Analog entfärbte Stadt

Ich muß sagen, ich finde es schon manchmal sehr erstaunlich, wie sich die eigene Wahrnehmung bzw. das Empfinden beim Betrachten und Bearbeiten von Fotos verändern und wie das von der Stimmung in einem bestimmten Moment abhängen kann. Vielleicht ist es auch nur das Entdecken neuer Möglichkeiten und das stetige Wachsen des bisher Gesehenen, neue Eindrücke als Auslöser für neues Empfinden. Als ich angefangen habe, meine digitalen Fotos in Photoshop zu bearbeiten ging es mir dabei meistens darum, das Gesamtbild noch ein bißchen klarer, satter, kräftiger und vielleicht auch noch etwas dunkler zu machen. Wenn mich die Farben gestört haben, weil sie nicht bunt genug waren oder zuviel Unruhe hinein brachten, wurden sie einfach entfernt. In jedem Fall gab es allerdings immer die Möglichkeit bzw. die Freiheit zu wählen, mit verschiedenen Szenarien zu spielen bis man das Richtige gefunden hat.

Mit einer analogen Kamera sieht das Ganze anders aus, die Entscheidung, ob man die Welt mit oder ohne Farbe ablichten will, wird ganz bewußt im Vorfeld getroffen und in der Regel bis zum Ende des Films konsequent durchgezogen. Dabei ist es manchmal gar nicht so leicht, die 36 Aufnahmen eines Films zu verbrauchen, sogar die 12 bis 16 Aufnahmen eines Rollfilms schienen ab und zu schwierig zu sein, denn nicht immer bieten sich einem genug Motive, für die sich der gerade geladene Film auch eignet. Ein farbig fotografiertes Bild läßt sich im nachhinein immer noch am Computer umwandeln und entfärben, umgekehrt funktioniert das eher weniger oder nur mit relativ großem Aufwand. Doch gerade das nicht-bearbeiten-müssen macht ja eigentlich den größten Reiz des analogen Experiments für mich aus. Für den letzten Teil meines Testlaufs mit der neuen Nikon wollte ich daher unbedingt noch einen schwarz/weiss Film ausprobieren und habe mir für den Anfang einfach einen AGFA APX Film mit ISO 100 im Drogeriemarkt gekauft. Damit war ich zunächst in der Stadt unterwegs, bei einem kleinen Einkaufsbummel  am Samstag vor 2 Wochen, und  hatte ihn auch noch in der Kamera, als ich am darauffolgenden Tag durch das Zooviertel gewandert bin, auf der Suche nach den Bildern von L.E.T. und ein paar anderen Motiven im Park. Den ersten Teil der Bilder gibt es heute, den zweiten und vermutlich vorerst letzten Teil in Kürze. Dennoch schon mal ein kleines Fazit meinerseits: Das Leben ist bunt, sieht in schwarz/weiss aber auch verdammt gut aus.

Doubled Gents
Shadowed Danger Ladies
Stripped Looking up
Seated Way down
Twisted bench

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7 Kommentare

  1. So ist es! 🙂 …
    Tolle Bilder! Gefallen mir alle sehr gut. Besonders spannend das letzte … klasse mit der Doppelbelichtung!

    1. Vielen Dank, das freut mich 🙂 Ich finde Doppelbelichtungen ja unheimlich spannend und auch wenn ich mit der neuen Nikon bisher nur das gleiche Objekt aus verschiedenen Perspektiven abgelichtet habe, bin ich echt begeistert von den Ergebnissen.

  2. sehr sehr hübsche bilder. wirklich. besonders toll finde ich das 5. bild. die häuserfront, die glasfront. doch.
    und sehr interessant auch die doppelbelichtung.

    1. Vielen Dank, Sabrina. Darüber freue ich mich sehr. Die gläserne Häuserfront gehört übrigens zum GAP15 Hochhaus mitten in der Stadt und war bis vor kurzem noch in grüne und weisse Netze gehüllt, weil mal Scheiben einfach so rausgefallen sind.

  3. die erste doppelbelichtung und die glashochausfassade sind spitze!!! analog muss ich jetzt dann acuh unbedingt mal ausprobieren!

    1. Danke! Und immer schön ran an den Film, es ist auf jeden Fall spannend und auch mal erfrischend anders, obwohl es nostalgisch ist. Ich schick meine Nikon morgen zur Reparatur und drück die Daumen, dass ich auch bald wieder spannen und klicken kann.

      1. ja ich drück dir gern die daumen!! ich hoffe, dass ich bald die yashica entstauben und damit auf entdeckungstour gehen kann. grade das nostalgische dran mag ich so sehr!

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