Eine dieser Nächte

23.30 Der Alarm ist auf 8 Stunden und 35 Minuten gestellt. Eine gleichlange Reise würde mir wie eine Ewigkeit vorkommen, für die Länge einer einzigen Nacht erscheint es mir jedoch immer noch viel zu kurz. Während der Geist noch ein klein wenig herumtanzt, obwohl er sich nach der Stille sehnt, sind die Augen schon längst schwer und verlangen nach Dunkelheit. Licht aus.

0.50 Gefühlte 50 Seitenwechsel später bin ich immer noch wach, schlafen fühlt sich anders an. Ein paar Schritte verhallen in der Wohnung über mir, draußen fahren ein, zwei Autos vorbei, ein nächtlicher Wanderer lacht zusammen mit seinem Begleiter. Das durch die Tür einfallende Licht wirft spürbare Schatten über mir, mein Atmen klingt viel zu laut, mein Herz schlägt fast hörbar im Takt einer leichten Unruhe. Unter den 4 Quadratmetern meiner Bettdecke rolle ich mich langsam auf die andere Seite des Bettes und versuche von dort aus noch einmal die Tür zur Traumwelt, dem Paradies der Unbewußtheit, zu finden.

3.20 Das erste Erwachen und die Freude über den gefundenen Schlaf überdeckt die Erinnerung an das im Traum gelebte. Streifzüge durch bekannte Strassen, Begegnungen mit alten Freunden, Erinnerungsfetzen des Alltags, Bruchstücke und Fragmente, die an der Oberfläche schwimmen. Ein Blick auf die Uhrzeit verspricht noch ein paar Stunden Zeit zum träumen.

6.30 Aufwachen ist manchmal eine Flucht vor dem Nicht-Sehen-Wollen. Unschöne Trauminhalte erzeugen einen leicht bitteren Nachgeschmack und Schatten auf der Seele, vielleicht auch leises Fluchen und ein Gefühl der Bedrückheit. Einsame Orte, finstere Gestalten in der Dunkelheit, Fantasiegebilde und Alltagssorgen, die nicht loslassen und im Traumland zurückbleiben wollen. Noch ein kleines bißchen Zeit. Vielleicht reicht es für einen weiteren Traum, vielleicht liege ich auch bis zum Erinnerungsschrei des Weckers wach. Um den Beginn des Tages ganz bewußt hinauszuzögern oder weil die Stille nicht ausreicht, von der Welt vor dem Fenster übertönt wird.

8.00 Der Wecker klingelt und es ist an wirklich jedem Tag einfach viel zu früh, obwohl ich meistens ohnehin schon wach bin. Besonders schlimm ist es, wenn mich das Klingeln aus einem Traum reißt, denn so schnell schafft mein Traumhirn den Sprung ins Wachsein nicht. Es trifft mich oft wie ein Schlag, wenn die Realität an der Traumwelt zerrt und mich mit aller Kraft daran erinnert, dass etwas gerade noch so selbstverständliches nie geschehen ist, vielleicht niemals so geschehen wird. Das alles nur ein Traum gewesen ist. Der Verlust des nie Gekannten fühlt sich immer wieder komisch und unwirklich an, ist manchmal den ganzen Tag lang zu spüren. Bis zur nächsten Nacht und dem Beginn neuer Abenteuer im stillen Raum hinter den Augenlidern.

Dreamworld

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5 Replies to “Eine dieser Nächte”

  1. das bild ist mir auf facebook schon ins auge gestochen – es ist großartig. mir geht es jede nacht genauso, nur, dass ich meist schon beim schlafen gehen auf unter 8 stunden bin, weil 6:10 einfach eine absolut untragbare aufstehzeit ist 🙁

    ich kenne diese träume, die so starke gefühle auslösen, dass sie einen den ganzen tag nicht loslassen. meist menschen, die es – auf welche art und weise auch immer – nicht mehr gibt und die im traum wie selbstverständlich auf einmal wieder da sind.

    1. Danke 🙂 Es ist ein altes Bild von Anfang April, das ich schon wieder ganz vergessen und damals nicht einmal bearbeitet hatte. Aber ich wollte mal was übers Träumen schreiben und als ich neulich ein bißchen archiviert habe, bin ich drüber gestolpert. Nur die traumgedanken sind dann doch nicht ganz so geworden wie ursprünglich angedacht, abe rich wollt’s auch nicht zu lang machen. Hab heute Nacht schon wieder so viel Zeugs geträumt, daraus könnte man glatt 3 Kurzfilme machen. Vielleicht hätte ich den Artikel ja lieber morgens schreiben sollen 🙂

      Ich hab ja schon ab und zu gelesen, dass Du so früh raus mußt und denke dann immer, wie schrecklich das sien muß und was ich hier eigentlich rumjammere mit meinem Bürostart um 9.00 Uhr. Ich hoffe, Du hast dann wenigstens entprechend früh Feierabend, wäre zumindest ein kleiner Trost.

      1. ja, üblicherweise bin ich zwischen dreiviertel 5 und 5 draußen, wenn nicht irgendwas ansteht oder dienstreise oder so. aber ich muss sagen, als ich die 9:00-anfangszeit hatte, gings mir körperlich schon besser. ich bin einfach kein morgenmensch.

        übers träumen schreiben ist immer gut und man kann ja auch jederzeit erweitern und ausbauen und wieder posten 🙂

  2. Eine so späte zeit zum aufstehen wäre das größte für mich! Dich die Nacht ist um 5 zu Ende. Arbeitsbeginn 6:30..
    Dennoch träume ich in den wenigen Stunden ganz schön viel kurioses zusammen 😉

    1. Oh je, da mußt Du aber wirklich arg früh raus und ran an die Arbeit. Ich weiß schon, dass ich da viel Glück habe und in meinem Job ist’s halt günstiger wenn ich abends länger da bin, das kommt mir schon sehr gelegen.

      Da ich ja ohnehin total oft wach bin, wäre das Aufstehen an sich nicht so das Problem. Allerdings kann ich dann meist erst Recht nicht einschlafen und nach ein paar Tagen, macht sich der Schlafentzug auch deutlich bemerkbar. Deswegen bleib ich am Wochenende auch immer bis Mittag liegen. Es heißt ja, man braucht im Alter weniger Schlaf…darauf warte ich ja immernoch 🙂

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