2012 zwischen Buchdeckeln

Als ich zum ersten Mal darüber nachdachte, ob ich auch am Ende diesen Jahres wieder zurück blicken sollte auf all die Bücher, die ich in den vergangenen zwölf Monaten gelesen habe, purzelten nur ein paar Titelbruchstücke und vage Bilder durch meinen Kopf und ich hatte ernsthafte Zweifel, ob es mir überhaupt gelingen würde. Normalerweise reicht es für gewöhnlich, wenn ich mich dazu einfach vor meinen Bücherschrank setze und die Titel aller Neuankömmlinge notiere. Durch den Umzug dieses Jahr ging das so leider nicht, denn in der Jahresmitte wurden alle Bücher umgelagert und neu sortiert, geschätzte 200 Stück stapeln sich zur Zeit noch immer hinter dem Sofa, weil ich noch keine passende Regallösung für sie gefunden habe. Glücklicherweise kaufe ich seit einigen Jahren schon den größten Teil neuer Bücher online bei Amazon, die Auswahl an englischsprachiger Literatur dort ist einfach unschlagbar, da kann selbst die größte Buchhandlung nicht mithalten, und so konnte ich anhand meiner Bestellungen eine nahezu vollständige Liste meiner Lektüre zusammenstellen. Eine Liste, die nur etwa halb so lang ist wie die von 2011 und auch deutlich kürzer als mein normales Jahrespensum von etwa einem Buch pro Woche. Wundern tut mich das allerdings nicht sonderlich, wenn ich daran denke, dass ich in der ersten Jahreshälfte für meine Verhältnisse wirklich ungewöhnlich oft Musik gehört habe, auch in Situationen, in denen ich sonst immer ein Buch in der Hand hatte, beim Ausdauertraining im Fitnessstudio oder auf der Straßenbahnfahrt zum Büro. Durch meinen Umzug zurück in die Stadt gehe ich außerdem seit ein paar Monaten zu Fuß zur Arbeit, wodurch ebenfalls einiges an Lesezeit verloren gegangen ist.

Last but not least, habe ich auch das Gefühl, das dieses Jahr für mich viel mehr ein Jahr der Bilder als der Worte war und auch ein Jahr der Begegnungen. Während meines Urlaubs in Dubai habe ich auf dem Literaturfestival die Schriftsteller David Nicholls und Nicolas Sparks live über ihre Bücher und ihr Leben reden gehört und Ende Oktober traf ich die Lilly Lindner auf einer Lesung ihres neuen Buches ‚Bevor ich falle‘. Bereits im vergangenen Jahr habe ich darüber geschrieben, wie sehr mich diese junge, deutsche Schriftstellerin mit ihren Geschichten und ihrer wunderbaren Sprache berührt hat und in diesem Jahr war es nicht viel anders, vermutlich sogar noch intensiver. Ich hatte das neue Buch erst kurz vor der Lesung, die sich als sehr intime und berührende Inszenierung entpuppte, im Zug gelesen und war so bewegt, dass mir auch Stunden danach immer wieder die Tränen kamen und ich kaum ein Wort herausbrachte als ich schließlich neben Lilly stand und mein Buch von ihr signieren ließ. Es passiert mir nicht oft, das jemand so sehr meine Seele berührt und das ich mich in den Worten eines anderen so sehr wiederfinde, auch wenn die Geschichten, die Lilly erzählt nicht meine Geschichten sind. Diese kurze Begegnung war ohne Zweifel eines der bewegendsten Erlebnisse in diesem Jahr und ich bin wirklich sehr froh darüber, dass ich extra dafür nach Berlin gefahren bin.

