Die allererste Rolle Film

Durch das Schreiben dieses Blogs ist die Kamera inzwischen wohl mein treuester Begleiter in allen Lebens- und Gemütslagen geworden und ich kann es mir eigentlich kaum noch vorstellen, einen Text ohne mindestens ein begleitendes Bild zu veröffentlichen. Wenn ich ganz weit zurückblicke und mir vorstelle, wann ich wohl ganz bewußt die ersten Fotos gemacht habe, so ganz alleine für mich und nicht nur mal kurz abgedrückt auf einer Familienfeier, denke ich an eine kleine seepferdchenförmige Insel in der Ostsee. Im August 2001 ging ich zum ersten Mal auf Reisen und flüchtete mitten in den Diplomprüfungsvorbereitungen von schweren Liebeskummer und einer mittelschweren Depression geplagt für ein paar Tage nach Hiddensee. Ich wollte ein wenig Abstand gewinnen, die Ruhe am Meer genießen, Kräfte sammeln. Im Gepäck hatte ich eine alte Plastikkamera meiner Eltern, in der ein schon mit Bildern meiner Wohnung halbvoller Film steckte. Zusätzlich hatte ich mir noch eine Einwegkamera gekauft und so streifte ich kreuz und quer über die 19 km² große Insel, knipste mehr oder weniger wahllos alles, was mir so in die Quere kam und weinte mir trotz aller Schönheit um mich herum so manches Mal vor lauter Sehnsucht und Seelenschmerz die Augen aus. Ich erinnere mich auch noch gut daran, dass ich etwas enttäuscht war, als ich die entwickelten Bilder in den Händen hielt, denn so manche Aufnahme war total in die Hose gegangen, weil ich gegen das Licht fotografiert hatte oder die Kamera den Film zerkratzt hat. Ich habe zwar nicht alle Abzüge von damals aufgehoben, dafür aber die Negative und da ich mir für die weitere Erkundung der analogen Welt nun doch einen Filmscanner zugelegt habe, schicke ich euch heute einmal 12 Jahre zurück in die Vergangenheit, mit mir zusammen auf die kleine Insel in der Ostsee.

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Wenn ich es auf den Filmstreifen richtig gelesen habe, sind die ersten und die letzen zwei Aufnahmen mit einem Fuji S-200 F67 Film in der Kamera von meinen Eltern entstanden, der Rest kommt aus der mit einem Kodak FB 200-6 Film beladenen Einwegkamera. Die Negative habe ich zuerst mit dem CanoScan 9000F Mark II eingescannt und anschließend in Photoshop ein bißchen die Fussel entfernt, den Kontrast erhöht, ggf. die Farben etwas korrigiert und alle Bilder ein klein wenig zugeschnitten. Obwohl die Bilder ziemlich unscharf und zu Teil irre körnig sind, etwas, das ich heutzutage meistens eher zu vermeiden versuche, kriege ich ein bißchen Lust darauf, mir mal wieder eine Einwegkamera zu besorgen und damit auf Tour zu gehen. Vielleicht schon bald im Urlaub und vielleicht auch wieder dort auf Hiddensee, einfach nur so zum Spaß.

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13 Replies to “Die allererste Rolle Film”

  1. Körnig oder nicht, ist doch egal. Ich bin der Meinung, die Bilder haben ihren eigenen Flair und sind toll. Halt analog. Dieses bildgefühl kann kein Filter nachbauen.

    1. Vielen Dank, Jürgen. Ich mag sie auch gerne, weil sie so eine schöne Stimmung haben. Das Rauschen stört mich eher in digitalen Bildern, da passt es nicht immer. Ich hab hier aktuell noch einen s/w Film liegen, da sehn mit die Anzüge irgendwie zu glatt aus und ich bin gespannt, was nach dem Scannen rauskommt.

      Mit den Filtern hast Du auch recht, es ist nicht dasselbe. Obwohl, ich hab da ein neues Programm, das sieht ganz nett aus. Vielleicht zeig ich demnächst mal ein paar Bilder.

