[5/52] Eine Stadt im Fotowahn

Eigentlich wollte ich für diese Post etwas ganz Besonderes machen, schließlich macht er wieder einen Hunderter rund und dreht den Zähler auf die 300. Ich dachte daran, vielleicht am Wochenende eine kleine Homestory zu machen, mit ein paar neuen Selbstporträts in meiner neuen Wohnung, bunt und fröhlich sollte es werden, das war zumindest die Idee. Vor 3 Tagen mir dann allerdings zufällig, beim Surfen im Internet, aufgefallen, dass an diesem Wochenende das 2. Düsseldorfer Photo Weekend stattfindet und so habe ich meine ursprünglichen Pläne schnell über den Haufen geworfen. Ich gebe zu, ich war doch ein wenig beschämt darüber, dass ich davon erst so spät etwas mitbekommen und die erste Veranstaltung im letzten Jahr total verschlafen habe. Eine ganzes Wochenende, bei dem es nur um Fotografie geht und das auch noch in meiner Stadt, ich habe keine Ahnung, wie mir das passieren konnte und so wollte ich diesmal so viel wie bei meinem Langschläferzeitplan möglich mitnehmen. Um mich für eine der vielen organisierten Führungen durch verschiedene Galerien anzumelden, war es natürlich schon zu spät, aber eigentlich gehe ich ohnehin viel lieber alleine auf Entdeckungsreise und mache mir meinen eigenen Plan. Mein erstes Ziel am Samstagnachmittag war Ausstellung Go Photo, in der Werke junger zeitgenössischer Fotografie gezeigt wurden. Der Ausstellungsort, ein sich noch im Rohbau befindliches Gebäude der Schwanenhöfe, lag nur knappe 2 Kilometer von meiner Wohnung entfernt und da ausnahmsweise auch endlich mal wieder die Sonne am Himmel strahlte, bin ich zu Fuß dorthin gelaufen und habe unterwegs gleich noch ein paar digitale und analoge Eindrücke gesammelt. Die Ausstellung selbst war recht interessant, mit einer guten und bunten Mischung an Bildern bzw. Künstlern, sehr gut präsentiert in einer sehr coolen Location in der sogar das fotografieren erlaubt war. Aber Bilder anderer Fotografen knipse ich natürlich nicht, das macht ja nun wirklich so gar keinen Sinn, aber ein paar kleine Besonderheiten hatte der Raum dann doch zu bieten und so kam ich zu meinem Bild der Woche, einem aufgehängtem Begleitheft mit  Texten zur Ausstellung .

Im Anschluss daran ging es von Flingern direkt in die Altstadt, für den letzten Teil der Veranstaltung Portfolio Review im Salon des Amateurs. Dort wurde ein paar ambitionierten Fotografen die Möglichkeit geboten, ihre Arbeiten vor einer professionellen Jury und Publikum zu präsentieren, konstruktive Kritik zu bekommen, Kontakte zu knüpfen oder auf einfach nur etwas Aufmerksamkeit zu ziehen. Wie schon bei der vorher besuchten Ausstellung, war ich vor allem neugierig zu sehen, was die Fotografen von heute so zu zeigen haben, welche Themen sich in den Bildern finden und welche Techniken benutzt werden. Ich fand es fast ein wenig amüsant, dass sehr viele junge Fotografen offensichtlich vorwiegend analog zu arbeiten scheinen und so manch einer auch nach vielen Jahren scheinbar wahl- bzw. ziellos Bilder schießt. Es gab einige, die konnten sehr viel dazu erzählen, was sie zeigen wollen und welche Themen sie beschäftigen, doch sehen konnte man es in den Bildern nicht so richtig. Ich hatte mich auch bewußt für den letzten Termin des Tages entschieden, weil ich im Anschluss daran die Preisverleihung stattfand und ich gerne wissen wollte, wessen Portfolio schließlich das Rennen machen würde und habe mich sehr darüber gefreut, dass es die Künstlerin Kamila Musilova wurde, deren Präsentation ich live vor Ort gesehen haben und deren Installationen mir außerordentlich gut gefallen haben. Ich habe von dort auch noch etwas kleines mitgebracht, kein Bild des überfüllten Raumes mit abgeschnittenen Menschen an den Bildrändern, sondern einen Teil der Raumdecke direkt über mir. Ganz einfach, weil mir danach war und ich die Geradlinigkeit und das Licht mag.

