Analog wiederbelebt

Inzwischen sind schon wieder knapp 2 Monate vergangen, in denen ich keine weiteren analogen Experimente von mir gezeigt habe und das hatte in erster Linie einen ganz pragmatischen Grund. Auf die Euphorie nach den ersten vier mit der neuen alten Nikon FM2N geknipsten Filmen folgte nämlich ziemlich schnell die Ernüchterung in Form eines defekten Lamellenverschlusses, den ich beim Einlegen des 5. Filmes bemerkte. Mit der Knipserei war damit erstmal Schluss, aufgeben wollte ich das Experiment aber noch nicht und machte mich auf die Suche nach einer Werkstatt für die Reparatur, so ein neuer Verschluss würde doch heutzutage nicht mehr viel kosten, meinte ein Freund tröstend zu mir. Nach einigem hin und her habe ich mich letztendlich dafür entschlossen, die Kamera direkt an den Nikon Service zu schicken, immerhin ist der Hauptsitz ohnehin hier in Düsseldorf. Nach ca. 1 Woche bekam ich schließlich den Kostenvoranschlag und war dann doch etwas überrascht, denn die Reparatur sollte mehr kosten, als ich für die Kamera bezahlt hatte. Ich war zunächst etwas unentschlossen und fragte mich, ob ich das Ganze Experiment vielleicht einfach als gescheitert verbuchen und abblasen oder doch weitermachen und mir einfach eine neue Kamera bei Ebay bestellen sollte. Weitermachen wollte ich schon, doch beim Kauf einer neuen Kamera hätte ich keine Garantie, dass mir der Verschluss nicht auch wieder kaputt geht, für die Ewigkeit sind die Dinger anscheinend nicht gebaut, und so beschloss ich, dann doch auf die alte Kamera mit neuem Verschluss zu setzen. Die Reparatur selbst war in einem Tag erledigt, ich wurde allerdings vom Service informiert, dass solche Reparaturen in Zukunft wohl nicht mehr gemacht würden, da die Versorgen mit Ersatzteilen nicht gewährleistet werden könne. Das läßt mich schon etwas Grübeln und bevor ich mir noch eine gebrauchte analoge Kamera kaufe, werde ich noch einmal gründlich darüber nachdenken, ob sich solch eine Anschaffung für mich und meine Zwecke tatsächlich lohnt.

Wie dem auch sei, da die Nikon nun wieder funktionierte, war ich mit ihr ein bißchen in der Stadt unterwegs, zuerst mit einem einfachen 100 ISO Lomography Colour Negativ Film und dann mit einem abgelaufenen 200 ISO Fujicolour Superior Film, den ich vorher noch ein  paar Stunden ins Eisfach gepackt hatte, weil ich gelesen habe, dass man dadurch eventuell die Farben wieder etwas frischer machen könnte. Ob Letzteres tatsächlich funktioniert hat, kann ich nur schwer sagen, denn als ich zuletzt mit dieser Art von Film fotografiert habe, war es noch Winter und ich habe alle Aufnahmen in schwarz/weiss konvertiert, weil es einfach besser paßte. Von den unten ausgewählten Bildern sind die ersten beiden mit dem abgelaufenen Film gemacht und der größte Unterschied zu den anderen sind in meinen Augen nur wieder diese leichten rötlich-grünen Farbschleier, ich kann mich aber auch täuschen. So ganz zufrieden bin ich mit den Ergebnissen dieses Mal nicht, das liegt zum Teil aber auch an den Motiven, irgendwann sind meine gewohnten Wege fotografisch auch abgelatscht und ich finde dort nur schwer etwas neues. Außerdem verlange ich dem 50 mm Objektiv noch zu oft Sachen ab, für die es einfach nicht geschaffen ist, mehr Nähe als der Schärfe zuträglich ist. Dagegen hilft nur üben, üben, üben. Wenn sich die Gelegenheit bietet, in der Zwischenzeit habe ich mir nämlich auch eine neue Kamera gegönnt und bin von der Canon EOS 550D auf die 650D umgestiegen. Viel ist nicht anders, aber auch die kleinen Neuheiten müssen erstmal ausprobiert werden.

