Die Stadt der bummelnden Bücher

Es ist nun schon der siebte Sommer, den ich in meiner Wahlheimat  Düsseldorf verbringe und auch wenn mein Bett, Bücher-und Kleiderschrank zwischenzeitlich mal auf der anderen Seite des Rheins untergebracht waren, so hielt mich der berufliche Anker immer fest im Zentrum der Stadt. Viereinhalb Jahre lang blickte ich so fast jeden Tag auf das GAP15, den Rheinturm und die Baumkronen der Kastanien auf der Kö und einmal im Jahr auch hinab auf die kleine Zeltstadt, die dort entlang des Wassergrabens aufgebaut wurde. Seit nun mehr 28. Jahren gibt es ihn nun schon, den Bücherbummel auf der Kö, zu dessen Anlass Buchhandlungen, Verlage und kulturelle Einrichtungen der Stadt mit Hilfe von Zelten, Tischen und Regalen ein kleines Paradies für Leseratten und Bücherwürmer erschaffen. 4 Tage lang kann man dort nach Herzenslust durch tausende von Büchern stöbern, auf der Suche nach Schnäppchen, antiken Besonderheiten, kleinen Kunstwerken, dem schnellen Lesevergnügen vor dem Schlafengehen oder auch der richtigen Musik für einen Sommernachmittag in der Hängematte. Nachdem ich im ersten Jahr völlig euphorisch einen Stapel gebrauchter Bücher mit nach Hause genommen und dann doch nicht alle gelesen hatte, war ich in den darauffolgenden Sommern meistens tatsächlich nur zum bummeln, gucken und auch fotografieren dort.

Dieses Jahr jedoch führte mich mein Weg zu allererst ins Lesezelt, das quasi vor der Tür meines alten Büros aufgebaut war und während des Bücherbummels verschiedenen Autoren Raum und Zeit für ihre Worte gab. Eingeladen hatte Sven-André Dreyer, der hier in Düsseldorf nicht nur als Redakteur und freier Autor arbeitet, Gedichte und Kurzgeschichten schreibt, sondern auch Initiator und Veranstalter der Lesereihe ‚Lesen in der Klause‚ ist, die jeweils am ersten Donnerstag im Monat  in der Bilker Buchhandlung BiBaBuze stattfindet. Obwohl ich es schon ein paar mal vorhatte, habe ich es bisher noch zu keiner dieser Veranstaltungen geschafft und auch eine Lesung in Köln, zu der ich eigentlich fahren wollte, habe ich im letzten Moment doch ausfallen lassen, daher war für mich der Gang zur Kö dieses Mal beinahe ein Pflichtprogramm. Sven war an diesem Samstagnachmittag nicht allein gekommen, sondern hatte als Lesepartner den ebenfalls aus Düsseldorf stammenden Autor Dr. Michael Wenzel alias Sonny Wenzel an seiner Seite, es war es gewissermaßen eine auf zwei reduzierte Version des Düsseldorfer Autorenkollektivs ‚Sonny Wenzel & Freunde‘, das sich etwa alle Vierteljahre auch für eine Lesung im Pretty Portal zusammen findet. Im Wechsel präsentierten die beiden mehrere kurze Geschichten aus und über ihre Stadt, Bilder und Gedanken ihrer Welt, Alltägliches und weniger Offensichtliches, alles gewürzt mit reichlich Humor und einer Spur von Tragik. Einige von euch erinnern sich vielleicht daran, dass es deutschsprachige Literatur bei mir nicht unbedingt leicht hat und ich manchmal schon ein wenig eigensinnig in meinen Lesegewohnheiten bin, trotzdem war es eine sehr interessante Stunde dort im Lesezelt und ein paar Worte und Gedanken haben durchaus ihr Ziel erreicht. Natürlich wollte ich die Gelegenheit auch nutzen, um mich mal wieder an ein paar Porträts zu versuchen, das hat allerdings nur bedingt geklappt, weil es mit dem unauffälligen Beobachten in solch kleinen Räumen und Menschenmengen nicht wirklich funktioniert und ich nicht so wirklich in Fotolaune war. Zu sehen kriegt ihr trotzdem was und zwar die ersten zwei Aufnahmen, die ich ganz am Anfang der Lesung mit dem Tele durch die Stuhlreihen hindurch gemacht habe. Sie zeigen Sonny Wenzel auf der linken Seite, im karierten Hemd, und Sven-André Dreyer auf der rechten, zwar nur im Profil, dafür aber mit einem Lächeln.

