Experiment Freelensing

Wie ich gestern ja schon kurz erwähnt, habe ich diese Woche fotografisch wieder ein wenig experimentiert und das nicht nur mit den zwei neuen Objektiven, sondern auch mit einer Technik, auf die ich kürzlich erst durch einen Post auf der Lomography Website aufmerksam geworden bin. Es handelt sich dabei um das sogenannte Freelensing, was nichts anderes bedeutet, als das man fotografiert während das Objektiv nicht an der Kamera befestigt ist, sondern nur davor gehalten wird. Durch Schwenken bzw. Neigen in verschiedene Richtung lässt sich so die Schärfeebene verschieben und das durch die Öffnung einfallende Licht gibt den Bildern oft etwas weiches, verträumtes. Soweit die knappe Theorie, nun hieß es ran die Praxis. Die ersten Versuche habe ich erstmal zu Hause gemacht und bin mit abgeschraubten 60 mm Makro durch die Wohnung gepirscht. Wenn ich daran denke, dass ich vor ca. 1,5 Jahren noch nicht mal ein neues Objektiv kaufen wollte, weil ich Angst vorm Wechseln hatte, muß ich bei dem Gedanken allein schon schmunzeln. Ich gebe zu, es war schon ein etwas merkwürdiges Gefühl und auch dieses schabende, knirschende Geräusch, das beim hin und her bewegen entsteht, ist durchaus gewöhnungsbedürftig, dafür war die Freude groß, als tatsächlich ein paar Bilder einigermaßen scharf wurden und das nur in einem bestimmten Bereich. Hier seht ihr zuerst einmal zwei Bildmotive, in denen die Schärfeebene einmal nach rechts und einmal nach links verschoben ist. Im zweiten Motiv erkennt man schon, dass bei relativ starker Neigung des Objektivs eine Vignettierung am Rand auftritt. Das kann sicherlich auch mal gewollt so sein, ich fand es jetzt nicht so schön, aber es war ja auch erstmal nur ein Test.

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Als dann am Donnerstag das 50 mm Objektiv gekommen ist, ging es weiter mit dem Experimentieren und ich habe gleich abends noch ein paar weitere Aufnahmen draußen auf dem Balkon gemacht, sowie am Freitag in der Mittagspause und am Sonntag auf meinem Spaziergang durch die Stadt. Ich finde, für’s Freelensing eignet sich dieses Objektiv viel besser, vor allem auch deshalb, weil der Fokusring weit vorne sitzt und ich ihn so recht einfach mit dem Zeigefinger hin und her schieben kann, während ich das Objektiv geneigt an die Kamera halte. Die dadurch entstandenen Bilder sind zwar noch immer nicht ganz perfekt, lassen sich aber trotzdem schon ganz gut sehen und ich werde vermutlich bei Gelegenheit noch ein wenig weiter mit dieser Technik herum spielen. Ich habe während meiner kurzen Recherche auch die Anleitungen von Sam Hurd und Jay Cassario gelesen, die beschreiben, wie man ein günstiges Objektiv zerlegen bzw. modifizieren kann, um noch bessere Ergebnisse zu erzielen, aber soweit geht meine Experimentierfreudigkeit dann doch (noch) nicht.

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Außerdem mußte ich sehr schmunzeln als ich, nachdem ich gestern Abend schon die Bilder für den Post hier hoch geladen hatte, heute früh bei Paleica das dritte Adjektiv und somit Thema für die aktuelle Woche im Magic Monday Projekt gelesen habe: Unperfekt. Ich hatte mich ja eigentlich dagegen entschieden, bei diesem Projekt mitzumachen, da ich nicht schon wieder zwei Wochenprojekte parallel laufen lassen wollte, aber wo es nun gerade mal so gut paßt, mach ich mal eine kleine Ausnahme, ganz inoffiziell. Vielleicht bleibt es die einzige Ausnahme, vielleicht auch nicht, die Regeln sind da ja sehr locker.


16 Kommentare

    • Vielen Dank, Sabrina! Früher dachte ich ja, je mehr Zoomvarianten, desto besser, aber inzwischen weiß ich die Unkompliziertheit von Festbrennweiten echt zu schätzen. Vielleicht kann man damit nicht immer alles in jeder Situation knipsen, aber man muß es ja auch nicht. Wenn ich analog unterwegs bin hab ich ja auch nur die eine Linse und mehr nicht. Ich drück Dir die Daumen, dass es bald klappt mit der Wunscherfüllung :)

  1. I read this with interest. I couldn’t help wondering how these were different from the kinds of pictures a Lensbaby takes … after all the principle is the same … that of moving the lens or focussing component independent of the camera body … have you tried one of these devices? If we were living somewhat closer I would gladly lend you mine … you have a definite flair for this kind of photography :-)

    • Ha, you know that I originally wanted to conclude this saying ‘…or I just buy a Lensbaby’ :) There is basically no difference, except that you probably don’t get those natural light leaks but on the other hand also no dust on your sensor if you use a Lensbaby. I was actually looking to buy one but as they are not that cheap (something around 330 Euro for the Composer with Sweet 35 lens), I thought I try freelensing first to see if I like the results enough. I already have an almost unused Fisheye lens sitting here so am a bit careful now in buying such special lenses. But who knows, I might get one just for the fun of it.