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June x
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9 Replies to “Analog wiederbelebt”

  1. Ist doch gut geworden. Das mit dem kurz vorher ins Eisfach halte ich eher für ein Märchen. Ich denke mir mechanische Kameras kann man immer reparieren im Notfall braucht man eben einen „Ersatzteilspender“. Obwohl ich natürlich zugeben muß das es oft billiger ist wenn man sich ein neues altes Teil ersteigert, wobeiman sich dann meist wieder einige Problemchen einhandelt (Lichtdichtungen die zerbröseln, etc.). So ist das eben… Ich für mich habe trotzdem gerade durch die Analoge Fotografie wieder Spaß an der Fotografie.
    Und irgendwie kann ich ein kleines bisschen Schadenfreude nicht abstreiten, wenn im Urlaub bei den Kameras und I-phones der Akku-stand aufblinkt und die Leute verzweifelt die nächste Steckdose suchen.
    Lg Peter

    1. Vielen Dank, Peter. Mir macht es auch viel Spaß, auch wenn ich nicht immer so viel Zeit dafür habe und oft zur DSLR greife, weil es schneller geht bzw. bequemer ist. Andererseits fasziniert mich aber auch gerade die Einfachheit und Unkompliziertheit der analogen Kamera, nur ganz wenige Rädchen, an denen man drehen muß und alles funktioniert hederzeit, ganz ohne Akku. Als ich neulich mal mit der Nikon unterwegs war, meinte jemand zu mir „Die macht ja noch ‚Klick‘.“ und ich lächelte nur und sagte „Ja, die macht noch ‚Klick‘.“ Und wie 🙂

  2. Die macht ja noch Klick…!
    Hatte auch schon die eine oder andere Begegnung dieser Art, ist immer wieder lustig. Am Besten finde ich wenn die Leute dann das Bild sehen wollen und ganz erstaunt sind das da ja gar kein Bildschirm auf der Rückseite ist (ist mir in Aisen letztes Jahr ein paar mal passiert).
    Schöne Grüße und „Klick“ aus Wien
    Peter

    1. Oh ja, das glaube ich Dir gerne.
      Liebe Grüße und ein „Klick“ zurück,
      Viola

  3. You have inspired me to pick up my film cameras and shoot some frames this afternoon …
    I love the picture of the bicycle with little lamp and the suitcase stack. Some things only film has the way.

    1. Awww, that’s great to hear, off you go with your camera 🙂 You know I will be curiously waiting to see what you captured on film.

  4. ich mag das analoge gefühl. besonders gefallen mir das fahrrad und die doppelbelichtung, aber auch die zugewachsenen gleise.
    ich habe ja auch einen riesenhaufen analoges zeug in meinem kastl liegen, aber es war noch nicht die zeit und auch nicht das wetter dazu. die nächsten wochenenden sind auhc allesamt schon ziemlich dicht, also mal sehen, wann das equipment man frischluft atmen wird. vor allem die polaroid will ich endlich mal ausprobieren – aber bei den filmpreisen überlegt man sich halt gut, ob sich das abdrücken lohnt.

    1. ich weiß, es ist oft schwierig, sich tatsächlich die Zeit zu nehmen und auf analoge Entdeckungsreise zu gehen. Ich schaffe es auch nicht wirklich oft. Über eine Polaroid habe ich ja auch schon nachgedacht, aber wie Du schon sagst, bei den Filmpreisen überlegt man sich das halt. Selbst mit den normalen 35 mm Filmen wird es nicht so günstig und ohne Filmscanner (ich scanne die Prints aus dem Labor) ist es eigentlich auch etwas blöd oder zumindest nicht optimal. Da ich aber noch nicht sicher bin, wie sehr ich mich mit der analogen Fotografie beschäftigen möchte, wird erstmal nicht in weiteres Equipment investiert.

      1. ja das verstehe ich gut. wir haben das alles durch ‚zufall‘ bekommen… der opa von meinem freund ist gestorben und hat jahrelang fotografiert und da sammelt sich dann natürlich einiges an. so wie zb die polaroid-kamera. und da die eltern von meinem freund die sachen sonst einfach ‚verscherbelt‘ hätten, haben wir sie erstmal genommen und wollen schauen, was davon noch funktioniert und was nicht und womit man vielleicht ein bisschen experimentieren kann. es ist halt leider im allgemeinen immer so wenig zeit für alles und da kommt dann – wie du sagst – auch noch das geld dazu.

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