[25/52] Verbunden, Vernetzt, Verheddert

Diese Woche geht es weiter mit einem Thema,  das ich mir schon seit einer ganzen Weile einmal vornehmen wollte, weil es mich gerade zur Zeit wieder sehr beschäftigt, bewegt und zum nachdenken bringt.  Bisher fehlte mir jedoch manchmal die Zeit, manchmal der Abstand, vor allen Dingen aber auch das passende Bild dazu, doch dieses Problem konnte ich neulich nach Feierabend mit einer kleinen Fotosession auf meinem Balkon endlich lösen. Wie man vermutlich erahnen kann, geht es dabei um Netzwerke und die Irrungen und Wirrungen, die durch sie entstehen, je zahlreicher, größer und gieriger sie werden.

Ich glaube, es war so vor etwa 5 Jahren als das alles für mich so richtig begann, nachdem eine Kollegin mich einlud, sich mit ihr in LinkedIn zu verbinden. Vorwiegend geht es dort wohl auch nur darum, sich mit Menschen aus dem beruflichen Umfeld zu verbinden, man weiß ja schließlich nie, ob einem der eine oder andere später vielleicht mal nützlich sein kann. Ab und zu füge ich einen neuen Kontakt hinzu, in der Regel Kollegen oder Kunden, wirklich viele sind es bisher nicht und dennoch umfaßt mein gesamtes Netzwerk wohl etwas über 5 Millionen Menschen. Eine schöne große Zahl, aber im Grunde ist sie auch nicht mehr und nicht weniger als das, ohne jede Bedeutung und dennoch stetig wachsend.

Vor etwas weniger als 3 Jahren erhielt ich wieder eine Einladung, dieses Mal von einem Freund, der meinte, ich solle mich doch auch endlich mal bei Facebook anmelden, damit er Sachen mit mir teilen kann. Oder so. Ich habe damals echt gezögert, irgendwie war mir das alles suspekt, doch am Ende bin ich kopfüber ins kalte Wasser gesprungen und habe in den blau-weißen Tiefen nicht nur viele alte Freundschaften wieder aufwärmen, sondern auch ein paar wertvolle neue Bekanntschaften machen können. Doch nach der ersten Euphorie und Wiedersehensfreude folgte auch bald die Ernüchterung oder, wie ich es manchmal auch gerne nenne, die Entzauberung. Es kommt immer mal wieder der Punkt, an dem ich merke, dass die Zahl der Meldungen, die ich abstelle oder ausblende, die derjenigen übersteigt, die ich tatsächlich mit Neugier und Freude betrachte; Momente, in denen die vielen aus verschiedenen Richtungen kommenden Fäden einfach zu sehr an mir reiben, reißen, ziehen, zerren und zehren. Ich vergleiche das schon mal gerne mit einem Spinnennetz, das man nach und nach immer größer knüpft, um dort mit anderen Spinnen abzuhängen, ein paar dicke Fliegen und vielleicht auch mal einen bunten Schmetterling zu fangen. Und irgendwann merkt, dass man kaum noch Gelegenheit hat, sich daran zu erfreuen, weil man die ganze Zeit damit beschäftigt ist, herumfliegende Blätter, Zweige und anderen Unrat zu entfernen. Wenn es dann auch noch anfängt zu regnen, bin ich oft kurz davor alles abzureißen und mich zu verdrücken, doch am Ende bleibe ich doch, weil eben alle anderen es auch tun und ich dort immer wieder auch neue, schöne und interessante Dinge und die Menschen dahinter entdecke.

Doch ein paar Wochen nachdem ich die Welt des Gesichtbuchs betreten hatte, stieß ich dort auch schon an die ersten Grenzen, zu viel ging mir damals im Kopf herum, zu viel wollte geteilt werden und so führte mich mein Weg hierher zu WordPress. Zuerst schrieb ich nur so alleine vor mich hin, experimentierte und spielte mit Möglichkeiten und Ideen herum,  doch nach einer Weile fing ich auch an über den Tellerrand zu blicken, andere Blogs zu erkunden, und andersherum verirrte sich auch der eine oder andere Blogger zu mir in meine kleine Welt. Wort für Wort und Bild für Bild wurden aus Fremden Verbündete, in manchmal Fällen auch Vertraute und Freunde. So knüpfte sich ein weiteres Netzwerk ganz von selbst, Faden für Faden im Laufe der Zeit. Einige der Fäden sind schon ganz alt und bestehen fast seit Anfang an, andere sind noch sehr frisch. Und ein paar von ihnen reichen auch bis in die reale Welt hinein, überkreuzen und verknoten sich mit denen der anderen Netzwerke, werden langsam immer kräftiger und trotzen auch dem gelegentlichen Unwetter.

