Der Himmel brennt

Eine alte Eigenheimsiedlung am Stadtrand. Im Garten hinterm Haus brutzelt das Fleisch auf dem Grill, Freunde und Familie schlemmen sich durch selbstgemachte Köstlichkeiten während der Hund hoffnungsvoll und mit sehnsüchtigen Blicken jeden einzelnen Bissen Fleisch verfolgt. Zur selben Zeit steige ich hoch auf den von der Sonne aufgeheizten Dachboden, der von mir und meinem Bruder vor ein paar Jahren eigenhändig isoliert und zu einem Zimmer für mich ausgebaut wurde. Auf Zehenspitzen stehend, quetsche ich mich durch die untere Hälfte eines 40 x 60 cm großen Dachkippfensters und halte so gut es geht die Kamera heraus während ich das Fensterglas auf meinem Kopf balanciere, um den Ausschnitt möglichst groß zu halten. Ich merke am Rande, wie ich mit meiner Strickjacke an etwas hängen bleibe und sich dabei ein paar Fäden ziehen, aber das ist mir vollkommen egal. Weil es einen sehr guten Grund gibt, warum ich in diesem Moment dort oben stehe anstatt mit den anderen zu feiern: Über den Dächern der Nachbarhäuser geht die Sonne unter.

Es ist ein Sonnenuntergang, den ich mir extra im Kalender vermerkt hatte, denn ich hatte kürzlich in einem Artikel gelesen, dass man manchmal am Abend leuchtende Eiswolken am Himmel beobachten könne, die durch den immer mehr zunehmenden Flugverkehr und ganz besonders auch durch Raketenstarts verursacht werden. Für den Morgen des 19. Juli war wieder ein Raketenstart in Cape Canaveral geplant und damit verbunden eben auch in Deutschland sichtbare Leuchtwolken zu erwarten. Ich hatte es mir extra eingetragen und dann doch vergessen, erst beim Abendessen viel es mir wieder ein. Ganz verschreckt schnappte ich mir schnell die Kamera und kletterte auf das Schuppendach, um über die Mauer hinweg nach dem Sonnenuntergang Ausschau zu halten. Mein Herz hüpfte beinahe vor Freude über das Schauspiel, das sich mir bot und für eine noch bessere Sicht blieb mir nur der Weg hinauf aufs Dach. Es war so ein schöner Anblick, das ich auch zwei Stunden später noch immer ein bißchen aufgeregt war und erst viel später bemerkte, dass ich mich in meiner Annahme, die Raketenspuren dort am Himmel gesehen zu haben, wohl geirrt hatte. Die mysterösen Leuchtwolken, von denen ich gelesen hatte, sind nämlich nicht bei Sonnenuntergang, sondern erst etwas später zu sehen, wenn es fast völlig dunkel ist, da sie aufgrund ihrer hohen Lage noch ein bißchen von der Sonne angestrahlt werden. Das habe ich wohl verpaßt, aber es war trotzdem wunderschön.

Die Aufnahmen sind im Abstand von etwa 30 Minuten entstanden, mit dem 50 mm Objektiv und aufgrund der schwierigen räumlichen Lage auch ohne Stativ, was für Panoramaaufnahmen ja nicht unbedingt optimal ist. Und ehrlich gesagt war ich im Eifer des Gefechts auch wieder viel zu aufgeregt und hippelig, um mir zu viele Gedanken um Details zu machen. Manchmal kann ich halt einfach nur die Kamera draufhalten und auf das Beste hoffen bzw. auf die Technik vertrauen. Die Bilder oben sind aus jeweils 3 Aufnahmen zusammengesetzt, für ein bißchen mehr Himmel ganz ohne  Bäume und Dächer habe ich zum Schluss noch Panoramen aus jeweils 2 Aufnahmen. Warum man bei Tagestemperaturen um die 30 °C bei einem der Häuser einen qualmenden Schornstein sehen kann, ist mir übrigens völlig schleierhaft und wird wohl für immer ein ungeklärtes Mysterium bleiben.

Teile diesen Beitrag:

6 Replies to “Der Himmel brennt”

  1. Beautiful skies … I particularly like the cross-currents of high atmospheric winds sweeping the cloud first this way and simultaneously the other. Did members of your family roll their eyes at your strange antics of having to disappear mid-meal to the roof to photograph the setting sun … I think they may have in a loving way 🙂

    1. Oh, that’s what it was? I had no idea 🙂 Not much occasion to see something like this here in the city. I was watching the sunset the days after and nothing similar happened but then it wasn’t as windy anymore.

      Hm, I’m not sure if they were rolling their eyes. My brother perhaps but not in a loving way as he was already annoyed by me taking food pictures earlier. My father doesn’t really care and my mother usually only shows interest when others are around. As we had guests, I was asked later to show them the pictures and they were all like ‚Oh, that’s beautiful.‘ but none of them actually stood up from the table to have a look themself. Most of the time I’m pretty much alone with my excitement about the beautiful things out there which is the one reason why I share it all here 🙂

  2. Hachz… ich hoffe, dass wir solche fantastischen Sonnenuntergänge auch zu sehen bekommen 🙂

    1. Der Sommer soll ja noch ein bißchen bleiben und direkt am Meer ist natürlich noch viel schöner 🙂

  3. einfach traumhaft! und sonderbar – ich bilde mir eigentlich ein, auch diesen post kommentiert zu haben…

    1. Danke 🙂 Ich glaube, wenn man vom Handy aus kommentiert, verschwinden die Kommentare manchmal irgendwo im Ether. Das ist mir mit dem Äpfelchen und der WP App auch schon ein paar mal passiert.

Wenn Du auch etwas dazu sagen möchtest...