Wie auch im letzten Jahr gab es einige Neuerscheinungen von meinen Lieblingsautoren und auch Wiedersehen mit alten Bekannten, Bücher, die ich schon einmal gelesen habe und die in der Liste mit zwei Sternchen gekennzeichnet sind, denn ich lese lieber ein gutes Buch zweimal als meine Zeit mit einem schlechten zu verschwenden. Leider gab es auch wieder ein paar Bücher, mit denen ich einfach nicht warm wurde und letztendlich weglegte, ohne sie zu Ende zu lesen, sie befinden sich ganz unten auf der Liste und sind mit einem Kreuz markiert. Ich habe außerdem noch eine kleine Liste gemacht für Bildbände, Zeitschriften und Kunstkataloge, sie waren bzw. sind kleine Quellen der Inspiration und manchmal auch Ansammlungen von Kuriositäten. Die beiden Bücher der Urban Artists Herakut (aka Hera und Akut) kann ich euch wirklich sehr empfehlen, wunderbare und bewegende Einblicke in das Leben und die Arbeiten zweier großartiger Künstler, von denen man hoffentlich noch sehr viel hören wird. Damit es euch nicht zu langweilig wird mit soviel Text und den Listen, habe ich gestern noch ein paar Makros von gefaltenen Buchseiten gemacht. Worte in Bildern, denn für mich verstecken sich immer Bilder in Worten.

Worte zwischen Buchdeckeln:

  1. „Snuff“ von Terry Pratchett
  2. „Shattered“ von Lilly Lindner
  3. „Sacre Bleu“ von Christopher Moore
  4. „Artemis Fowl and the Last Guardian“ von Eoin Colfer
  5. „The Serial Killers Club“ von Jeff Povey**
  6. „The Choice“ von Nicolas Sparks
  7. „The Understudy“ von David Nicholls
  8. „Starter for Ten“ von David Nicholls
  9. „Criminal“ von Karin Slaughter
  10. „The Wrath of Angels“ von John Connolly
  11. „Shadow Walker – Schattengänger“ von Anja Thieme
  12. „Dearly Devoted Dexter“ von Jeff Lindsay
  13. „Darkly Dreaming Dexter“ von Jeff Lindsay
  14. „I suck at Girls“ von Justin Halpern
  15. „Wicked Business“ von Janet Evanovich
  16. „The Da Vinci Code“ von Dan Brown**
  17. „I’m not a Serial Killer“ von Dan Wells**
  18. „The Wind through the Keyhole“ von Stephen King
  19. „The World’s most handsome Man“ von Edwin Heaven**
  20. „11.22.63“ von Stephen King
  21. „Bevor ich falle“ von Lilly Lindner
  22. „Things my Girlfriend and I have argued about“ von Mil Millington**
  23. „Rivers of London“ von Ben Aaronovitch
  24. „Moon over Soho“ von Ben Aaronovitch
  25. „Neon Angel: A memoir of a Runaway“ von Cherie Currie
  26. „A year in the Merde“ von Stephen Clarke**
  27. „Die 13 ½ Leben des Käptn Blaubär“ von Walter Moers (lese ich gerade noch)**
  28. „Fierce invalids home from hot climate“ von Tom Robbins+
  29. „Der Geschichtenverkäufer“ von Jostein Gaarder+
  30. „Skippy dies“ von Paul Murray+

Bilder zwischen Buchdeckeln:

  • „Winter Songs“ von Viggo Mortensen (Gedichte und Fotografien)
  • „After the Laughter“ von Herakut (Urban Art)
  • „The Perfect Merger“ von Herakut (Urban Art)
  • „Une Semaine de Bonte Semaine de Bonte: A Surrealistic Novel in Collage a Surrealistic Novel in Collage“ von Max Ernst
  • „The Moment after the Show“ von Matthias Willi und Olivier Joliat (Fotografien und Interviews)
  • „Portraits“ von Rankin (Fotografien)
  • „State of the Art Photography“ (Katalog zur Ausstellung)
  • „(Tat)Orte“ (Katalog zur Ausstellung)
  • „Container  Architektur“ (Katalog zur Ausstellung)
  • „From Polaroid to Impossible“ (Katalog zur Ausstellung)
  • „Dazed and Cofused“ (Zeitschrift, monatlich veröffentlicht von Rankin)
  • „Hunger“ (Zeitschrift, zweimal im Jahr veröffentlicht von Rankin)
Teile diesen Beitrag:

