zu schöpfen. Ihre Kunst ist wie eine Art Tagebuch, sehr authentisch und oft auch sehr emotional und bewegend, aus dem Moment heraus erschaffen sie etwas, gemeinsam und manchmal auch unter Einbeziehung der Menschen, die sie während ihrer Arbeit begleiten, unterstützen oder auch nur beobachten.

Es fällt mir unheimlich schwer, hier die richtigen Worte, zu finden, vermutlich weil es dort draußen nicht nur unheimlich viele tolle Bilder, Interviews und Videos über die beiden und ihre gemeinsamen Arbeiten gibt. Und auch, weil sie selbst in ihren zwei bisher veröffentlichten Büchern ‚The perfect Merge‘ und ‚After the Laughter‘ einen in meinen Augen perfekten Rahmen gefunden haben, um sich der Welt in aller Offenheit zu präsentieren. Es sind einfach so viele Eindrücke und Emotionen, dass ich jedes Mal, wenn ich mich an diesen Artikel setzen wollte, das Gefühl hatte, mich in all dem zu verlieren oder nur endlos bereits Gesagtes zu wiederholen. Ironischerweise ist mir erst gestern beim Blättern durch die Bücher aufgefallen, dass eigentlich der Druck, den ich nach langem Suchen vor einigen Wochen über eine Londoner Gallerie gekauft habe, es in wenigen Worten sagt. Damit ihr sehen könnt, zeige ich es euch.

Als ich Ende Oktober für einen Nachmittag in Köln war, um an dem Lomo-Workshop teilzunehmen und meine Freundin Dagmar für den 24h Comic Day mit Schokokeksen zu dopen, stand ganz oben auf meiner Liste auch ein Abstecher nach Ehrenfeld. An der Wand des dortigen Bürgerzentrums haben Herakut nämlich im Rahmen des Cityleaks Festivals 2011 eines ihrer Bilder hinterlassen und ich wollte natürlich die Gelegenheit nutzen, es mir live vor Ort anzuschauen. Ich war ganz aufgeregt, es war schon recht spät und wurde allmählich dunkel als ich die Straße entlang lief, nach links und rechts Ausschau haltend nach etwas, dass wie ein Bürgerzentrum aussehen könnte. Und plötzlich erblickte ich etwas, zwischen den Bäumen, aus dem Augenwinkel heraus und konnte nicht anders, als vor lauter Freude vor mich hin zu grinsen. Unverkennbar ein Herakut, absolut unglaublich und ergreifend.

Zur Zeit sind Herakut im Rahmen ihres ‚The Giant Story Book‘-Projektes unterwegs in Amerika und verzieren Häuserfassaden in verschiedenen Großstädten mit vertrauten Motiven und völlig neuen Charakteren, alles in Vorbereitung auf das nächste Buch, dieses Mal speziell für Kinder. Heute Abend wird in Miami das bisher 8. Bild, Goddess of Dreams, offiziell enthüllt und ich bin schon sehr gespannt auf die Fotos. Für mehr Info’s, Bilder und Links zu den verschiedensten Videos, schaut doch einfach mal auf ihrer Facebookseite vorbei.

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6 Replies to “Urban Artists: Herakut”

  1. […] ist nun schon eine kleine Weile her, seit ich euch hier einmal kurz meine absoluten Lieblingskünstler, das Duo Herakut, vorgestellt habe, kurz nachdem ich […]

  2. Ich glaube, ich hätte vor lauter Freude geschrien 🙂
    Ich liebe Herakut und habe noch kein einziges Foto 🙁
    Dein Beitrag ist toll, danke!!

    1. Danke 🙂 Das kann ich mir gut vorstellen, die Bilder sind wirklich der Wahnsinn. Ich habe, glaube ich, nicht geschriehen, war auf der Fahrt dorthin aber schon ein bißchen aufgeregt. Und Bad Vilbel ist ja so ein bißchen das Herakut-Mekka. So viele Bilder auf einmal gibt es sonst nirgendwo und da ich ohnehin in der Gegend war, mußte ich da natürlich auch hin. Natürlich kann man sich auch alles in den Büchern bzw. im Internet anschauen, es ist aber doch nochh mal etwas anderes, die Sachen in riesengroß an der Wand zu sehen 🙂

  3. Mit Herakut ergeht es mir ähnlich wie dir hier in Ehrenfeld, und das jedesmal neu, wenn ich wieder ein Mural live gefunden habe. Zu meinem Glückserlebnis in Ehrenfeld hast du maßgeblich beigetragen, Danke dafür. Die Bilder zeige ich auch irgendwann die Tage, habe aber gerade festgestellt, das deine leuchtender und plastischer sind. Ein Grund nochmal nach Köln zu fahren….
    Grüße

    1. Gern geschehen 🙂 Ich hab das mit der Location vom Herakutbild extra nochmal erwähnt, weil Sebastian von Streetartmag nämlich schon mal daran vorbei gelaufen, ohne es zu sehen. Als ich damals dort war, war die Sicht zum Teil durch Sträucher versperrt, die inzwischen abgesägt wurden, dadurch konnte ich nur schräg von der Seite aus knipsen. Es gibt eigentlich immer einen guten Grund, wieder nach Köln zu fahren, dieses Jahr ist ja auch wieder das CityLeaks Festival, nicht vergessen 😉

      1. In Köln erging es uns auch so. Wir waren kurz in der Innenstadt mit dem Rad (keine Ahnung warum (Auto parkte in Ehrenfeld), sind dann wieder über die Vogelsangerstraße nach Ehrenfeld gefahren und nur zufällig beim Blick zurück auf 2 riesige Murals an Hauswänden aufmerksam geworden. City Leaks ist überall. Und ohne vorher Notizen zu machen verpaßt man dort anscheinend ziemlich viel.

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