Im Sommerregen

Während Du schläfst, laufe ich alleine durch die Straßen der Stadt. Aus dem milchig grauen Himmel fallen Wassertropfen auf mich herab, doch ich spüre sie kaum. Sie verfangen sich in meinen Haaren und kitzeln ein paar ansonsten schlafende Locken hervor. In meinem Kopf tanzen noch immer unzählige Worte umher und übertönen das Geräusch meiner Schritte, das Spritzen des Wassers unter meinen Füßen. Mein Blick schweift umher, durchsucht gleichzeitig die Welt um mich herum und in mir drinnen nach einem Bild, das vielleicht die Essenz dieses Moments, dieses gerade so starken und klaren Gefühls zu halten vermag. Die Zeit wechselt ständig ihre Richtung, läuft vorwärts und rückwärts zugleich, läßt mich ganz schnell voran eilen und gleichzeitig auch wie eingefroren verharren. Irgendwo ganz am Rande nehme ich wahr, wie Menschen durch den Regen an mir vorbei laufen, höre die Gespräche derer, die im Trockenen Schutz gesucht haben und die Geräuschkulisse der sich immer bewegenden Stadt. Es ist alles ganz nah und doch auch ganz weit weg.

Und dann plötzlich sehe ich es vor mir. Ein winziges, silbernes Funkeln, ein Glitzern ganz nah, direkt vor meinen Augen. Und es macht auf einmal soviel Sinn, dass ich kaum glauben kann, warum ich es nicht sofort gesehen habe. Obwohl doch der Sommerregen schon die ganze Zeit über meine Haut gekitzelt hat. Dort vor mir auf den Blättern saßen sie, diese wunderschönen, silbrig glänzenden Regentropfen, beinahe so als hätten sie nur auf mich gewartet. Einige von ihnen so prall und rund, dass ich beinahe sehen oder zumindest erahnen kann, wie sich die Wassermoleküle an der Oberfläche mit aller Kraft aneinander klammern, um dieses kleine Kunstwerk möglichst lange zu erhalten. Ich frage mich, woher sie wohl kommen mögen, aus welchem See, Fluß, Meer oder Ozean sie vielleicht verdampft und wie weit sie wohl schon in den Wolken um die Erde gereist sind. Ich sehe, wie sich die Umgebung in ihnen spiegelt und gleichzeitig sehe ich in sie hinein, sehe Bilder von Dir, die aus Worten gewoben sind. Es ist gleichzeitig Tag und auch Nacht, hier und dort, zwei Welten, durch einen einzigen Tropfen Wasser miteinander verbunden. Ich laufe durch den Regen zurück nach Hause und lächle.

Holding you still
Resting
Close to the tip
Bedning

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8 Kommentare

  1. Ich sag nur eins: toller Text und tolle Bilder!

    Lg Peter

    1. Das zu hören, freut mich wirklich sehr. Vielen Dank, Peter, und einen ganz lieben Gruß zurück.

      Viola

  2. Kann mich Peter auch nur anschließen! Du schreibst immer so wahnsinnig schöne Texte, die Deinen Bilder umso schöner in Szene setzen 🙂 Ganz lieben Knuddler!

    1. Danke Süße 🙂 Weißt Du, ich freu mich immer ganz besonders, wenn jemandem der Text gefällt, denn ich habe den Blog ja damals angefangen, weil ich schreiben wollte. Die Bilder sind erst nach und nach dazu gekommen. So langsame spiele ich mich wohl ein und zur Zeit kommen gerade sehr viele gute Impulse aus verschiedenen Richtungen. Drück Dich ganz dolle zurück.

  3. oh wie schön! wunderbare bilder und wieder einmal ein großer text! gab es einen speziellen anlass?

    1. Dankeschön. Ja, es gab in den vergangenen Tagen ein paar besondere Momente, aus denen Bilder und Worte entstanden sind. Eine sehr spannende, bewegende und inspirierende Zeit momentan, mit vielen neuen Menschen und Eindrücken, die ich beinahe nicht schnell genug verarbeiten kann.

      1. oooh das ist ja schön! das freut mich total, dass sich da mal wieder etwas positives tut!!

  4. […] überlegt und mich dafür entschieden, einfach den Stil der ersten Tropfenbilder aus dem Beitrag Im Sommerregen, der im August vor 3 Jahren entstanden ist, zu übernehmen und ggf. noch ein wenig an die etwas […]

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