Am Sonntag hatte ich eigentlich keine rechte Lust, aus dem Haus zu gehen und die zwei Ausstellungen, die ich mir noch gerne anschauen wollte, wurde gerade erst gestern eröffnet und werden noch für einige Wochen bzw. Monaten hier in Düsseldorf gezeigt. Doch gerade als ich es mir so richtig schön gemütlich machen wollte, stellte ich fest, dass ich vergessen hatte neuen Kaffee zu kaufen und so habe ich mich kurz entschlossen auf den Weg in die Stadt gemacht.  Nachdem ich mir am Bahnhof einen Latte Macchiato gekauft hatte, ging es mit der U-Bahn schnell in Richtung NRW Forum, genauer gesagt in die gerade eröffnete Ausstellung Bryan Adams – Exposed und ich bin noch immer sehr beeindruckt von den dort gezeigten Porträts, auch wenn mir ein paar wenige Aufnahmen etwas zu unscharf und/oder körnig waren. Seine Künstlerporträts sind sehr vielseitig, einige nachdenklich, einige unheimlich stark, manche sehr intim und andere mit einem Augenzwinkern, wie z.B. das der Queen, die natürlich lächelnd auf einem Holzstuhl neben einem Fenster sitzt, unter dem zwei paar Gummistiefel trocknen. Im Vorfeld oft in den Medien besprochen wurde seine neueste Serie, die im Afghanistaneinsatz verletzte britische Soldaten in schwarzweißen Poträtaufnahmen zeigt, unheimlich starke Bilder, die mir die Tränen in die Augen getrieben haben. Nicht weil sie so schrecklich anzuschauen waren, sondern weil sie tatsächlich zeigen, dass trotz all dem was passiert ist, trotz all der Schmerzen und Verluste, das Leben für diese Menschen weitergeht und das sie immer noch die sind, die sie sind. Ein wirklich sehr beeindruckender Überblick der Arbeiten von Bryan Adams und neben der Rankin-Ausstellung, die ich dort sogar zweimal gesehen habe, definitiv eines meiner absoluten Highlights in den vergangenen Monaten.

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5 Replies to “[5/52] Eine Stadt im Fotowahn”

  1. Super interessant! Besonders es aus deiner ganz persönlichen Sicht zu lesen, toll.

    1. Vielen Dank, Anette. Freut mich sehr, dass es Dir gefällt. Es war wirklich sehr spannend und ich freu mich jetzt schon auf die Fortsetzung im nächsten Jahr. Vielleicht gibt es später noch ein paar mehr Bilder, wenn der Film aus dem Labor zurück ist 🙂

  2. I really like your picture of the booklet … I think it works. I had a weekend of exhibitions and trips away over the weekend. Saw Anish Kapoor’s show at the Museum of Contemporary Art in Sydney and also the Francis Bacon show the Art Gallery of New South Wales … both utterly fascinating in their own ways 🙂

    1. Thank you, Geoff. It was one of those I wasn’t quiet sure about but still thought I’d like it to go out there. Difficult to describe sometimes.

      Also a very funny coincidence that both of us spent the weekend at exhibitions, though on other parts of the world 🙂 Just had a look at your ‚visual souvenirs‘ and will comment there in a minute or two.

  3. […] Februar war ich ja, wie bereits berichtet, im Rahmen des Düsseldorfer Photo Weekends in der Ausstellung Go Photo und die Gelegenheit […]

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