      If we would be living closer I’d probably rather try to have a go with the oculus :) Swapping lenses might not work anyway as we’re using different systems if I’m not wrong.

  2. das hat definitiv was von lomo. ich mag den stil, obwohl ich finde, dass hier bilder in serie immer besser kommen als alleine – also der post im gesamten wirkt :) vielleicht probiere ich das ja auch mal, ist sicher interessant und lustig, sich damit zu spielen! meine favoriten sind aber eigentilch fast die ersten beiden. und die bierdose :)

    • Ja, stimmt, vor allem mit Vignette hat es sehr viel von Lomo. Ich habe ja noch etwa 6 Bilder wieder rausgenommen, weil ich es nicht zu voll machen wollte. Die waren durchweg etwas unschärfer, was ich aber eigentlich ganz cool fand, weil es so schon fast wieder analog aussah. Es ist auf jeden Fall sehr interessant udn eben auch mal ein bißchen was anderes, wenn auch nicht für jeden Tag geeignet. Falls ich den Effekt dann doch öfter haben möchte, kauf ich mir vermutlich lieber ein Lensbaby und spar mir die Fummelei.

      Ich mag die beiden ersten Bild auch ganz gerne, vielleicht weil es wirklich so ziemlich die ersten Aufnahmen waren oder auch nur wegen dem Kastanienbaumbokeh :)

      • ja ich glaub das bokeh macht viel des zaubers aus :)

        lensbaby… irgendwie ist das schon cool, aber für so eine spielerei finde ich es ganz schön teuer. ich lass dich da mal vorpreschen und es ausprobieren und wenn es ganz toll ist denke ich auch nochmal drüber nach :D
        aber das ist halt das, so cool es manchmal ist, immer passt es dann doch nicht und teuer sind sie halt schon. und irgendwie vergesse ich dann immer auf die spielereien. das fällt mir schon mit der doppelbelichtung auf, die meine nikon kann und mit der ich mir immer vornehme, mich zu spielen – letztendlich denke ich nie dran. mit den ganzen spielereien wie colorkey und tilt shift auf der g15 gehts mir auch so. am ende des tages versuche ich dann doch, das ‘perfekte’ bild zu machen. schade eigentlich.

  3. Wirklich sehr interessant… Aber ich glaube, so schnell traue ich mich das nicht.
    Besonders die ersten “Testbilder” gefallen mir richtig, richtig gut!

    • Danke, Nicole, das freut mich :) Falls Du es irgendwann mal doch probieren magst, versuch es erstmal in aller Ruhe zu Hause, vielleicht sogar mit der Kamera auf einem Stativ oder auch auf dem Tisch abgestellt. Mich packt ja bei solchen trotz aller Skepsis im Vorfeld oft der Übermut und ich denke dann garnicht mehr daran, was passieren könnte. Ist vielleicht auch nicht immer so ratsam :)

  4. Das ist ja wirklich interessant – und wieder nix für mich, da wir ja “nur” eine Bridge haben und somit nix abschrauben können :( Aber so bewundere ich dann umso mehr Deine Bilder :)

    • Oh, eine Bridgekamera habt ihr? Das mußte ich erstmal googlen, kannte ich vom Begriff her garnicht. Mit der Technik hab ich’s ja nicht immer so :) Wenigsten kommt so kein Staub rein und man muss keine Angst um den Spiegel haben, das hat ja durchaus Vorteile. Den Effekt kannst Du auch digital machen, wenn Du magst, ist ja quasi Tilt/Shift, das gibt’s auch in Handy-Apps.

      Freut mich auf jeden Fall, dass Dir die Bilder gefallen. Ich hab lange an der Auswahl gesessen und dann doch wieder welche rausgeschmissen. Hab glaube ich noch zwei oder drei solcher Aufnahmen analog gemacht, warte aber noch auf den Film.

  5. Pingback: Tau-Experiment – Bild 89/365 | jetag1foto

  6. Die Fotos und die Idee sind klasse! Hab es auch versucht (sogar mit Demontage eines alten 50 mm Objektivs) hat aber irgendwie nicht funktioniert … schade :-(
    Muss es irgendwann später nochmal versuchen.

    • Vielen Dank! Ist ja echt schade, dass es nicht geklappt hat. Bei mir gings auch manchmal garnicht und dann auf einmal doch. Aber es ist schon ne coole Sache, da lohnt sich ein weiterer Versuch :)


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