  2. Ja, mir gefallen sie auch… haben so einen nostalgischen Touch. (Möchte ich fast auch noch mal versuchen.)
    LG, Petra

    1. Das freut mich sehr, Petra. So Wegwerflameras kriegt man ja recht günstig. Sie sind zwar herrlich unperfekt, aber eben auch total unkompliziert. Einfach draufhalten und klick. Gerade gut wenn man nix großes und/oder teures mitnehmen mag. Den Spass ist es allemal wert.
      Liebe Grüße zurück, Viola

  3. Ich mag das etwas verrauscht wirkende an den Bildern.

    P.S. Ich glaube, Hiddensee ist 19 km² groß, nicht nur 19 Quadratmeter. 😀

    1. Haha, es sind natürlich km² und nicht m² 😀 Vielen Dank für den Hinweis, hab’s gleich korrigiert. War schon etwas spät gestern und ich in die Bilder vertieft 🙂

  4. eine wundervolle kleine zeitreise 🙂

  5. Viola, die Bilder sind einfach wunderschön! Die Körnigkeit, die Farben, der nostalgische Flair … traumhaft. Die ersten drei Bilder gefallen mir besonders, sie haben etwas malerisches an sich. Ich muss zugeben, dass ich in die Analogwelt schlicht und einfach schwer verliebt bin, in die Tiefe der Bilder, die Fehlerhaftigkeit, die Natürlichkeit, …
    Und diese Art passt einfach perfekt zu deinem Text. Zu deinen ganz persönlichen Erinnerungen, die die Bilder noch lebendiger machen.

    1. Vielen Dank für die lieben Worte, Anette 🙂 Ich selbst mag das erste Bild am allerliebsten und verliebe mich so langsam immer mehr in die analoge Welt. Als ich neulich bei meinen Eltern war, habe ich ein bißchen in ganz alten schwarz/weiss Aufnahmen gestöbert und gestaunt, wie wunderschön so manch alter Schnappschuss war. Das sind ja alles Aufnahmen, die oft nur einfach so nebenbei entstanden sind, Momente aus dem Alltag, Eindrücke vom Seefahrerleben und der Armeezeit meines Vaters, teilweise sogar noch weiter zurück in der Vergangenheit. Ich muß mir da echt etwas einfallen lassen, um diese Schätze zu konservieren. Mitgebracht habe ich noch eine alte Schachtel mit Dias, die Bilder aus St. Petersburg zeigen, vermutlich in den 70ern gemacht, und deutliche Farbschäden haben. Davon scanne ich auf jeden Fall ein paar ein und zeige sie hier. Ich hab auch wieder ein bißchen analog geknipst und warte noch gespannt auf die Entwicklung zweier Rollfilme.

  6. habe ich dann nicht kommentiert oder hat es vom handy nicht funktioniert?
    ich finde die bilder wunderschön, besonders mag ich die strohballen und den leuchtturm, aber auch alles hat diesen analogen charme und in jedem bild schwingt ein wenig melancholie mit – man spürt wohl ein wenig die stimmung, in der du die fotos gemacht hast.

    1. Hm, ich weiß nicht, vielleicht hat es vom Handy nicht funktioniert, das passiert manchmal. Das Leuchtturmbild hing zusammen mit noch drei anderen jahrelang in meinem alten Büro. Nach dem Umzug vor zwei Jahren hab ich sie nicht wieder aufgehängt und erst kürzlich die alten Filmumschläge aus dem Labor wieder herausgekramt. Das Wetter damals auf der Insel war recht wechselhaft, Sonnenschein und Dramawolken, was sehr gut zu meiner Stimmung paßte. War eine sehr schwierige Zeit damals und einen Monat später, mitten in der Prüfungsphase, ging wirklich nichts mehr und ich war erstmal für viele Monate komplett außer Gefecht gesetzt. Kommt mir manchmal wie gestern vor, dabei ist es schon 12 Jahre her.

      Und wie es aussieht, bin ich tatsächlich demnächst wieder auf der Insel, hab kürzlich ein überraschendes Angebot bekommen und werd mich in Abhängikeit vom Wetter kurzfristig entscheiden, ob ich dort auf Sternschnuppenjagd gehe oder nicht.

      1. oh das klingt ja toll – soviele wunderbare pläne!

        ersteres natürlich nicht 🙁 ziemlich heftig solche phasen. ich kenne das – hab da auch einmal nur ganz knapp die kurve gekratzt indem ich die notbremse gezogen habe. das ging in dem abschnitt zum glück grade einigermaßen, unter anderen umständen weiß ich nicht, wie das dann ausgegangen wäre…

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