10 Replies to “2012 zwischen Buchdeckeln”

  1. Love those pictures of the book pages … they convey the depth and beauty of the form. Wishing you the very best for 2013 Ola 🙂
    My life is returning to its new normality (somewhat contradictory and nonsensical but there you go)

    1. Thank you, Geoff. And welcome back. New normality sounds good, I think I know what you mean as it feels a bit like this for me, too. Hope to see more from you in the New Year and that the preparations for the exhibition are making good progress. All the best in 2013 🙂

  2. ich liebe die fotos von den buchseiten und ich bin jedesmal wieder baff, wieviel du schaffst zu lesen. ich komme viel zu wenig dazu und ich scahffe kaum ein buch pro monat. aber dafür hab ich etwas neues für mich entdeckt: da ich ja jeden tag über eine stunde im auto sitze nutze ich die zeit für hörbücher. es ist nicht dasselbe wie lesen, aber es ist besser als nichts und man kann auch sehr versinken. gerade höre ich herr der ringe. zeit es nochmal zu lesen würde ich bestimmt in den nächsten jahren kaum finden und so kann ich mich ganz von der geschichte in bann ziehen lassen. herrlich!

    1. Als ich den Kommentar gelesen hab, fiel mir ein, dass ich doch tatsächlich noch (mindestens) ein Buch in der Liste vergessen habe 🙂 Als ich Herr der Ringe zum ersten Mal gelesen habe, vor 15 Jahren oder so, hab ich zu mir gesagt, ich sollte es eigentlich jedes Jahr mal lesen, bin aber nicht dabei geblieben. zuletzt habe ich es vor 6 Jahren gelesen und obwohl ich alle Filme auf DVD habe, sind mir die 12 Stunden zur Zeit einfach zu lang. Hörbücher sind für mich ja nix, dauert länger als selber lesen und Auto fahre ich ja nicht. Ich habe allerdings meinem Bruder vor ein paar Jahren mal ein Hörbuch geschenkt, Walter Moers glaube ich, weil ich es doof fand, dass er so gar nicht mehr gelesen hat und er findet, dass sich damit lange Autofahrten viel besser aushalten lassen als wenn man Radio hört, weil man aufmerksamer zuhört und sich nicht nur bedudeln läßt. Er wohnt ja kurz vor der Schweizer Grenze und bis zu unseren Eltern sind es 1000 km, da hat er schon so einige Hörbücher geschafft. Und ich weiß immer, was ich ihm zum Geburtstag oder zu Weihnachten schenken kann 🙂

  3. das ist dann natürlich superpraktisch 🙂 mir geht es sonst wie gesagt auch so, ich lese lieber als zu hören, aber diese ein bis eineinhalb stunden jeden tag gehören jetzt der literatur und ich habe endlich das gefühl, dass es nicht mehr nur verschwendete lebenszeit ist. es wird ein buch und ein leseerlebnis nie ersetzen, aber es ist einfach besser als nichts.
    und ich finde es schön, dass du der herr der ringe genauso magst 🙂 ich habe ja 3 anläufe gebraucht um es zu lesen, aber dann bin ich so in die welt hineingekippt, dass sie mich nicht mehr loslässt.

  4. Hallo meine Liebe, entschuldige, dass ich dir einfach so schreibe, aber ich hätte eine Frage an dich: Hast du zufällig „Shattered“ von Lilly Lindner? Ich suche es nämlich schon ziemlich lange und bin bei meiner Suche, auf deiner Seite gelandet. Im gleichen Atemzug frage ich auch, ob du es abgehen würdest.

