Moody places

Es ist Sonntag, kurz nach Mittag. In der Küche brutzelt das Essen im Ofen, der Geruch kriecht ganz langsam durch die Türritzen und verbreitet sich im ganzen Haus. Er kitzelt mich ein bißchen in der Nase, während ich gerade den ersten Cappuccino des Tages trinke. Ich sitze in Boxershorts und T-Shirt vor dem leicht geöffneten Fenster, schaue dem Wind dabei zu, wie er mit den Gardinen spielt und überlege, ob das, was ich euch heute so gerne zeigen möchte, eigentlich zu all den Sommerbildern der letzten (und wohl auch noch kommenden) Tage paßt. Momentan ist der Himmel draußen vor dem Fenster grau und der wilde Tanz der Bäume deutet auf Sturm, vielleicht auch ein Gewitter, dabei hatten wir uns so auf einen Tag am Strand, Sonnenstrahlenkitzeleien und ein Bad im Meer gefreut. Ich denke, noch ist nichts verloren, vielleicht, ganz vielleicht, bricht die Wolkendecke ja bald wieder auf, nach dem Mittagessen und einer kleinen Ruhepause. Und selbst wenn es nicht so sein sollte, freue ich mich, denn ich weiß, das ich heute trotzdem noch das Meer fahren und dort am Strand, nach viel zu langer Zeit, die liebe Consuela und ihren Helden wiedersehen werde.

Bis es soweit ist, bleibt mir noch ein wenig Zeit für den einen oder anderen düsteren Moment, das Jagen von Gedanken und die Erinnerung an dunkle Zeiten durchdrungen von kleinen Momenten des Lichts. Auch nach all den Jahren ist der Sommer für mich wohl die Jahreszeit, in der ich das Alleinsein am schwierigsten finde. Die Frisches des Frühling ist immer voller Hoffnung, der dramatische Herbst so wunderbar melancholisch und die Stille des Winters eine gute Zeit, um sich zurück zu ziehen. Mit einem Geburtstag im August und als ein Kind der Küste, ist der Sommer jedoch die Zeit, in der ich mich so richtig zuhause und frei fühle. Nichts spült die Sorgen besser von der Seele als ein Bad im Meer, nichts klärt der Kopf besser als die eine frische Brise Seeluft, nichts kitzelt so schön wie Grashalme und Sonnenstrahlen, nichts ist so sanft wie Sommerregen auf der Haut, nichts ist so sinnlich wie eine warme Sommernacht unter den Sternen, nichts ist so süß wie in der Sonne gereifte Früchte und so bunt wie die vielen Blumen, deren Blütenkelche in dieser Zeit um uns herum leuchten. So viele Kleinigkeiten, die mich manchmal die ganze Welt umarmen lassen möchten und die vielleicht noch viel schöner und reicher wären, wenn ich sie mit jemandem teilen könnte. Vielleicht wird es irgendwann mal anders sein, vielleicht auch nicht. Derweilen schmolle ich hier ab und zu ein bißchen. Und mache Fotos. Von Blumen und Blumen, Federn und Holz, Schiffen und Leuchttürmen, Goldfischen im Teich und den Sternen am Himmel. Ich schaue mit der Kamera durch zerbrochene Fensterscheiben und zwischen Gitterstäben hindurch in alte, verfallene Häuser und verbinde diesen längst verlassenen Ort mit einem Selbstporträt aus unserem alten Kohlenkeller, der nach dem Einbau eines neuen Fensters gar nicht mehr ganz so dunkel, aber immer noch renovierungsbedürftig ist. Ich denke, dieses Diptychon könnte vielleicht der Beginn einer neuen Serie sein. Wir werden sehen.

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8 Replies to “Moody places”

  1. Danke fürs Zeigen!

    1. Ich danke Dir, für’s anschauen 🙂

  2. Sehr schön und gute Idee, die Dyptichon-Verbindung zwischen Keller und dem verfallenen Haus. Bin für eine Fortführung! Und du (be)schreibst so schön. Im Sommer ist es irgendwie schwieriger, sich nicht allein zu fühlen, wenn alles um einen rum nach Zusammensein und Spaß schreit. Ich bin auch ein gebürtiges Sommer-Kind, aber im Herbst fühle ich mich oft mehr „zuhause“. Danke für die Worte und Bilder! Liebe Grüße.

    1. Ich danke Dir, für‘ schauen, lesen und die lieben Worte. Ich denke, es sieht gut aus, was eine Fortführung betrifft. Der Herbst bietet sich dafür irgendwie auch total gut an und ich habe gerade in den letzten zwei Jahren gemerkt, dass ich mich in ihm inzwischen auch fast etwas wohler fühle. Vielleicht weil er soe wechselhaft ist, das Licht so schön und das Wasser des Meeres ganz besonders dunkel ist. Ich freu mich schon darauf, dass er bald den Sommer ablöst. Ganz liebe Grüße zurück.

      1. Ohja das Licht im Herbst ist ganz besonders, und was ich auch mag, ist der Frühnebel (wenn ich’s mal so früh rausschaffe). Am Meer hat der Herbst sicher einen ganz besonderen Charakter, das möchte ich auch total gerne mal noch sehen.

  3. gänsehaut bei dem was du schreibst. und noch viel mehr bei den bildern. groß!!!

    1. Danke 🙂 Es gibt so manche Momente und Bilder, die lassen mich etwas zögern und fühlen sich gleichzeitig doch so richtig an. Das war so einer.

  4. […] Bis neulich, als ich im Urlaub ein Selbstporträt mit dem Bild eines leerstehenden Hauses zu einem Diptychon kombiniert […]

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