Urban Artists: L.E.T.

Heute unterbreche ich das gerade laufende Analogprogramm mit einem weiteren Beitrag über einen meiner Lieblingskünstler aus der Urban Art Szene, den aus Frankreich stammenden und in Düsseldorf lebenden Yann Mathé alias L.E.T. Das Kürzel seines Künstlernamens steht für Les Enfants Terribles, was auf deutsch soviel wie ‚Die schrecklichen Kinder‘ bedeutet, ein Hinweis auf die frühere Außenseiterposition und Exzentrikerrolle von Streetartists innerhalb der Kunstszene und ziemlich passend für jemanden, der seine Werke nun schon seit etwa 20 Jahren auf den Wänden der Stadt hinterläßt. Ähnlich wie auch BTOY arbeitet er mit Stencils, verwendet dafür aber vorwiegend schwarz/weiss und setzt Farbakzente wohldosiert ein, um bestimmte Bildelemente hervorzuheben. Er arbeitet dabei mit bzw. auf verschiedenen Materialien und sprüht seine Motive auf Stein, Holz, Glas, Leinwand und Papier, letzteres ermöglicht auch das spätere schnelle und einfache Anbringen der Bilder draußen auf der Straße, als sogenanntes Paste-up. Falls es euch interessiert, wie genau das funktioniert, es gibt hier ein wirklich sehr schönes Video, dass ihn bei der Arbeit an Magnetic Magic Summer zeigt, von der leeren Papierrolle bis hin zum aufgeklebten Bild.

Thematisch sind seine Bilder meistens humorvoll oder sozialkritisch, als Motiv wählt er sehr häufig Kinder, die er  einfache und doch klare Botschaften sprechen bzw. vermitteln läßt. Da gibt es zum Beispiel ein kleines Mädchen, das eine Puppe im Arm hält, von deren Brust uns das Wort Anarchy entgegenprangt, einen kleinen Jungen, der mit Kreide an eine Wand schreibt (Me-you=sad) und einen anderen, der die Worte (I will never say what you want to hear) direkt auf seinem Shirt trägt.  An Tagen, an denen ich mich über etwas oder jemanden so sehr ärgere, dass mir die Worte fehlen, möchte ich am liebsten immer eins seiner Bilder hochhalten, das einen kleinen Jungen zeigt, der ein Schild in der Hand hält auf dem steht: I’m so angry I made a sign. Ich habe letztes Jahr im Sommer mal eins seiner Bilder auf einer Ziegelsteinwand in der Stadt  entdeckt und außerdem vor einigen Monaten einen Siebdruck von ihm gekauft, eins der ersten Stücke in meiner inzwischen ganz ordentlich gewachsenen Streetart-Sammlung. Diese zwei Bilder (hier ganz unten zu sehen) alleine wären aber einfach zu wenig gewesen für einen lokalen Künstler, von dem es in nicht allzu weiter Entfernung noch so viele andere Werke in ihrem ursprünglichen Umfeld, auf den Häuserwänden der Stadt, zu sehen gibt, deshalb war ich vor 2 Wochen unterwegs und habe ein paar von ihnen mit Hilfe der Kamera eingesammelt. Sein neuestes Motiv, dass ich bisher nur auf einem Foto gesehen habe, zeigt übrigens ganz schlicht den skizzierten Umriß eines Notizblocks bzw. einer Tafel auf der ‚To do list‚ geschrieben steht,  darunter befindet sich ein rotes Herz. Und ich dachte sofort: Ja, ganz genau das!

L.E.T. - Circus.



Mehr Informationen und Bildmaterial gibt es auf den enstprechenden Facebook oder Flickr-Seiten des Künstlers und natürlich auch auf der Internetseite der Galerie Pretty Portal.

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10 Replies to “Urban Artists: L.E.T.”

