Once upon a time in America

Ich habe ja so ein paar ewige Projekte, die ich immer weiter vor mich hin schiebe ohne wirklich Fortschritte zu machen, weil trotz vieler Ideen und immer wider zu ihnen schweifenden Gedanken nie der richtige Zeitpunkt zu sein scheint, um sie tatsächlich in Angriff zu nehmen. Wir etwa zwei Wochen, nach einem ruhigen verregneten Tag daheim auf dem Sofa, hat es mich dann plötzlich zu später Stunde noch gepackt und ich habe endlich mal damit begonnen, die ganz alten Fotos von meiner ersten großen Amerikarundreise im Frühjahr 2008 zu sichten. Wir waren damals etwa 3 Wochen im Osten unterwegs und in dieser Zeit hatte ich mit einer geliehenen Point & Shoot Kamera etwa 1500 Aufnahmen gemacht, von denen ich nun, einige Jahre später und mit inzwischen etwas anderen Ansprüchen, im ersten Durchgang gleich mehr als die Hälfte gelöscht habe, weil sie einfach so arg schlecht und langweilig waren. Ich beschäftige mich ja im Grunde erst seit etwa 3 Jahren wirklich etwas intensiver mit der Fotografie und mache Bilder inzwischen viel bewußter bzw. gezielter, damals habe ich darüber eigentlich nicht nachgedacht und an interessanten Stellen halt einfach mal Hände hoch und die Kamera draufgehalten, das Objekt der Begierde stand damals meist im Mittelpunkt, das Drumherum genommen wie es kam, auch wenn dabei manchmal durchs Bild laufenden Menschen in zwei Hälften geschnitten wurden. Ganz oft stimmten weder Licht noch Schärfe, um das zu kontrollieren fehlte die Zeit und es gab ohnehin viel mehr Eindrücke als man überhaupt verarbeiten konnte. Und im Grunde war es auch nicht wichtig, wie gut oder schlecht die mitgebrachten Bilder waren, weil sie ohnehin nur mal kurz der Familie und ein paar Freunden gezeigt wurden und dann in der Versenkung verschwanden, wie es mit digitalen Bildern eben oft geschieht, weil man eben ganz schnell viel zu viele davon hat, um sie wirklich oft anzuschauen und die Erinnerung an besonders schöne Momente meistens auch ganz ohne ihre Hilfe ein Leben lang lebendig bleibt.

Trotz allem ließ mich der Gedanke nicht los, dass es doch ganz schön wäre zumindest einen kleinen Teil der Bilder für die Konservierung in Buchform aufzuarbeiten und so habe ich inzwischen einen Teil der nach der großen Löschaktion verbliebenen JPEG-Dateien in Lightroom ein bißchen hübscher, satter, bunter gemacht. Ein paar meiner persönlichen Highlights habe ich unten für euch zusammengestellt, diese reflektieren allerdings wirklich nur einen Bruchteil des tatsächlich Gesehenen, denn so einfach lässt sich eine mehr als 5000 km lange Route nicht zusammenfassen. Hier sind mal ganz grob die wichtigsten Orte und Sehenswürdigkeiten, nach denen wir unsere Route gestaltet haben: New York und Long Island, Philadelphia, Amish Country, Gettysburg, Washington, Skyline Drive/Shenandoah Nationalpark, Blue Ridge Parkway, Great Smoky Mountains Nationalpark, Mammoth Cave Nationalpark, Louisville, Indianapolis, Chicago, Grand Rapids, Sleeping Bear Dunes, Traverse City (Old Mission Lighthouse am 45. Breitengrad), Detroit, Great Lakes, Toronto, Niagarafälle, Fingerlakes/Syracuse, Boston und Cambridge (Harvard University und MIT), Cape Cod (Whale Watching), Providence, New Haven (Yale University), New York. Kurz vor dem Ende der Reise, als wir auf einem kleinen Boot vor der Küste Cape Cods hin und her schaukelten und Buckelwale beobachteten, hatte ich so eine Art Schlüsselerlebnis und dachte vermutlich zum allerersten Mal, dass Schnappschüsse nicht genug sind und ich mir die Fotografie zu Nutze machen möchte, um Momente genau so schön festhalten zu können, wie ich sie erlebt habe. Es hat dann zwar ein paar Jahre gedauert, bis ich tatsächlich an diesem Punkt angekommen bin, dafür ist es aber inzwischen noch so viel mehr als das für mich.

