[1/52] Auf ein Neues

Ich glaube, ich habe hier etwas weiter unten mindestens ein oder zweimal erwähnt, dass ich in diesem Jahr erstmal bei keinem Fotoprojekt mitmachen und den Paule auch nicht unbedingt noch eine weitere Runde drehen lassen wollte. Der Gedanke an Deadlines schien mir nicht so recht zu behagen, vermutlich weil ich zur Zeit meistens gedankenträge auf dem Sofa herum lümmele und mich viel lieber in den bewegten Bilderwelten anderer herumtreibe als dem weißen Rauschen des beinahe wortlosen Raumes genügend Beachtung zu schenken um genügend Gedankenstränge zu bündeln. Doch so wirklich behaglich ist sie nicht, diese Stille, und ich habe in den letzten Monaten immer wieder bemerkt, wie viel leichter es ist, jemanden mit Bildern zu erreichen und wie gut sich damit nicht nur das Gesehene, sondern auch das Gefühlte dokumentieren läßt.

Im letzten Jahr habe ich in Flickr bei einem Projekt für die englische Zeitung The Guardian mitgemacht. Es war ein einfaches 52 Wochenprojekt ohne jegliche Themenvorgabe, bei dem für jede Woche des Jahres ein Bild eingestellt werden konnte. Ich hatte mir selbst die Einschränkung gesetzt, dass ich dafür nur mit dem Handy fotografierte und bearbeitete Bilder verwenden wollte, Bilder, die ein besonderes oder typisches Ereignis der Woche zeigen und gleichzeitig meine Stimmung reflektieren sollten. In manchen Wochen entstanden witzige, schöne oder auch coole Bilder, in anderen hatte ich echt Probleme noch schnell irgendetwas zu knipsen und die Ergebnisse sind mir teilweise vielleicht sogar etwas peinlich. Und wenn ich das ganze Bilderset so anschaue,  finde ich es vielleicht insgesamt auch etwas düster, doch so war das Jahr 2012 und in einem abschließenden Artikel zum Projekt, hat Projektleiterin Hannah ganz gut zusammengefaßt, was der Grundgedanke bzw. das Ergebnis des Projektes eigentlich war:

„Many articles have been written on smartphones, Instagram and online apps killing the art of photography. But this group suggested the opposite: taking photos on your phone and sharing them is about moments rather than photography. Sharing news through images is an age-old desire just made easier by the web.“

Als ich am Jahresende las, dass das Projekt auch in diesem Jahr fortgeführt wird, habe ich nicht lange überlegt und mich dazu entschlossen, noch eine Runde mitzudrehen und wöchentliche Erinnerungsstücke aus meinem Leben zu erstellen, mit allen mir zur Verfügung stehenden fotografischen Mitteln. Und heute habe ich mich nun auch dazu durchgerungen, die Ergebnisse nicht nur in Flickr, sondern auch hier im Blog zu veröffentlichen. Mit etwas weniger Worten, vermutlich. Das erste Bild des Jahres entstand am Neujahrsmorgen vor meiner Haustür. Mit dem Makro bewaffnet schlurfte ich über die regennasse Strasse und suchte zwischen den Überresten der Silvesternacht nach Motiven. Und wunderte mich darüber, wie vergänglich der Prunk einer einzigen Nacht, die Erinnerung an die endlosen bunten Lichter, doch ist und wie lange es danach dauert, um die Straßen wieder zu säubern, den Schlaf nachzuholen und letztendlich tatsächlich wieder ganz neu anzufangen.

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3 Replies to “[1/52] Auf ein Neues”

  1. ich mag die idee. und besonders den teil des kommentars „moments rather than photography“. das ist sie nämlich, die ästhetik der smartphonephotography, denke ich.
    ich mag das bild und ja, so schnell kann sich glanz und glamour und regennasses überbleibsel verwandeln…

    1. Ja, wir haben ja schon oft gesprochen, über diese Momente in den es in den Fingerspitzen kribbelt und die einen an den Rand der Verzweiflung treiben können, wenn man keine Kamera zur Hand hat oder irgendetwas anderes das Festhalten im Bild verhindert. Ging mir vorhin auch wieder so – sitze nämlich im Zug und wollte noch ein bißchen Winterlandschaft knipsen, aber die Kamera spiegelte sich immer in der Scheibe. Jetzt ist es eh zu dunkel und ich hab aufgegeben.

      1. ohje das ist schade 🙁 ich hab jetzt dafür vor, mir eine tolle kompaktkamera für immerdabei zu kaufen. die kann halt deutlich mehr als meine alte lumix und wie das iphone sowieso.

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