Langsame Weggefährten

Nach ein paar wunderbar sommerlichen Tagen am Meer bin ich inzwischen wieder bei meinen Eltern angekommen, für einen letzen, kurzen Zwischenstop vor der Reise zurück ins Rheinland. Ich mag noch gar nicht daran denken, dass mein Urlaub nun wieder vorbei ist und ich am Montag bereits wieder im Büro sitzen werde, wo mit Sicherheit eine Menge Emails und erledigte Sachen auf mich warten werden. Manchmal vermisse ich die Studienzeit schon ein bißchen, vor allem aber wohl die wochen- bzw. monatelangen Semesterferien an deren Ende ein weiteres Jahr voller neuer Herausforderungen, Veränderungen und zu gewinnender Erkenntnisse wartete. Hausaufgaben, Testate und Prüfungen fehlen mir allerdings nicht im geringsten, davon hat man nun wirklich irgendwann genug, obwohl ich schon zugeben muss, dass es von der anderen Seite des Tisches aus betrachtet, wenn man selber prüft anstatt geprüft zu werden, eigentlich gar nicht so übel war. Doch ich schweife ab, mal wieder.

Die Bilder von heute haben rein gar nichts mit meiner Schul- oder Studienzeit zu tun, sondern sind mehr oder weniger eine Weiterführung oder auch Ergänzung zur letzten Serie vom Wiener Zentralfriedhof und mit Ausnahme der letzten zwei Aufnahmen auch alle an diesem Ort entstanden. Es fing eigentlich eher subtil, ganz unscheinbar an mit einem winzig kleinen Schneckenhaus, das ich beim Aufräumen eines Motivs auf der Unterseite eines verwelkten Blattes entdeckte. Und wie es in solchen Momenten eben oft passiert, sah ich ganz plötzlich überall Schnecken, meisten auf Steinen, aber auch im Gras und etwas versteckt unter ein paar Blättern. Zwei von ihnen erwischte ich sogar beim Liebesspiel im Efeu, das habe ich zuvor wohl auch noch nie gesehen. Die letzten beiden Bilder habe ich ein paar Tage später an einem verregneten Nachmittag bei einem Spaziergang mit dem Hund meiner Eltern gemacht. Meine Mutter hatte die dicke Weinbergschnecke mitten auf dem Weg nicht einmal bemerkt und wunderte sich, warum ich plötzlich mit der Kamera auf dem Boden herum werkelte. So läuft das eben manchmal, es gibt einfach so viel zu entdecken.

Sitting on the corner
Hidden little snail
In the Grey
Two snails in love
Soft yellow
Crossing your path
Climbing down

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12 Replies to “Langsame Weggefährten”

  1. Ganz toll! Obwohl ich zur Zeit mit den Nacktschnecken auf Kriegsfuß stehe,da sie mir sehr viele Jungpflanzen auffressen, es gab noch nie so viele Schnecken, wie dieses Frühjahr, obwohl es bei uns ja ziemlich trocken ist. Aber fotogen sind sie. lg MArlies

    1. Dankeschön Marlies. Diese hier präsentierte sich wirklich sehr schön, da musste ich einfach ein Bild machen. Ansonsten kann ich Nacktschnecken so gar nicht leiden und verstehe sehr gut, dass Du mit ihnen auf Kriegsfuss stehst. Ich habe mal gelesen, das japanische Laufenten bei solchen Plagen supereffektiv sein sollen, aber nicht jeder kann sich auch noch Enten im Garten halten. Ich drück die Daumen, dass sich die Plagegeister bald verdrücken. Liebe Grüsse, Viola

      1. Den Enten traue ich nicht so recht, wenn sie schon nicht die Blumen fressen, was ich aber befürchte, dann machen sie aber bestimmt alles platt. Als meine Hühner noch im ganzen Garten liefen, haben sie sich besonders gerne auf frisch wachsende Blumen gelegt, die waren dann hin. lg MArlies

  2. Nacktschnecken sind sooo eklig ~ die anderen sind zwar auch nicht meine Lieblingstiere, aber Nacktschnecken…brr 😀 mir gefällt vor allem das vorletzte Bild 🙂

    1. Ja, das stimmt, ich finde sie eigentlich auch total eklig, vor allem, wenn sie in gleich in Massen daherkommen, aber diese eine hier fand ich ausnahmsweise mal ganz nett, so drapiert. Das vorletzte Bild mag ich auch am liebsten. Ich war echt total überrascht, die Weinbergschnecke zu sehen, bei uns gibt es die ja nicht so häufig.

  3. Und ’nen Schneckenp*rn* gibt es auch noch zu sehen! 😀

    1. Aber natürlich. Sowas muss natürlich dokumentiert werden, zu Forschungszwecken 😉

  4. ja, die sache mit den ferien… mir geht es hier genauso. wenn man mal weiß, wie das ist, ist es schwierig, nicht dran zu denken. wobei ich eigentlich die meiste zeit (zumindest dann an der uni) die prüfungen ok gefunden hab. dann hatte ich wenigstens kein schlechtes gewissen solang frei gehabt zu haben 🙂

    die bilder mag ich wie immer sehr, meine favoriten sind eindeutig das übrig gebliebene blatt und das sehr minimalistische schneckenhaus im 3. bild. nur die nacktschnecken werden meine freunde nie werden 😉

    1. Also ein schlechtes Gewissen hatte ich trotzdem meistens, weil ich immer viel Zeit verbummelt und erst auf den letzten Drücker mit dem Lernen angefangen habe 🙂 Wenigstens braucht man das jetzt im Urlaub nicht zu haben, obwohl es manchmal schwierig ist, diesen auch wirklich arbeitsfrei zu verbringen. Dieses Mal hat’s bei mir zum Glück geklappt und der erste Tag danach war auch kein kompletter Alptraum.

      Ja, ich glaube, die Nacktschnecke hat es etwas schwer, aber ich wollte sie trotzdem zeigen. Für das Motiv mit dem Blatt hab ich wohl am längsten gebraucht, der Wind wollte es einfach immer woanders hin pusten. Die anderen Modelle waren da durchaus geduldiger und haben still gehalten 🙂

      1. ja das stimmt, das hatte ich auch. aber in den ferien hatte ich abgesehen von gegen ende beider studien wirklich immer frei und das war schon viel zeit wirklich abzuschalten. wenn ich im urlaub bin bin ich ja meistens am schiff oder sonst wo ohne dauer-internet, daher kann ich gar nicht viel zeit mit arbeit verbringen. allerdings finde ich das auch recht gut so, denn ansonsten kommt man ja gar nicht weg davon. vom ersten tag danach gruselt es mich, aber ich hab es mir so gelegt, dass es ein freitag ist – damit kann ich mich dann gleich nochmal danach erholen 🙂

  5. Wunderbare Portraits deiner Weggefährten. Toll in Szene gesetzt.

    Viele Grüße Jürgen

    1. Vielen Dank Jürgen. Auch im Namen der unbekannten Nacktschnecke 😉 Liebe Grüße, Viola

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