Seit etwa anderthalb Jahren habe ich zusätzlich noch einen Account bei Flickr, doch mit dem Kontakte sammeln habe ich dort gar nicht erst groß angefangen, man muß ja nun auch nicht mit den gleichen Leuten auf x-verschiedenen Plattformen interagieren. Der Sinn von Twitter, Instagram, Pinterest und z.T. auch Tumblr hat sich mir persönlich bisher nicht erschlossen und erst recht nicht die Nutzungen all dieser Plattformen auf einmal, doch jedem das Seine. Neulich habe ich darüber nachgedacht, ob ich vielleicht mal gucken sollte, was bzw. wer denn so alles bei Google+ zu finden sein mag, und ob es dort vielleicht netter ist als beim sozialen Netzwerkmonster Facebook. Doch nachdem ich vor ein paar Tagen bemerkte, dass mir mein Gmail Account neuerdings den Zugriff auf meine Picasa-Alben verweigert, wenn ich kein öffentliches Profil beim hauseigenen Netzwerk anlege, habe ich beschlossen, dass es jetzt wirklich reicht. Irgendwann ist dann auch mal gut mit der Tüddelei.

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8 Replies to “[25/52] Verbunden, Vernetzt, Verheddert”

  1. das thema hast du toll inszeniert und umgesetzt. ich weiß übrigens gut, was du meinst von wegen, dass man einfach keine lust mehr hat bei einem wochenprojekt und ich bin dir natürlich nicht böse, wenn du nicht mitmachen willst 🙂 grundsätzlich ist es aber eh so angedacht, dass man einfach mitmachen soll wenn man lust hast, wenn einem das thema gefällt – es ist also kein ‚muss‘ für jede woche!

    1. Freut mich, dass es Dir gefällt. Ich hatte es schon ne Weile im Kopf und eigentlich zwei Tage vorher etwas im Park gebastelt, das mir dann doch nicht genug vernetzt war. Und glücklicherweise fiel mir dann wieder ein, dass ich ja daheim auf dem Balkon den Kastanienbaum-Bokeh-Background habe 🙂

      Ich hab gelesen, dass Du bei der Umsetzung der Projektthemen recht viele Freiräume läßt, insofern steh’n die Chancen eigentlich ganz gut. Vielleicht verbinde ich es auch mit dem anderen oder nutze für den Rest der 52 Wochen Deine Themen als Bildvorgabe. Mal sehn, ein paar Tage sind’s ja noch.

      1. fein, das freut mich! ich hab lang überlegt und dann gefunden, dass ich das projekt gern nur als anreiz geben will, aber nicht als etwas konkretes und mir scheint, dass die idee ganz gut ankommt.
        wenn du auch dabei bist freue ich mich natürlich riesig!!

  2. deine gedanken dazu finde ich übrigens auch sehr interessant (da war die maus-hand irgendwie schneller mit dem abschicken). ja das ist echt eine sache mit den sozialen netzwerken. facebook hat sich ja etabliert, hält sich schon richtig lang. wer weiß, ob es das sein wird, was sich durchsetzt? schließlich habe ich ja schon einige durch… angefangen bei uboot, über studivz, es gab schon soviele, wo man accounts gehegt und gepflegt hat. im moment wächst die unübersichtlichkeit an angeboten, mit twitter, interest, flickr, tumblr… irgendwie will man sich alles mal ansehen, bei manchen bleibt man hängen, manche belasten dann richtig, bei manchen wird es zwanghaft, für manche begeistert man sich gar nicht. ein phänomen unserer zeit und ich bin gespannt was soziologen in ein paar jahrzehnten über verändertes sozialverhalten der web 2.0-generation schreiben werden.

    1. Das macht nichts 🙂 ich bin auch gespannt, wie es so weitergeht in den nächsten Jahren oder auch Monaten. Vom psychologischen und soziologischen Aspekt her ist es sehr interessant, wenn auch oft etwas erschreckend für den nicht-objektiven Betrachter. Ich hab da halt oft so gemischte Gefühle un zu wenig Abstand an schwierigen Tagen, du weißt ja, wie das ist.

      1. ja, ich kenne das /:

  3. I first started out in Flickr-land many years ago … and dabbled in RedBubble for a couple of years (haven’t been in there for ages now!). All my colleagues went gaga for FB but I let the whole phenomena pass me right on by. I get invitations but it’s now a matter of principle! Google+ is my network of choice and I’ve been there pretty much since it was launched two years ago … it has a very different paradigm to FB and the like and I have met some remarkable photographers and people through the communities. It’s very much based around ideas and commonality rather than ‚friending‘. Now I sound like a g+ fanboi! Anyways I think my point was that yes, these networks can nourish or they can deplete. They can suck ridiculous amounts of time and energy too!

    I think your picture of the networked mannequin is particularly poignant here … the bokeh is gorgeous too 🙂

    1. One lesson I learnt this year – my backyard chestnut tree is always good for a nice bokeh 🙂

      I think a lot of people still go gaga for and also on FB. From a psychological standpoint, it’s very interesting to see what people share there, whether in private or in public, and often makes me wonder. What you write about G+ sounds good. I was actually looking at it for a while now as I was wondering if there is something different than FB but I’m not sure if I can deal with yet another network at the moment. Maybe I’m not organized well enough to handle that much at once 🙂

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