Randnotizen aus dem Bunker

Nach einer kurzen 3-Tage-Woche, bevor ich mich in das lange Wochenende stürze und Freunde in Darmstadt besuchen fahre, lümmele ich am Feiertag heute noch ein bißchen auf dem Sofa herum und klicke mich durch ein paar Fotos. Am vergangenen Wochenende fand hier im alten Bilker Atombunker die Jahresausstellung des Vereins Düsseldorfer Künstler statt und ich war am Sonntag Nachmittag dort, um mir anzuschauen, was die ca. 50 lokalen Künstler unter dem diesjährigen Motto ‚Schutzraum – Kunst im Bunker‚ so alles zu zeigen hatten. Es gab unheimlich viel zu sehen auf den verschiedenen Etagen des Bunkers, der seit 1942 mitten in der Stadt an einer Straßenecke zwischen Wohnhäusern steht und für diesen speziellen Anlass zum ersten Mal für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Ich war sehr beeindruckt davon, wie die Künstler die Räumlichkeiten für ihre Zwecke genutzt und verwandelt haben, so dass in vielen Fällen die Grenzen zwischen Kunst und Raum verschwammen und allein durch die Art der Präsentation wieder etwas neues entstand, etwas, das ich natürlich sehr gerne mit euch teilen wollte. Doch nach einer kleinen Diskussion in Sachen Urheberrecht mit einem Bekannten neulich bin ich gerade etwas verunsichert, was die Veröffentlichung der Bilder angeht und so gibt es erstmal nur ein paar Aufnahmen, die ich so am Rande dort im Bunker gemacht habe. Ich muss sagen,  es war dieses Mal gar nicht so leicht  solche Eindrücke zu sammeln bzw. zu finden inmitten all der Installationen, Skulpturen und Bilder, da kaum eine Wand oder auch Bodenfläche tatsächlich unberührt von Künstlerhand geblieben zu sein schien und sich selbst in den dunkelsten, entlegensten Räumen noch ein Bild oder ein Wort entdecken ließ. Auf meinen Abwegen gab es aber auch ein paar lustige Momente, vor allem im Zusammenhang mit den letzten beiden Bildern. Die abgetrennten Kabelleitungen im vorletzten Bild entdeckte ich hinter einer Absperrung in einer Sackgasse, in die einige Besucher fragend blickten, als sie mich dort mit der Kamera stehen sahen. Ähnliches passierte auch als ich die unter einem Treppenabsatz im tiefsten Keller liegenden Abfälle fotografierte und förmlich die unausgesprochenen Worte im Raum hörte ‚Ist das da etwas auch Kunst?‘, worauf ich am liebsten geantwortet hätte ‚Noch nicht, aber bald.‘ Die letzten 3 Fotos hätte ich am liebsten noch viel stärker nachbearbeitet und das nicht am Computer, sondern ganz real mit den eigenen Händen erst zerknüllt und ein bißchen mit Farbe bekleckert. To Create is to Destroy. Hm, ein anderes Mal vielleicht.

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5 Replies to “Randnotizen aus dem Bunker”

  1. Du hast aus der Not eine Tugend gemacht.
    Genial sind deine Aufnahmen. Ist schon richtig mit den Kunstwerken, da muss man vorsichtig sein. So hatte ich Münster mal die aufgereihten Bilder eines Malers fotografiert. aber gezeigt im Blog habe ich sie nie, das habe ich mich dann doch nicht getraut.

    1. Ich habe ja schon öfter in Ausstellungen fotografiert und es war bisher nie ein Problem, meistens ging es aber auch um Streetart. Ich werd mal sehen, ein paar Bilder zeige ich bestimmt noch. Freut mich dafür umso mehr, dass Dir diese vergleichsweise unscheinbaren Impressionen aus dem Bunker gefallen 🙂

  2. to create is to destroy ist ein interessanter aspekt. und die bilder gefallen mir, besonders das 3.: tiefkeller.
    wir haben in wien ja noch flaktürme. einer davon beherbergt das ‚haus des meeres‘, ein ‚aqua terra zoo‘ wie es genannt wird. im stiegenhaus is die gesamte geschichte rund um den turm nachzulesen. es ist spannend, solche gebäude als mahnmal stehen zu lassen und für die öffentlickeit zu verwenden.

    1. Ich finde es halt auch spannend, wenn solche Bunker total entfremdet genutzt werden, für Kunstausstellungen zum Beispiel. Und neulich in Frankfurt waren wir in einer Wissenschaftsausstellung, die in einem alten Luftschutzbunker hausiert. An der Außenwand hing außerdem ein Spidermann, da mußte ich schon etwas schmunzeln 🙂 In Hamburg gibt es, glaube ich, einen riesigen freistehenden Bunker, der als Technoclub genutzt wird.

      1. ich finde das eigentlich auch sehr cool. in perchtoldsdorf gibt es eine alte burg, die als veranstaltungszentrum genutzt wird – früher hatten wir da immer clubbings, das war wirklich super.
        bei uns am flakturm gibt es eine kletterwand 🙂

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