Oberflächlich

Ein freier Tag mitten in der Woche. Einfach nur so, weil es nötig und ausnahmsweise auch mal möglich war. Eine kleine Pause mitten im Alltag, ein paar Stunden Nichtstun, Erholung von drei teilweise schlaflosen Nächten und einer noch immer etwas schwer begreiflichen Rastlosigkeit. Mittendrin kommen sie immer wieder, diese kleinen, kurzen Momente des Innehaltens, die Sehnsucht nach dem Stillstand von Raum und Zeit, doch die Stille ist niemals von Dauer. Sie wird durchbrochen von den Geräuschen der Welt draußen vor dem Fenster, dem Brummen der Autos und dem Rauschen des Windes, und durchdrungen von hallenden Schritten, schallenden Worten und dem immer wiederkehrenden Lachen auf der anderen Seite der Wand, mal neben und mal über mir. Und auch wenn ich versuche, mich zurück zu ziehen von einem Teil der virtuellen und auch der realen Welt, einem Teil, der viel zu kurz existiert, um damit verbunden zu sein, erscheint es manchmal schwer, sich daran zu erinnern, was vorher an dessen Stelle stand. Eine Lösung gibt es ganz sicher und auch einen Weg, der sich leichter und mit Freude beschreiten läßt. Ein Weg, an dessen Rand es Bilder zu finden gilt, die für mich etwas bedeuten oder zumindest einen kleinen Teil meiner Welt reflektieren. Manchmal erzählen sie ihre eigenen Geschichten oder lassen Raum für eigene Interpretationen, manchmal sind es vielleicht eher die begleitenden Worte, die den Blick auf etwas Alltägliches verändern können.

Ich könnte über die vielen Wassertropfen schreiben, die jeden Morgen auf den weißen Fliesen in meinem Badezimmer Wettrennen miteinander veranstalten. Jedes Mal hinterlassen sie winzige, weiße Kalkspuren zurück, die mich an sie erinnern und das, obwohl ich sie doch schon bald wiedersehen werde, an jedem einzelnen Tag. Ich könnte auch darüber schreiben, wie sich der Vorhang in meinem Schlafzimmer anfühlt, wenn ich ihn für einen kurzen Moment zur Seite schiebe, um das den Raum verdunkelnde Rollo hochzuziehen. In einem anderen Leben, an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit war er mal ein Kleid und ich eine Prinzessin im Herbst. Ich könnte euch auch davon erzählen, wie ich immer und immer wieder meinen Malkreisel über das Papier tanzen ließ, um eine kleine Spirale zu erschaffen und davon, wie oft er  mir dabei aus der Hand gerutscht oder auch einfach nur umgefallen ist. Am Ende sitze ich schließlich da und blicke auf ein Stückchen Treibholz in meinen Händen, das wie die vielen Scherben von buntem Glas, die leeren Muschelschalen und auch all die kleinen, runden Steinchen an einem Strand angespült und von mir aufgesammelt wurde. Ich weiß nicht, woher es stammt, wie lange oder wie weit es von den Wellen getragen wurde, ganz allein die zum Teil geglättete und zum Teil aufgesplitterte Oberfläche erzählt von dieser ungewissen Reise, die in dem Moment zu Ende war, als es gefunden wurde. Vielleicht hat aber in diesem Moment auch einfach nur eine andere Reise, eine neue Geschichte begonnen. Manchmal ist ein Bild nur ein Bild, manchmal kann es jedoch viel mehr sein als das. Das Ende eines Gedankens, Ausdruck eines Gefühl, Verwirklichung einer Idee, das festhalten eines Augenblicks oder der Anfang einer Geschichte. Wir sind es, die wählen.

Hanging on
The Fabric of Time
Spinning around
What's left behind

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4 Replies to “Oberflächlich”

  1. ich kann hier grade nicht mehr als stille sternchen verteilen.

    1. Und ich lächle hier ganz still vor mich hin und sage Dankeschön.

  2. und ich würde gerne noch ein paar hinzufügen,
    damit sich dein Sternenhimmel wieder füllt
    und du ein bisschen von dem Glanz siehst,
    den deine Worte bei anderen wecken.

    1. Ich danke Dir. Den Himmel mit Glanz zu füllen und zum Leuchten zu bringen, ist oftmals viel leichter als die Tiefe zu finden, nach der ich suche. Meistens ist sie nur eine Illusion und nicht von Dauer.

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