Eine Holga sieht rot

Ich weiß, dass ich bereits vor ein paar Tagen ein paar blumige Frühlingsbilder in Aussicht gestellt habe, doch so recht bin ich gerade nicht in Stimmung dafür. Stattdessen gibt es heute erst mal wieder etwas aus dem Bereich ‚Analoge Experimente‘, denn ich war am vergangenen Freitag endlich im Fotolabor, um die letzten Testfilme aus meiner Holga GCFN abzugeben. Die Kamera hatte ich mir zu Weihnachten geschenkt und nach einem ersten, fehlgeschlagenen Testlauf mit einem Diafilm im Januar, war ich vor ein paar Wochen noch einmal mit ihr unterwegs. Wobei man eigentlich gar nicht wirklich von ‚unterwegs‘ sprechen kann, denn die meisten Aufnahmen habe in der Nähe unseres Büros gemacht, zu sehen sind also wieder einmal die üblichen Verdächtigen, Häuser, Bäume, Wolken und ausnahmsweise mal ein U-Bahnschild. Benutzt habe ich einen meiner Lieblingsfilme, den Lomography Redscale XR 50-200, da es schon eine ganze Weile her war und ich erst kürzlich meine Filmvorräte aufgefrischt habe. Der variable Belichtungsspielraum dieses Filmes bietet einem prinzipiell die Möglichkeit, durch Veränderungen der ISO-Einstellung unterschiedliche Farbeffekte zu erzielen, vom warmen, leuchtenden Rot/Orange bis hin zu kühleren Blau/Grün. Mit einer einfachen Kamera wie der Holga läßt sich jedoch nicht viel einstellen und so entstehen die unterschiedlichen Farbschattierungen in Abhängigkeit vom verfügbaren Licht, was man an den ausgewählten, zu verschiedenen Zeiten entstandenen Bildern ganz gut erkennen kann. Doppelbelichtungen haben anscheinend keinen Einfluss auf dieTiefe des Rottons.

Slightly shifted Same same but different
In front of the door Underground above
Somewhere in the light IMG_20140414_0008s
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Auch wenn ich die ersten Ergebnisse ganz nett finde, muss ich zugeben, dass ich mir von der in diesem Modell verbauten Glaslinse doch etwas mehr versprochen habe, vielleicht bin ich auch nur zu schusselig, um die wenigen Einstellungsmöglichkeiten ordentlich zu nutzen. Im Vergleich zur DianaF+ fällt die Holga etwas größer und klobiger aus, wirklich schwer ist sie aber dennoch nicht und macht sich in der Tasche kaum bemerkbar. Schwieriger fand ich allerdings die Bildkomposition, da der Sucher nicht über der Linse liegt, sondern seitlich versetzt ist, ich kann mich im Eifer des Gefechts einfach schlecht in sowas hinein denken und den Bildausschnitt nicht entsprechend korrigieren. Mit dem eingebauten 4 Farben-Blitz kann ich auch nicht so recht etwas anfangen, da ich digital nie mit Blitz fotografiere, weswegen auch der Aufsteckblitz der DianaF+ bisher noch ungenutzt irgendwo in einer Schublade liegt. Ich finde das Mittelformat nach wie vor sehr spannend und würde gerne noch mehr damit herumexperimentieren, aber mit diesen beiden Kameras macht mir das Fotografieren nicht wirklich Spass, es passt vom Gefühl irgendwie nicht oder auch einfach nur zu selten. Seit ein paar Wochen liebäugle ich mit einer Rolleiflex, die ist zwar alles andere als ein Leichtgewicht, aber vielleicht wird ja trotzdem irgendwann mal was aus uns.

