Monkey Business

Er ist inzwischen schon ein paar Wochen her, mein kurzer Besuch in unserer Hauptstadt, und mit Ausnahme von 2 Bildern, die an den letzten beiden Tagen des Alphabet-Projektes entstanden sind, habe ich noch gar keine Bilder aus Berlin gezeigt und mich auch mit Worten zurück gehalten. Das lag zum Teil daran, dass mir viele andere Sachen dazwischen gekommen sind, aber auch daran, dass ich vergleichsweise wenig Bilder von dieser Reise mitgebracht habe. Obwohl ich ein paar tolle Momente erlebt, neue Eindrücke gesammelt und alte Erinnerungen aufgefrischt habe, war es gar nicht so leicht, diese in Bildern festzuhalten und an einen Teil des Materials habe ich mich auch noch immer nicht heran getraut. Für heute Abend hatte ich mir vorgenommen, zumindest einen kleinen und besonderen Augenblick in der großen Stadt mit euch zu teilen und wie schon in zwei früheren Beiträgen in diesem Jahr geht es dabei wieder um meine Lieblingskünstler Herakut. Die beiden haben nämlich endlich auch eine freie Wand in Berlin gefunden und dort Ende September ein weiteres Motiv für ihr Giant Storybook Project gemalt, die nunmehr vierzehnte Seite eines Buches, dass auf den Wänden der Welt nach und nach Gestalt annimmt. Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, es mit eigenen Augen zu sehen und so führte mich mein Weg am Samstag morgen als erstes nach Berlin Friedrichshain.

Ich muß noch immer ein wenig schmunzeln, wenn ich daran denke, denn irgendwie scheinen diese Erkundungstouren, meine ganz persönlichen Herakutmomente, immer ganz ähnlich abzulaufen. Ich laufe die Straße entlang, durch eine mir unbekannte Gegend, schaue abwechselnd auf die den Weg weisende Karte und die Gebäude um mich herum in der Gewissheit, dass mein Ziel bereits zum Greifen nah sein muß. Und auch wenn ich vorher schon Fotos davon gesehen habe, wie bei all den anderen Bildern auch, ist der erste flüchtige Blick auf das Original immer ein besonderer Moment, vielleicht ist es auch einfach nur ein Gefühl des Ankommens. Ein wenig später stand ich dann also vor dem riesigen Affen und fragte mich, wie ich nur auf die Idee gekommen bin, dass ich für die Reise weder ein Weitwinkel- noch ein Teleobjektiv brauchen würde. Nun ja, sich über etwas zu ärgern, dass sich nicht ändern läßt, bringt bekanntermaßen nicht besonders viel und so nimmt man halt, was man hat und tut, was man kann während einem herumstreunende Spaziergänger leicht amüsierte Blicke zuwerfen. Was das Motiv selbst angeht, bin ich zur Zeit noch immer ein wenig unschlüssig, an welche Stelle der Geschichte es hinein paßt, die Botschaft ‚Monkey See, Monkey Do‘ darin beschreibt jedoch ziemlich gut ein paar Dinge, die mich selbst gerade wieder beschäftigen. Etwas zu tun, ohne es zu verstehen. Nachzuahmen, was andere machen, auch wenn man es von sich so nicht machen würde. Das passiert manchmal schneller als man denkt. Dabei muß ich nicht um schlechte Dinge gehen, oft ist eher das Gegenteil der Fall, man läßt mich von scheinbarer Freundlichkeit und Vertraulichkeit mitreißen, paßt sich an und schwimmt auf der Welle der Euphorie mit. Das kann eine Weile funktionieren. Bis zu dem Moment, in dem man erkennt, was davon wirklich echt ist und dauerhaft Bestand haben kann.



PS: Wie ich heute erfahren habe, wird es zum Jahresende tatsächlich auch noch eine Herakut-Ausstellung in Deutschland geben. Nachdem ihre Arbeiten in den vergangenen Monaten bereits in den Galerien von Melbourne, Shanghai und San Francisco zu sehen waren, eröffnet am 23. November in der Münchener Galerie muca ihre größte Einzelausstellung in diesem Jahr. Wenn ich es richtig verstanden habe, wird die Ausstellung bis zum 18. Januar zu sehen sein und ich brauche vermutlich nicht extra zu erwähnen, dass ich mir bereits Gedanken über potentielle Termine für einen Wochenendtrip nach Bayern gemacht habe.

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