With the AmishGettysburg
Lump OverlookBlueridge ParkwayGreat Smokey MountainsSomwehere near ChicagoSleepy bear dunesValley by the seaPassing the great lakesLake ErieFlying over the fallsWhale watching

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17 Replies to “Once upon a time in America”

  1. Das ist schön geworden, was Du ausgesucht hast. Ich möchte gleich aufbrechen. Ja der Anspruch ändert sich relativ schnell, wenn man sich intensiver mit etwas beschäftigt. Aber gut ist auch zu sehen, wie weit man sich in kurzer Zeit entwickelt hat, manchmal jedenfalls! lg Marlies

    1. Danke Marlies. Freut mich sehr, dass Dir meine kleine Auswahl an Reiseerinnerungen gefällt. Ich finde es auch sehr interessant, ab und zu mal zurück zu blicken und zu sehen, was sich inzwischen alles verändert hat, die Motive, der Stil, die Sicht der Welt. In manchen Momenten würde ich zwar am liebsten ein paar meiner alten Blogbeiträge löschen, weil ich denke ‚Ach herrje, was hast Du denn da nur gemacht‘, aber ist eben auch ein Teil des Weges und ich bin gespannt, in welche Richtungen es mich in Zukunft noch so verschlägt. Liebe Grüße und eine schöne Woche, Viola

  2. Toll! Was für eine Reise und wunderschöne Impressionen, die du hier rausgesucht hast. In diesem Massenparadies an Bildern ist es sicher sehr zeitaufwendig und nicht einfach gewesen, die richtigen rauszusuchen. Und 2008 ist wirklich schon eine ganze Weile her, dafür war es sicher spannend, all die Fotos noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Ich müsste auch so einige Bilder haben, die schon dicke Staubschichten ansetzen und nicht so schnell hervorgeholt werden können oder gar vergessen sind … Mit deinem Artikel machst du mir auf jeden Fall große Lust auf eine Amerikareise 😉

    1. Oh, ist ja toll, dass ich damit ein wenig Reiselust wecken konnte und das auch ganz ohne Bilder aus den großen Städten 🙂 Nach New York wolltest Du glaube ich ohnehin noch einmal, von dort aus kann man eigentlich recht einfach ganz viele spannende Ziele erreichen, sogar ohne Auto. Es war wirklich ein sehr spannender Roadtrip damals, wir haben unglaublich viel gesehen und das, obwohl wir nur einen Fahrer dabei hatten. Ich würde so gerne mal wieder rüber, sowohl an die Ost- als auch an die Westküste, auch wenn ich beides schon gesehen habe, da ich selbst aber keinen Führerschein habe, ist es alleine eher schwierig umzusetzen. Aber vielleicht fliege ich nächstes Jahr mit einem alten Freund rüber, dann würde ich gerne auch noch nach Florida, in die Everglades.

      Mit der Bildauswahl nach langen reisen ist es eigentlich immer schwierig, aber ich fahre ja nicht so oft weg. Von dieser Reise habe ich jetzt vielleicht so 40-50 Bilder in der Endauswahl, das reicht für ein kleines Erinnungsfotobuch allemal 🙂

  3. bis dato hatte ich ja zu den sehenswürigkeiten in osten mit ausnahme der niagara falls und new york keinen bezug, mir scheint aber, als gäbe es da vielleicht doch einiges beeindruckendes zu sehen. die bilder, die du ausgewählt hast, sind jedoch wirklich schön geworden – auch wenn du aus heutiger sich die meisten motive vermutlich anders angegangen wärst.

    1. Auf jeden Fall! Die Niagarafälle sind natürlich ein riesiges Highlight, das Drumherum ist jedoch nicht so spannend. Auf der amerikanischen Seite ist vor Ort gar nichts los und die kanadische Seite ist halt Touristenhochburg mit Las Vegas Flair (Glücksspiel, Saufen und Heiraten). Landschaftlich hat mir Michigan bzw. die Gegend um die großen Seen total gut gefallen, von den Städten Chicago und Boston. Ich war damals halt auch total neuierig auf die Eliteunis, daher haben wir 3 Campustouren (Harvard, MIT, Yale) gemacht. Das ist echt eine ganz andere Welt, aber irgendwie auch lustig, weil man vieles aus dem Fernsehen kennt. Insgesamt war es ne gute Mischung aus Natur und Großstadtflair, auch das war mir wichtig. Geht im Osten etwas einfacher als im Westen und ich würd’s sofort wieder machen. Naja, vielleicht klappt’s ja nächstes Jahr mit ner Küstentour, dann aber bis runter nach Florida.

      1. öha. das ist ja auch interessant. ist die amerikanische seite weniger schön, dass dort nichts los ist? von michigan hab ich auch schon öfter gehört. und harvard und yale würde ich ja auch zu gern mal sehen.
        diese kombination ist wirklich optimal, dass hatten wir ja heuer auch. gar nicht so einfach, touren zu machen, wo man das gut kombinieren kann.

        1. Ich glaube, auf der kanadischen Seite ist es halt einfach kostengünstiger, der kanadische Dollar ist ja schwächer als der amerikanische. Die Wasserfälle liegen direkt an der Grenze und der größere, beeindruckendere Horseshoe Fall ist auf der kanadischen Seite. Wir sind damals ja von Toronto gekommen, haben uns erst alles auf der kanadischen Seite angeschaut und sind dann über die Grenze, wo auch unser Hotel war. Man kann aber auch relativ einfach von eine Seite auf die andere.