Nach der Lesung bin ich dann mit der Kamera von Zelt zu Zelt und Stand zu Stand gezogen, um ein paar ganz besondere Büchermomente einzufangen. Soviel gebundenes Papier auf einen Haufen, Millionen von Worten zwischen Buchdeckel gepresst, es ist einfach eine Freude für das Auge und die Seele, davon kann ich garnicht genug kriegen. Wenn ich davon erzähle, dass ich mir wieder ein paar neue Bücher gekauft habe, werde ich manchmal gefragt, was ich denn nur damit will, man kann die doch ausleihen oder auch wieder weggeben und überhaupt, es gäbe heutzutage doch eBooks. Daraufhin schüttle ich meistens schon mit dem Kopf, manchmal entfleucht mir auch ein leises ‚Pfff!‘ oder ein nicht ganz so leises ‚Auf gar keinen Fall!‘, so unvorstellbar scheinen mir solche Gedanken. In meiner aktuellen Wohnung steht mein großer Bücherschrank in der Küche, er ist das erste, das ich sehe, wenn ich nach Hause komme und die Wohnungstür öffne. Er ist vom Flohmarkt, hat Glastüren und ich nenne ihn scherzhaft Karl der Große, auch wenn er nicht genug Platz für alle meine Bücher hat und nun schon wieder 5 Stück dazu gekommen sind. Manchmal stehe ich davor und durchsuche Reihe um Reihe nach einem Buch, das ich gerne mal wieder lesen würde, kann immer genau sehen, was so alles ihn ihm steckt und in Erinnerungen an in der Vergangenheit erzählte Geschichten schwelgen. Und neulich, in Zürich, befanden sich im Frühstücksraum meines Hotel an 3 Wänden 11 m hohe Regale, die gefüllt waren mit mehr als 30000 Büchern. Es war wie im Paradies, ich liebe es.

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9 Replies to “Die Stadt der bummelnden Bücher”

  1. Oh glorious books … the physicality of them … their smell and how their aroma changes as they age (don’t we all 😉 ). That said, I spend so much time reading things online that (my current book collection fills only two tall bookcases …) my reading (physical books that is) habits have fallen away a little. I mean I have a short but growing stack next to my bed but I read maybe half a chapter before my eyelids close for sleep. The last book that captivated me entirely was Cloud Atlas and I read that over the course of a day and a half … that was earlier in the year so perhaps my habits haven’t entirely evaporated.

    1. Two tall bookcases doesn’t sound that bad 🙂 I still have a couple of hundred stacked behind the sofa because I can’t make up my mind and buy some new furniture. And yes, there is also a little stack next to my bed though I tend to get lost in a book staying awake far too long at night sometimes. I’m not reading much at the moment compared to previous years as I’m travelling less and can now walk to work instead of taking the tram. But there is a time for everything. Cloud Atlas is a good keyword and reminder, I meant to read this as well and then it slipped my mind again.

  2. ich mag fotos von büchern. das s/w macht sich sehr gut!

    1. Danke 🙂 Ich hatte es eigentlich garnicht monochrom geplant, aber zusammen mit den Porträts und meiner Stimmung paßte es besser.

      1. ja manchmal kommt das feeling erst beim bearbeiten, das kenne ich 🙂

  3. Hey Viola,

    erst heute entdecke ich Deinen wunderbaren Artikel und möchte mich (daher leider erst heute) sehr herzlich dafür bedanken!!

    Herzliche Grüße sendet Dir,
    Sven

    1. Nichts zu danken, Sven. Es war mir ein Vergnügen und ich freue mich sehr, dass Du hierher gefunden hast.

      Ganz liebe Grüße zurück,
      Viola

  4. Being a book addicted I love these pictures 🙂
    robert

    1. Happy to hear that 🙂 I’m also a book addict and totally love my old bookcase full of little treasures made of paper. My mom always says ‚You don’t need more books.‘ and I say ‚Oh, but I want them.‘

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