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11 Replies to “Eine Holga sieht rot”

  1. Spannend, wie man mit dem Rotton spielen kann! Mir gefallen deine Ergebnisse sehr, auch wenn du selbst nicht ganz zufrieden bist. Dein Gefühl mit der Diana und der Holga kann ich gut nachvollziehen, deshalb griff ich zur alten Hasselblad. Klar, das Gewicht ist enorm, dafür ist das Fotografieren einfach ne Wucht und macht viel Spaß. Eine Rolleiflex ist sicher auch toll. Mit Blitz kann ich ebenso wenig anfangen wie du und richte mich immer nach den natürlichen Lichtgegebenheiten.
    Weiterhin viel Spaß beim Experimentieren!
    LG, Anette

    1. Vielen Dank, Anette. Ich denke mir halt manchmal, dass es ein bisschen langweilig ist, wenn ich immer nur die gleichen Sachen knipse, weil ich einfach zu wenig Zeit für größere Touren habe. Aber die Rottöne und Doppelbelichtungen mag ich natürlich trotzdem sehr gerne. Ich glaube, mein allererster Mittelformatfilm aus der Diana, vor etwa 2 Jahren, war auch ein Redscale. Nach einer Hasselblad habe ich mich auch schon umgeschaut, die sind allerdings noch etwas schwieriger zu kriegen als eine Rolleiflex und irgendwie mag ich das zweiäugige. Vielleicht hilft mir das größere Gewicht auch dabei, auch analog etwas gezielter auf Motivsuche zu gehen und eben nicht nur mal eben nebenbei einen Film voll zu knipsen. Ich werde jetzt auf jeden Fall etwas häufiger bei Ebay Ausschau halten. Und über Ostern nehme ich die kleine TLR mit in die Heimat, auch wenn da nur 35 mm Filme reinpassen. Die Zeit des Mittelformats wird noch kommen 🙂
      Sei ganz lieb gegrüßt,
      Viola

  2. mir gefallen die ausschnitte der standardartisten auch wenn ich deinen groll etwas verstehen kann und fotografie soll doch schlussendlich endlich spaß machen

    1. Das freut mich sehr zu hören, Christian. Ich mag sie ja auch ganz gerne, hatte nur etwas andere Erwartungen an die Kamera bzw. die Glaslinse. Vielleicht probiere ich es bei Gelegenheit noch mal mit ihr 🙂

  3. das flair gefällt mir trotzdem sehr gut! ich versteh dich aber, wenn man mit dem ergebnis nicht rechnen kann sondern alles ein überraschungsei ist, dann ist es einfach ein zu teurer und aufwändiger spaß. in serie gefällt mir das ergebnis trotzdem.
    eine rolleiflex? hach! die finde ich ja auch toll!
    wir haben gestern den film von der goerz-box zum entwickeln gebracht, ich hoffe, ich komme am freitag dazu, ihn rechtzeitig abzuholen. da bin ich auch schon gespannt, ob das überhaupt was geworden ist.

    1. Dankeschön. So ganz in rot ist es halt mal wieder ein bisschen was anderes und ich glaube, die Holga erzeugt auch eine größere Vignette. Manchmal mag ich die Überraschungen, gerade bei Doppelbelichtungen weiß man ja nie so recht, was man bekommt. Andererseits bin ich halt auch ein bisschen digital verwöhnt und finde es schwierig bei manchen Motiven, wenn das, was ich einfangen wollte, vielleicht nicht ganz drauf ist. Mit der kleinen selbstgebauten TLR konnte ich ja schon so ein wenig Rolleiflex-Flair schnuppern, vielleicht wird es nun also das Original. Oder eine Hasselblad, falls ich eine günstige finde. Ich habe hier noch so viele 120 Filme in meiner Kiste, die schreien förmlich danach, belichtet zu werden.

      Ich habe mich ja etwas gewundert, als Du von Freitag geschrieben hast, bei uns ist ja morgen Feiertag und alle Geschäfte sind zu. Es bleibt also spannend mit der Boxkamera. Ein paar Bilder sind bestimmt was geworden. Ich schussele ja manchmal rum und vergesse den Deckel abzunehmen oder spule weiter ohne ein Bild zu machen, das ist bei einem Film mit nur 12 Aufnahmen schon etwas blöd 🙂

