Die dunkle Seite einer Leica

In der vergangenen Woche hatte ich auf meiner Erkundungsreise durch die Welt der analogen Fotografie eine neue, wenn auch nur vorübergehende Begleitung, eine Leica CM. Ihr Besitzer hat sie mir für ein paar Tests zu Verfügung gestellt, da sie bei den letzten Aufnahmen, die er vor einer ganzen Weile gemacht hat, nicht mehr wie gewohnt funktioniert hat und er gerne wissen wollte, ob es nur am Film gelegen hat oder vielleicht doch etwas mit der Kamera nicht in Ordnung ist. Zu einem solchen Angebot sage ich natürlich nicht Nein, erst recht nicht bei einer so wunderschönen Leica, und als ich die Kleine schließlich in den Händen hielt, war ich ziemlich angetan von ihrer Erscheinung und konnte es kaum erwarten, mit ihr nach draußen zu gehen.

Frisch beladen mit einem Agfa 100 APX hat sie mich gleich am nächsten Tag bei einem Einkaufsbummel in der Stadt begleitet, außerdem durfte sie mit auf die Bootsmesse und schließlich noch am späten Sonntagnachmittag kurz mit mir um die Häuser der Nachbarschaft ziehen, damit ich den Film am nächsten Tag ins Labor bringen konnte. Gleichzeitig habe ich noch einen anderen Schwarz/Weiss-Film aus meiner Nikon abgegeben, den ich damals im Oktober in Berlin angefangen und erst kürzlich zu Ende geknipst habe. Als ich die fertig entwickelten Negative am nächsten Tag abgeholt habe, reichte schon ein kurzer Blick aus um den Verdacht des Besitzers zu bestätigen, dass mit der Kamera tatsächlich etwas nicht stimmt. Obwohl die Lichtbedingungen bei meinen Tests keineswegs ungewöhnlich oder besonders schwierig gewesen sind, waren alle Bilder viel zu dunkel, also offensichtlich unterbelichtet, und man konnte nur auf etwa der Hälfte des Films überhaupt etwas erkennen. Ein paar der am vergangenen Wochenende entstandenen und vergleichsweise düsteren Aufnahmen seht ihr hier.

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Ich muss auch noch dazu sagen, dass ich die Bedienung der Kamera sehr gewöhnungsbedürftig finde und mit dem Messsucher nicht wirklich gut zurecht gekommen bin. Die Kamera funktioniert im Grunde komplett automatisch und macht so gut wie keine Geräusche, man hört höchstens ein leises Zurren, so dass ich oft nicht sicher war, ob nun tatsächlich ein Bild gemacht wurde und auf den Zähler schauen mußte. Man hat zwar die Möglichkeit, die Entfernung manuell einzustellen und auch die Blende vorzuwählen, nicht jedoch die Belichtungszeit. Bei meiner digitalen SLR stört es mich nicht, die Kontrolle auch mal abzugeben und Blende, Belichtungszeit und ISO automatisch wählen zu lassen, da sehe ich allerdings auch sofort, ob auf diese Einstellungen Verlass ist und das Bild so aussieht, wie ich es mir vorstelle. Analog funktioniert das so leider nicht, bisher bin ich aber meistens gut zurecht gekommen, egal ob nun mit meiner SLR oder einer einfachen Einwegkamera. Nur mit der Leica sollte es wohl nicht sein.

Bevor ich die Kamera morgen zurück gebe, wollte ich zumindest noch einen zweiten Test machen und habe gestern einen weiteren Schwarz/Weiss-Film vollgeknipst, dieses Mal jedoch mit ISO 400 und absichtlicher Überbelichtung. Ob die Ergebnisse besser aussehen, wird sich in ein paar Tagen zeigen. Was die Leica CM und mich angeht, wird es wohl bei diesen zwei Filmrollen bleiben, wir klicken einfach nicht so recht miteinander und die Tatsache, dass man mit ihr keine Doppelbelichtungen machen kann, weil der Film automatisch vorgespult wird, ist für mich sowieso ein absolutes k.o.-Kriterium.

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3 Replies to “Die dunkle Seite einer Leica”

  1. ohje, die arme leica! die bilder haben einen charme, aber sind wohl nicht das, was man beabsichtigt hat zu fotografieren. für die fotos mit viel struktur hat es jedoch durchaus eine interessante wirkung.

    1. Ja, ist wirklich schade um die Kleine. Wir haben heute mal kurz geschaut, ob man sie eventuell zur Reparatur einschicken kann, aber laut Angabe von Leica gibt es wohl keine Ersatzteile mehr für sie. Als meine Nikon kaputt war, hab ich noch echt Glück gehabt, aber mir wurde auch gesagt, dass in Zukunft keine Reparaturen mehr möglich sind. Ist hakt das Risiko mit diesen alten Schmuckstücken.

      Ich mag die düstere Stimmung eigentlich auch ganz gerne, die Motivauswahl war aber wieder mal sehr eingeschränkt. Gestern hab ich die komplette Rolle auf dem 10 Minutenweg zum Bahnhof vollgeknipst, das bedeutet u.a. Bilder von Pfützen und einem Kaninchenbau 🙂

      1. ja da kann man leider gar nix machen, wenn die dinger ein gewisses alter haben wird es schwierig bzw. steht halt der effektive wert in keiner relation zum persönlichen 🙁

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