Ein Hundeleben

Als ich vorhin aus dem Fenster schaute, wirbelten kleine gelbe Blätter über die Straße und die Zweige der Bäume schaukelten im Wind. Ein klein wenig später dann hörte ich das Rauschen des Regens, sah das Wasser wie dicke Bindfäden von Himmel herab fallen. Was sonst nur wenig Begeisterung auslöst, schien nach zwei oftmals drückend heißen Wochen eher wie eine Erlösung und weckt die Hoffnung auf eine Reinigung der Luft, auf ein kleines bißchen Abkühlung. Doch so plötzlich es kam, das Grummeln des von grauen Wolken verdunkelten Himmel, desto schneller war es auch wieder vorbei. Aus dicken Regenfäden wurde schon bald Tropfen, die irgendwann auch verschwanden, gemeinsam mit den Wolken, den Platz frei machend für Himmelsblau und Sonnenschein. Ich bedauere es fast ein wenig, habe ich doch so vieles, das sich an kalten oder zumindest sehr verregneten Tagen hervorragend erledigen ließe. Fotos bearbeiten und sortieren, Negative einscannen, die Wohnung auf- bzw. umräumen und die Steuererklärung macht sich auch nicht von alleine.

Wenn sich der Sommer jedoch von seiner besten Seite zeigt, fällt es hingegen sehr schwer, daheim am Rechner zu sitzen, ihn nur auf dem Bildschirm und aus dem Fenster zu betrachten, weil es so vieles gibt, das man nur zu dieser Zeit machen kann. Jede freie Minute draußen verbringen, sich von den Sonnenstrahlen kitzeln lassen, den Wind auf der Haut spüren, im Sommerregen tanzen oder auch einfach nur im Gras liegen, tagsüber im Schatten der Bäume, abends unter dem Licht der Sterne, in Erinnerungen schwelgen, Tagträume spinnen, jeden Augenblick des Hier und Jetzt genießen, vollkommen unbeschwert sein, als gäbe es kein Morgen, als würde nur dieser eine Tag zählen, als wäre man niemals verletzt worden und würde das Gefühl der Einsamkeit nicht kennen. Manchmal, wenn ich Felix, den Hund meiner Eltern, so beobachte, erinnert er mich an die Sorglosigkeit und Unbeschwertheit längst vergangener Zeiten und ich frage mich, ob ich wohl mit ihm tauschen würde, wenn ich es könnte. Die Aussicht auf viele kleine Nickerchen während des Tages ist natürlich auch sehr verlockend und würde mir sehr entgegen kommen. Aber jetzt geht es erstmal ein bißchen nach draußen, die Straßen der Stadt warten darauf, ein bißchen von mir beschnuppert zu werden.

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6 Replies to “Ein Hundeleben”

  1. If reincarnation really does exist there would be far worse thing to come back as than a dog in a loving family 🙂

    1. Yes indeed. It would probably be my first choice, the sweet life full of belly rubs, ear tickling and afternoon snaps 🙂 Also I don’t think I could cope with another round of human life, just one is challenging enough.

  2. Felix ist soooo knuffig – und so fotogen! <3
    Wenn ich wiedergeboren werden sollte, dann möchte ich auch ein geliebtes Haustier sein. Manchmal möchte ich auch mit meinen beiden Banditen tauschen… seufz.
    Ganz liebe Grüße, Consu 😉

    1. Ja, das ist er auch wenn er gerade wieder ein bißchen strubbelig aussieht. Die Hitze hat ihn auch etwas ruhiger gemacht und er lag meistens nur irgendwo rum, da konnt ich mich immer schön ranschleichen 🙂

      So ein Hasenleben wäre sicher auch nicht verkehrt – keine Leine und im Idealfall immer einen Artgenossen zum kuscheln mit dabei.

      Liebe Grüsse zurück an alle 🙂

  3. oh ich würde sofort tauschen. und denke gleichzeitig an reinhard meys lied „es gibt tage, da wünscht‘ ich, ich wär mein hund“.
    ja ein leben in dem man das verletztwerden nicht kennt. ich glaube, da würd ich ehrlicherweise nicht zweimal überlegen.

    1. Haha, du hast recht. Ich würde wohl auch sofort tauschen, wenn ich die Möglichkeit hätte.

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