When art is made

Durch den Feiertag gestern und einen freien Tag heute bin ich bereits mitten im langen Wochenende angekommen, ein Wochenende, für das ich letztendlich doch keine Reisepläne gemacht habe, weil ich einfach zu müde bin und auch noch ein bißchen über den gestrichenen Urlaub schmolle. Andererseits tummeln sich auf meiner mittlerweile proppenvollen Festplatte noch so viele Bilder aus den letzten Wochen, die schon ganz ungeduldig auf ihren Auftritt warten und Angst haben, bei all den neuen Bildern, die zur Zeit entstehen eventuell vergessen zu werden. Es gibt noch so vieles, was ich euch gerne erzählen möchte, über die Dinge, die ich gesehen und die Menschen, die ich getroffen habe, aber an manchen Tagen haben es die Worte nicht leicht, genügend Zeit für sich zu beantragen. Und auch jetzt schweifen meinen Gedanken immer wieder ab, fällt mein Blick auf das Schauspiel aus Licht und Schatten, das an der gegenüberliegenden Häuserwand stattfindet und ich würde doch eigentlich ganz gerne noch ein bißchen nach draußen, um neue Momente einzufangen. Doch ein bißchen muß dieser Herbsttag noch auf mich warten, nur ein paar weitere Minuten, eine Stunde vielleicht, die ich noch zum Schreiben dieser Zeilen brauche.

Ich denke zurück an einen warmen Samstagnachmittag vor zwei Wochen, den vorletzten Tag des 40 Grad Urban Art Festivals, als ich im Rahmen der abschließenden Ausstellung dem in Düsseldorf lebenden Künstler Yann Mathé alias L.E.T. (Les Enfants Terribles) bei der Arbeit an einem großen Stencil zuschauen durfte. Im März diesen Jahres habe ich hier schon einmal exklusiv über ihn geschrieben und einige Bilder seiner hier in der Stadt zu sehenden Werke gezeigt. In der Zwischenzeit sind noch einige neue Sachen dazu gekommen, doch die zeige ich euch ein anderes Mal, denn heute geht es eher darum, ein paar kleine Einblicke in den Entstehungsprozess eines einzelnen Bildes zu geben, auch wenn ich das Sprühen der ersten Konturen und das Ausfüllen mit Farbe verpaßt habe und erst dazu gekommen bin, als die obersten Schichten und Feinheiten hinzugefügt wurden. Das Gute daran war jedoch, dass L.E.T. die Leinwand dafür von der Wand abgenommen und auf dem Boden ausgebreitet hat, denn so konnten wir zum einen etwas entspannter miteinander plaudern und zum anderen ergaben sich dadurch auch viel mehr Perspektiven.

Um ehrlich zu sein, so faszinierend und schön ich es finde, dabei zuzusehen, wie direkt vor meinen Augen, Farbschicht für Farbschicht, solche Kunstwerke entstehen zu sehen, so waren es an diesem Nachmittag vor allem die Begegnungen und zum Teil überraschend persönlichen Gespräche mit den Künstlern, die den stärksten Eindruck bei mir hinterlassen haben. Natürlich gibt es viele großartige und talentierte Künstler dort draußen, die ganz wunderbare Werke erschaffen, doch nur ein paar wenige unter ihnen erreichen und berühren mich auch tatsächlich damit, ermöglichen es mir, einen direkten Bezug herzustellen und vielleicht auch einen winzigen Teil von mir darin wiederzufinden. Ich liebe einfach diese Augenblicke, wenn ich ein bestimmtes Bild sehe und dabei sofort ein vertrautes Gefühl habe. Wenn ich denke: ‚Oh ja. Ich weiß ganz genau, wie das gemeint ist/ wie sich das anfühlt.‘  Wenn ein Fremder etwas, das ich selbst kenne, erfahren oder erlebt habe, zu visualisieren vermag und dadurch auf einmal ein Stückchen vertraut wird. Es gibt viele Bilder von L.E.T., bei denen ich dieses Gefühl habe und vielleicht ist das auch der Grund, warum dieses Mal das Kunstwerk ein wenig in den Hintergrund getreten ist und relativ viele Porträts des Künstlers entstanden sind. Vielleicht war es ein bißchen die Neugier, ein Versuch des Begreifens, vielleicht lag es auch einfach nur daran, dass es so viele, für mich perfekte, Porträtmomente gab. Denn obwohl er wußte, dass er fotografiert wurde, gab es in der ganzen Zeit keine gestellten Szenen, keinen einzigen schwierigen Moment, alles war irgendwie im Fluß. Er hat gemalt, ich habe gesehen. Schön war’s.

Teile diesen Beitrag:

2 Replies to “When art is made”

  1. Das habe ich noch nicht gelesen (ich brauche Zeit für diese Übungen!) aber die Fotos gefallen mir sehr gut!
    robert
    PS: ich werde es in nächsten Tagen lesen!

    1. Das freut mich sehr Robert. Es war ein tolles Erlebnis für mich, den Künstler mit der Kamera bei der Arbeit zu beobachten.

Wenn Du auch etwas dazu sagen möchtest...