  1. Ich mag Streetart auch sehr gerne und bin fasziniert, wie atemberaubend lebendig viele dieser Künstler ihre Bilder, ihre Nachrichten, hinbekommen. Leider lässt die Schweiz mit ihrem Sauberkeitsfimmel eine richtig grosse Streetart-Kultur gar nicht zu. Vermutlich sind unsere Städte dafür einfach auch zu klein. 🙁

    1. Ich beschäftige mich ja noch nicht sehr lange mit dieser Szene, aber es ist wirklich beeindruckend, was da heutzutage für Kunstwerke entstehen. Paste-ups werden hier vermutlich auch eher geduldet, weil sie im Gegensatz zu Graffiti eben ganz leicht zu entfernen und somit weniger illegal sind.

      Hier in Düsseldorf lebt übrigens auch der als Sprayer von Zürich bekannte Graffitikünstler Harald Naegeli. Ihm drohte Anfang der 80er Jahre sogar eine Gefängnisstrafe wegen wiederholter Sachbestätigung, er floh deshalb aus der Schweiz nach Deutschland. Er ist inzwischen knapp über 70 Jahre alt und noch immer mit der Sprühdose in der Stadt unterwegs. Ich denke, ich werde auch noch über ihn schreiben, habe noch ganz viel Bildmaterial und arbeiete mich nach und nach vor 🙂

      1. Paste-ups sind bestimmt eine Alternative, nur werden auch die bei uns sehr schnell wieder entfernt – wahrscheinlich noch viel schneller, weil es einfacher geht. Ich finde das schade. Ja, Naegeli hat mit seinen reduzierten Figuren das Bünzlitum der Zürcher (Schweizer) ziemlich aufgemischt. Mich beeindruckt zwar die Schlichtheit der Figuren, jedoch mag ich die etwas pompöseren Werke viel mehr. Sie sind in meinen Auge eine willkommene Abwechslung zum monotonen Einheitsgrau vieler Quartiere in vielen Städten. Wenn mir irgendwo so ein Betonkasten gehören würde, ich würde die Künstler zu einem Streetart-Contest einladen, damit zukünftig das Auge des Betrachters lacht, wenn es über die ehemals grauen Wände gleitet.
        Freue mich auf das weitere Bildmaterial!

        1. Ja, das stimmt, manchen Paste-Ups verschwinden in der Tat sehr schnell und das zum Teil auch, weil sie ganz einfach von Fans des Künstlers geklaut werden. Ich mag die Ästhetik und Sauberkeit von Stencils sehr gerne und bevorzuge ebenfalls eher die größeren, pompöseren Werke. Wenn ich sehe, wie z.B. Herakut innerhalb von wenigen Tagen riesige Wandbilder an Häuserwände malen oder ein Künstler wie SNIK monatelang an einer Vorlage arbeitet, um einen Schablondendruck mit 7 verschiedenen Farben zu sprühen, komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Hier in Düsseldorf gibt es auch sehr viele große Projekte und ganze Häuserfronten, die für Wandbilder freigegeben wurden und wenn alles klappt, findet im kommenden September sogar ein Streetartfestival statt. Es bleibt also spannend. Und bunt.

  2. Wirklich tolle Arbeiten, ich bin begeistert! Vor allem mit welchem Humor und kritischen Auge L.E.T. seine Motive ausdrückt. Ich werde jetzt gleich mal in der flickr-Sammlung stöbern 🙂 Danke für die Inspiration!

    1. Deine Begeisterung über L.E.T.’s Arbeiten freut mich sehr. Es war bzw. ist mir ein großes Vergnügen und ich hoffe, Du hast Spaß beim Stöbern. In Flickr sind wirklich ein paar sehr schöne, ältere Arbeiten von ihm zu sehen.

  3. Beeindruckende Bilder!

    1. Ja, seine Arbeiten sind wirklich beeindruckend und ich finde es schön, dass sie Dir gefallen.

  4. […] ne menge auktionen), dann hab ich gaanz hübsche bilder bei Viola gefunden! zum einen zum thema streetart, zum anderen bilder einiger ihrer analogen ausflüge |Gestaunt| wie schön die sonne scheinen […]

  5. […] bei der Arbeit an einem großen Stencil zuschauen durfte. Im März diesen Jahres habe ich hier schon einmal exklusiv über ihn geschrieben und einige Bilder seiner hier in der Stadt zu sehenden […]

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