      1. ja das kann ich gut verstehen. als ich letztens mit der nikon doppel belichtet habe, war der ausschuss auch enorm. habe zwar zwischendurch dann mal verstanden, wie die kamera arbeitet, es aber mittlerweile auch schon wieder vergessen und ich finds enorm schwer, da ein bisschen ein kontrolliertes ergebnis zu erlangen.

        eine hasselblad? wahnsinn! die musst du aber irgendwann dann mal nach wien bringen, damit ich sie anfassen kann 🙂 hab gestern interessehalber geschaut – die rolleiflex kriegt man ja nicht grade nachgeworfen…

        bei uns leider nicht – die römisch-katholischen haben da kein glück 😉
        das stimmt. ich weiß gar nicht, ob wir in der bedienung alles richtig gemacht haben. also mal sehen, ich weiß auch grad gar nicht, wo die bestellbestätigung ist O_o

  4. Ich finde dass deine Holga Bilder sehr interessanten. Redscale Films habe ich nie versucht, aber jetzt habe ich Lust ihn zu versuchen. Meine Holga habe ich seit lange nicht verbraucht und ein bisschen „Analoge Experimente“ im Frühling ist eine gute Idee. Man muss sich erneuen! Ich fotografiere oft mit meinem Rolleiflex (wirklich war meine Vaters Rolleiflex!) und ist eine tolle Erfahrung, besonders mit Farbfilm (Fuji Pro 400H @ 200 iso): ich glaube dass dir auch die Rollei gefallen wird!
    robert
    PS: ich wünsche dir ein gutes Ostern zu verbringen!

    1. Danke Robert, es ist wirklich ein toller Film, vor allem, wenn man warme Rottöne mag. Die beste Zeit sind besonders sonnige Tage im Frühling und Sommer. Da es inzwischen auf wieder viel länger hell ist, bleibt umso mehr Zeit für analoge Experimente. Von Fuji und Kodak habe ich noch ein paar abgelaufene Filme, die hebe ich mir auf jeden Fall auf für die Rolleiflex, auf die ich schon sehr gespannt bin. Ist ja toll, dass Deine vorher Deinem Vater gehört hat. Ist bestimmt ein gutes Gefühl, damit heute noch unterwegs zu sein.

      Ich wünsche Dir ebenfalls schöne Osterfeiertage mit ganz viel Sonne.
      Liebe Grüße,
      Viola

  5. Ich weiß was du bezüglich der Lomos meinst, meine La sardina macht ja auch nicht immer was ich will… Also was ich an der La sardina wirklich super finde ist die „Partytauglichkeit“ ,und da narürlich mit Blitz (meistens gelb), nur leider sind die Fotos nicht immer öffentlichkeittauglich 😉 .
    Eine Rolleiflex… sicher eine gute Wahl, fehlt mir aber noch in meiner „Garage“. Wenn doch eine Hasselblad wird dann nimm dir auf alle Fälle eine aus der 500 Serie (500,500c,500c/m,503cx) von den anderen (el,2000,200) würd ich eher die Finger lassen.
    Lg Peter

    1. Das mit der Partytauglichkeit kann ich mir gut vorstellen, dafür eignet sich die Holga bestimmt auch prima. Das ist zwar nicht so mein fotografischer Tummelplatz, aber vielleicht porbiere ich es mal im Sommer auf einer Hochzeit, zu der ich eingeladen bin. Ist vielleicht ein nettes kleines Extra für das Brautpaar, auch wenn wahrscheinlich viele Fotos mit ihren Handys machen 🙂

      Danke für den Typ mit der Hasselblad, ich werde es bei meiner Suche im Hinterkopf behalten. Mal sehen, was sich so bei Ebay finden lässt und wie lange ich es noch ohne grosse Mittelformatkamera aushalte. Auf der Photokina im September kann man bestimmt wieder ein paar schöne alte Modelle anschauen, das ist auch recht spannend. Ich hab neulich mal ein Kickstarterprojekt für einen TLR modellbausatz gesehen, deutlich grösser und professioneller als mein Weihnachtsgeschenk. Vielleicht wäre das ja noch eine Alternative, ich muss da nochmal etwas rum schauen 🙂
      Liebe Grüsse zurück,
      Viola

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