          Übrigens ist das Klima an der Ostküste vermutlich viel eher Deins als die Wüstenluft des Westens. Es gibt natürlich viel weniger Steine (sprich: Canyons), dafür aber sehr viel mehr Wasser 🙂

      2. achso ist das also 🙂 naja, sollte es denn mal soweit sein, werd ich da sicher eh noch genug rumrecherchieren. grade habe ich gesehen, dass montréal nicht sooo weit weg wäre, würde mich auch interessieren, aber… naja. momentan eh alles nur hirngespinste ^.^

        ja, das bestimmt. wobei es ja an der küste im westen auch super ist. und florida hingegen durch die hohe luftfeuchtigkeit wieder gar nicht meins ist. aber da muss man halt einfach kompromisse eingehen, wenn man was sehen will, muss man das klima dort in kauf nehmen 😉 (mal sehen, ob ich die utah/arizona-park-tour einmal angehen werde ^.^)

  4. Wirklich schöne Erinnerungsstücke!
    von einer Reise die ich auch irgendwann mal unternehmen will.

    1. Danke Heiko. Viele fahren ja lieber in den Westen, wegen der ganzen großen Nationalparks, aber ich diese Ecke im Osten wirklich sehr empfehlen.

  5. Ist immer sehr spannend sich altes Bildmaterial noch mal kritisch durchzusehen, das schöne ist immer das man den Fortschritt sieht. Ich bin auch immer überascht das da dann doch einige wenige richtig gute auch dabei sind. Und manchmal ärgere ich mich wegen der verpatzten Bilder.
    Schöne Aufnahmen hast du da gemacht! Bei meinem allerersten Floridaaufenthalt 2001 hab ich sogar noch analog mit einer Kompakten APS Nikon fotografiert… lang ists her. Ein Kumpel von mir hatte damals schon eine 3MP Digiknipse mit dabei. Ich hab mir dann das Jahr drauf auch eine gekauft mit sagenhaften 4MP 😉 .
    LG Peter

    1. Ja, das ist wirklich sehr spannend und tatsächlich manchmal etwas ärgerlich. Von dieser Reise sind zum Beispiel so gut wie alle Bilder aus den Großstädten total daneben und ich hätte schon gerne ein paar hübsche Erinnerungen aus New York, Chicago und Boston gehabt. Muss ich halt noch mal hin, vielleicht klappts es ja nächstes Jahr endlich mal wieder, dann würde ich auch gerne noch Florida mitnehmen 🙂

      Wow, das ist wirklich sehr lange her und bei 3-4 MP Kameras schmunzelt man heute schon sehr, wenn man bedenkt, dass inzwischen mehr in jedem Smartphone steckt. 2001 hatte ich, wenn ich mich recht erinnere, nur so ein kleine Handy mit 0.5 MP oder so, von der ‚richtigen‘ Fotografie war ich da noch gute 10 Jahre entfernt 🙂 Ich habe auch so gedacht, beim Bilderdurchsiften, dass ich das heutzutage vermutlich alles besser mit meinem iPhone hingekriegt hätte. Analog ist ja an sich nicht verkehrt, auch wenn’s für mich ja noch immer ein bißchen Neuland ist, aber gerade bei so großen Reisen würde ich dann doch sicherheitshalber was digitales mitnehmen, weil man doch dazu neigt, einfach alles festzuhalten. Da würden einen die Kosten für Film und Entwicklung wohl schnell arm machen 🙂

  6. Also das mit Kosten geht eigentlich so auf meinem 6 Wochen Asientrip vor 2 Jahren hab ich 30 KB-Filme verschoßen davon mehr als die hälfte in S/W (die ich selber entwickelt und gescannt hab). Was mir ein wenig Kopfzerbrechen bereitet ist da eher das die Filme doch recht viel Platz im Rucksack einnehmen. Vorallem hab ich im Herbst einen noch längeren Trip geplant, naja wird eben weniger Gewand eingepackt 😉 ….
    LG Peter

    1. Ja, daran habe ich natürlich auch gedacht 🙂 Ich könnte mich aber auf gar keinen Fall bei den Klamotten einschränken, da ist dann einfach kein Platz für Filme. Aber ihr Männer seid da ja deutlich unkomplizierter, wird schon alles klappen, irgendwie.

      Liebe Grüße und Gute Nacht, Viola

  7. What a beautiful and varied collection, I would love to travel america by cycle, the images you would get..bliss.

    1. That’s a lovely idea. Travelling by cycle should allow you to slow down much more than is possible when you do this by car so there is more time to enjoy all the wonderful things you can discover there. I’ve seen a large part of country during my first trip in 2008 during which these pictures were taken and a slightly smaller but still so very impressive part during my second trip to the West Coast in 2011. It can be exhausting, probably even more by cycle, but at the end it’s so totally worth it.

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