    Bitte nicht böse sein, für meine direkte Frage 🙂

    Hab einen guten Start in die Woche!
    Yvonne

    1. Liebe Yvonne, dafür brauchst Du Dich doch nicht entschuldigen und ich bin natürlich auch nicht böse, dass Du fragst. Es ist noch garnicht solange her, da hat mich in einem anderen Beitrag jemand danach gefragt. Kurz gesagt: Ja, ich besitze ein altes Exemplar dieses Buches und habe es damals für beinahe unverschämt viel Geld über Amazon Marketplace gekauft. Es war vermutlich das letzte noch irgendwo verfügbare Exemplar und ich möchte mich nicht davon trennen. Tut mir sehr leid.

      Wie Du vielleicht weißt, sollte bereits 2013 beim Baumhaus Verlag (Bastei Lübbe) eine Neuauflage erscheinen und auch die anderen beiden Teile (es handelt sich ja um eine Trilogie) folgen, leider ist daraus bis heute nichts geworden. Vielleicht fragst Du einfach mal bei Lilly’s Agenten, Harry, oder direkt beim Verlag nach, ob es irgendwelche Pläne gibt, die Geschichte doch noch herauszubringen. Die Kontakte findest Du auf Lilly’s homapge unter: http://www.lillylindner.de/glueck.htm

      Liebe Grüße,
      Viola

      1. Liebe Viola,
        danke für deine Antwort.
        Eigentlich kann ich dich ja verstehen und würde nicht anders handeln, so einen Schatz gibt man nicht so leicht her, aber ich freu mich für dich, dass du ihn ergattern konntest.
        Ich hab schon alle gefragt, aber dieses Buch ist scheinbar unauffindbar. Neben dir, da kenne ich nur noch eine andere Person, die es hat, aber irgendwann, so glaube ich einfach ganz fest, wird es einen Weg zu mir finden.
        Bastei Lübbe hat mir übrigens gesagt, dass momentan nichts geplant ist.
        Eine Frage muss ich dir aber doch stellen: Wie ist das Buch? Lohnt sich meine Suche danach?
        Nochmals danke für deine liebe Antwort.

        Lieben Gruß
        Yvonne

        1. Hallo Yvonne, das Buch ist ganz gut, aber man merkt halt auch, dass Lilly noch etwas jünger war, als es entstanden ist. Sie hat es, glaube ich, geschrieben, als sie noch im Heim war und auch wenn es eine Fantasiegeschichte ist, sind die Beziehungen der Charaktere und ihr gemeinsames Schicksal vermutlich das domininierende Element. Ich hab das Buch damals gekauft, weil ich nach ‚Splitterfasernackt‘ einfach Lust hatte, noch mehr von Lilly zu lesen, mir gefallen die späteren Bücher aber ehrlich gesagt besser, weil ich besonderer Sprachstil dort viel ausgereifter und schöner ist. Kurzgesagt: es gibt bessere Bücher von Lilly und es gibt bessere Fantasieromane als ‚Shattered‘.
          Ich würde mich nicht zu sehr auf die Suche nach diesem einen Buch versteifen, zumal es ja auch nur der erste Teil der Geschichte ist und man nicht erfahren kann, wie es mit den Kindern weitergeht, da die anderen Bände nie erschienen sind. Wenn Du ‚Winterwassertief‘ gelesen hast, weisst Du ja, dass bei Harry bereits weitere 20 Manuskripte von Lilly auf ihr Erscheinen warten, es wird also auch in Zukunft noch sehr viel von ihr zu lesen geben. Hab einfach ein bisschen Geduld, vielleicht ist auch die Shattered-Trilogie darunter.

          Liebe Grüsse,
          Viola

          1. Liebe Viola, dann will ich die Suche ein wenig einstellen, weil ja, vielleicht wollte ich einfach wissen, wie der Anfang von Lillys Worten ist, vermutlich war es mein Ziel und irgendwann, da werde ich das Buch finden, daran glaube ich einfach ganz fest, aber wie du sagst, Harry hat genug Manuskripte, so dass es noch viele Worte für uns geben wird.
            Danke für deine ehrlichen Worte.
            Alles Liebe
            Yvonne

Wenn Du auch etwas dazu sagen möchtest...