Standing out from the crowd

Beinahe 2 Wochen waren nun schon vergangen seit ich zum letzten Mal das so vertraute Geräusch vernommen habe, das der kleine Spiegel in meiner Kamera macht wenn er den Weg frei macht für das Licht und sich ein Stück der Welt vom Sensor dahinter festgehalten wird. Ich hatte einige Ideen und auch schon vor einiger Zeit geschmiedete Pläne für das erste lange Wochenende im Mai, doch am Ende fand ich mich in der hintersten weichen roten Ecke meines Wohnzimmers wieder, gefesselten von den flimmernden Bildern einer kunterbunten Scheinwelt vor den Augen und den Gedanken, ob vielleicht nur ein winziger Teil davon tatsächlich Realität sein kann, für jemanden wie mich. Ab und zu löst sich mein Blick und wandert zum Fenster gegenüber, betrachtet die Welt dort draußen und die tanzenden Schatten, verursacht von der über die Dächer hinweg scheinenden Sonne und den der Akazienbäume vor der Tür. Am späten Nachmittag des vierten Tages schaffe ich es schließlich, mich aus der Regungslosigkeit und der inzwischen eingekehrten Stille des Raumes zu lösen, packe die Kamera ein und laufe los in Richtung Park.

Es sind nur wenige Minuten bis zu diesem riesig großen Fleckchen Grün inmitten der Stadt, und dennoch finde ich den Weg dorthin viel zu selten. Nur wenige Meter von meiner Haustür entfernt entdecke ich ein paar prächtig blühende Rosenbüsche und frage mich, wann genau das eigentlich passiert ist, wie lange ich schon wieder nur auf den Boden oder auch einfach in die Leere geschaut habe. Ich laufe weiter die gepflasterten Wege entlang, über eine Ampel und dann noch eine, kurz links um die Kurve höre ich bereits den Sand unter meinen Sohlen quietschen und dann trifft es mich auch schon, das erste Blütenmeer, direkt vor meinen Füßen. Auf das eine folgen noch viele mehr und ich kann nicht anders, als vor ihnen auf die Knie zu gehen, immer und immer wieder.

Ich weiß ganz genau wie ich sie alle sehen will, einen Solisten vor dem Hintergrund der schillernden Massen, weil ich die ersten zwei Bilder dieser Serie bereits vor zwei Wochen in der Heimat gemacht habe und mich diese neuen Augenblicke im Park auch ein Stück weit einmal quer über das Land tragen. Zu den Butterblumen am Fusse des kleinen Hangs in der Nähe meines Elternhauses und dem riesigen weißen Blumenfeld auf den Wiesen des Baggersees, das ich bereits aus der Ferne entdeckt und dort zum allerersten mal gesehen habe. Die restlichen Bilder sind, in umgekehrter chronologischer Reihenfolge, Entdeckungen von meinem Sonntagabendspaziergang im Park.

Buttercup fields
White sea near the pond
Just a whisper in the wind
Picking Daisies
Enlightening purple
Cheering for the audience
A girls day out
All caught in blue

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13 Replies to “Standing out from the crowd”

  1. ganz wunderbar und vor allem in serie sehr besonders! und wirklich ein lustiger zufall, dass wir etwas so ähnliches zur gleichen zeit im kopf und im blog haben. ich freu mich auf sonntag! und hoffe, dass sich auch ein bisschen zeit für gemeinsames auslösegeräusch findet.
    diese letzte ecke des wohnzimmers, oh ja, die ist wunderbar. aber meistens hält es mich da keinen ganzen tag. immer in der angst, das leben zu versäumen, immer den drang, frische luft atmen zu müssen.

    1. Dankeschön 🙂 In der Tat ein sehr lustiger Zufall, so zeitnah passiert uns das selten. Ich denke schon, dass wir am Sonntag die Spiegel ein bißchen klappern hören werden, falls es regnen sollte, gehen wir einfach Tropfen jagen und Freelensig kann man auch bei einem Kaffee ausprobieren. Wir lassen das einfach mal auf uns zukommen. Nur noch 4 Tage 🙂

      Also ich habe in letzter Zeit sehr viel zeit auf dem Sofa verbracht und ein bißchen fällt mir der Abschied gerade etwas schwer. Aber meine Eltern haben ja genau die gleiche rote Kuschelecke, da verlagere ich meine Position quasi nur um etwa 600 km und wenn meine Mutter nicht da ist, darf der kleine Felix dort mit mir zusammen (oder auch auf mir drauf) dösen.

  2. Eine schöne, frische Serie, die die eher alltäglichen Sichten schön in Szene setzt.
    LG Michel

    1. Manchmal braucht man einfach etwas neues, frisches, auch wenn es etwas ganz alltähliches ist. Freut mich sehr, dass Dir die Serie gefällt Michel.
      Lieben Gruss zurück,
      Viola

  3. Ich liebe es deinen schönen Text dazu zu lesen, du betreibst da richtige Textmalerei…du malst förmlich mit den Worten. Dann die Fotos dazu: die sind dann das Sahnehäubchen. wirklich ein Genuss!

    1. Vielen Dank Jule. Es freut mich wirklich sehr, dass Dir auch meine Texte so gut gefallen. Ich versuche ja immer mal wieder mit der Kamera bzw. mit Licht zu malen und mit Worten natürlich auch, das ist manchmal leichter als an anderen Tagen.

    1. Das ist lieb von Dir, vielen Dank. Ich bin schon mit einem Fuss im Urlaub, werder mir bei Gelegenheit aber etwas dafür einfallen lassen.

  4. Ich finde die Blumenbilder ganz wunderbar toll! Die Storchschnäbel blühen hier bei uns allerdings noch nicht… Ganz klasse Vielfalt! Der rote „Farbklecks“ im letzten Bild ist der Sahnetupfer 😉

    1. Na, das höre ich natürlich sehr gerne Rutnie, vielen Dank. Ich hab echt überlegt, wie diese Blumen heissen als ich die Bilder auf Flickr hochgeladen habe, auf Storchschnabel bin ich allerdings nicht gekommen. Und der Marienkäfer war ein wilkommenes Geschenk der Natur nachdem ich neulich vergeblich versucht haben, ein in einer Apfelblüte steckendes Exemplar gut in Szene zu setzen.

      1. Sowas wie Blümchennamen kannst Du mich immer fragen – wenn ich es mal nicht weiß, weiß ich aber, wo ich nachschauen muss 😉

  5. Bei einigen Bildern, finde ich das „standing out“ nicht so ganz gelungen z.B. bei Bild 2 weder farblich noch so vom Fokus, das verschwimmt noch ziemlich. Bei den meisten hat es aber gut geklappt und die gefallen mir auch alle sehr gut (1,3,4,7, 8 wenn ich richtig gezählt habe) auf dem letzten ist halt der kleine Marienkäfer noch mal ein hübscher Blickfang! 🙂

    1. Ja, das stimmt, ein paar Bilder sind quasi Teil der Aufwärmphase und ich wollte sie trotzdem gerne zeigen, auch wenn sie vielleicht nicht so ganz mit dem späteren Titel konform sind. freut mich, dass Dir trotzdem ein paar der Bilder gefallen. Der Marienkäfer war natürlich ein besonderer Glücksfall.

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