Dark drops

Noch immer sitze ich im gleißenden Licht der Neonröhren und weil außer mir inzwischen niemand anderes mehr hier ist, höre ich das leise Rauschen der Stadt dort draußen. Sehen kann ich nur wenig, nur ein paar beleuchtete Bürofenster inmitten der Dunkelheit. Es ist noch nicht einmal 7 Uhr und alles ist schwarz. Ich erinnere mich an den Regen, der heute Mittag nur ganz leicht aus den undichten Wolken nieselte, durch seine ständige, nicht enden wollende Existenz jedoch bedrückend und alles durchdringend erschien. Wie gerne würde ich jetzt schon zu Hause auf dem Sofa liegen, in meine Lieblingsdecke gekuschelt, mit einer heißen Tasse Tee vor dem Fernseher. Vermutlich würden mir schon sehr bald die Augen zufallen, nach einem Tag an dem sich so manche Momente anfühlten, als würde ich am Rande des Wahnsinns entlang spazieren, während die Zeit in anderen unglaublich zähflüssig zu verrinnen schien und an den Kräften zehrte.

Ich bin trotzdem noch hier, weil ich ein klein wenig Angst davor habe, dass zu Hause noch immer ein hysterisch blinkendes grünes Lämpchen auf mich wartet und mir sagt, dass sowohl mein Internet als auch mein Telefon nach wie vor nicht funktionieren. Kein Anschluß unter dieser Nummer, das geht nun schon seit zwei Tagen so und da ich bisher noch keinen klärenden Anruf erhalten habe, habe ich momentan eher wenig Hoffnung was eine baldige Lösung des Problems betrifft. Vorsichtshalber habe ich daher mal ein paar Bilder mitgenommen, die sehr gut zu meiner aktuellen Stimmung und dem Wetter dort draußen passen. Sie sind eine kleine Ergänzung bzw. Weiterführung einer Serie, die ich aufgrund der Bearbeitung Dark Drops nenne, auch wenn eigentlich eher ihr Umfeld dunkel ist und die Regentropfen selbst silbrig glänzend erscheinen lassen, wie kleine Perlen, die auf die haarige Oberfläche der Blätter geheftet wurden. Durch einige von ihnen kann man noch immer hindurch sehen und erkennen, was darunter liegt, über andere hingegen scheint ein Schleier zu liegen. Vielleicht ist es nur der Blickwinkel, die Perspektive, die verhüllt, vielleicht ist es auch das Verstummen der Worte. Und so wie die Tropfen sich irgendwann wieder in für uns nicht sichtbare Bestandteile auflösen und verschwinden, so geraten auch all die längst gesagten Worte nach und nach in Vergessenheit. Bis zu dem Moment, an dem etwas ganz neues entsteht, aus dem nichts. Irgendwann. Vielleicht.

Nestled in the darkBig drop
Pearl string

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4 Replies to “Dark drops”

  1. ein stilles sternchen für diesen beitrag.

  2. Wunderbare Beitrag mit wunderbaren Tropfen.. 😉

    1. Freut mich, dass sie Dir gefallen, Heiko. Vielen Dank, auch für’s vorbei schauen 🙂

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