Spuren des Sturms

Es scheint beinahe etwas unwirklich zu sein, aber ein kleiner Blick in mein Fotoarchiv zeigt mir doch ganz deutlich dass ich in den vergangenen Tagen und Wochen, eigentlich sogar seit ziemlich genau einem Monat, so gut wie gar nicht fotografiert habe und doch ist das eigentlich nur die halbe Wahrheit. Während nämlich meine DSLR auf dem Schrank vor sich hin staubte und es nicht so schaffen wollte, mich zu irgendwelchen Erkundungen zu animieren, durfte neulich, nach wirklich sehr langer Zeit, mal wieder die Nikon FM2N mit mir auf Streifzug durch die noch immer vom Sturm etwas zerzauste Stadt gehen. Beinahe 2 Wochen habe ich dann gebraucht, um die 36 Aufnahmen des Kodak Gold 200 Films voll zu knipsen, was übrigens ein lustiges Phänomen ist, das mich auch nach mehr als einem Jahr immer noch oft in ungläubiges Staunen versetzt. Weil ich es nicht eilig hatte und für eine Rolle 35 mm Film nicht extra ins Labor laufen wollte, habe ich mich dieses Mal für die deutlich langsamere, mehrere Tage dauernde Entwicklung im nahegelegenen Drogeriemarkt entschieden und konnte die fertigen Bilder schließlich Mitte letzter Woche dort abholen.

Doch obwohl ich von den fertigen Ergebnissen sofort sehr angetan war und euch am liebsten gleich ein paar der Bilder gezeigt hätte, gab es zunächst erst noch einen kleinen Dämpfer für mich, denn ich neulich bei dem Versuch, einen Redscale-Film zu scannen, offenbar irgendwas verstellt und so wurden alle Bilder zunächst rot-orange-gelb, obwohl sie in der Vorschau ganz normal aussahen. Ich dachte echt, ich werde verrückt und hätte den Scanner am liebsten aus dem Fenster geworfen. Nach ein paar neuen Versuchen am nächsten Tag und ein bißchen Fummelei, konnte ich das Problem schließlich doch beheben und alle Negative wurden wieder mit ihren ganz normalen Farben gescannt. Als dann ein Bild nach dem anderen auf meinem Bildschirm auftauchte und ich mich daran machte, die Fussel zu entfernen und ein bißchen zu beschneiden, war all die Aufregung ganz schnell vergessen und ich lächelnd im Rausch von Farben und Bokeh versunken. Das Material von dieser einen Rolle Film zeige ich euch thematisch sortiert und auf mehrere Beiträge verteilt in den nächsten Tagen; zum Auftakt gibt es heute ein paar Bilder aus dem Hof- bzw. Volksgarten, wo selbst einige Wochen nach dem großen Sturm noch deutlich Spuren der Zerstörung zu sehen waren.

The very big chunks
Cut and stacked
No trespassing
Splintered
Totally smashed
Big hole Glass and WoodGreen and gone
Cry for help

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6 Replies to “Spuren des Sturms”

  1. das sieht ja aus wie im herbst! gruselig! trotzdem freu ich mich schon auf die kommenden fotostrecken! schön, dass du wieder analog unterwegs warst. ich hab seit ich aus dem urlaub zurück bin mit ausnahme des iphones auf keinen auslöser gedrückt :/

    1. Ja, in der Tat. Nach einigen Tagen bzw. Wochen fingen die Blätter an den umgeknickten und abgebrochenen Ästen an zu welken und gerade in den Parks wurde zunächst kaum etwas weggeräumt, die Straßen waren erstmal wichtiger. Und die ersten beiden Bilder sind eigentlich auch die letzten, da war es schon ein bißchen ordentlicher, alles schön zerlegt und am Wegesrand zur Abholung gestapelt. Der eine gefallene Baum an unserer Ecke wurde erst nach 4 Wochen abgeholt, die Wurzelballen liegen aber immer noch da, sogar mitten in der Altstadt. Ist echt noch total unwirklich, überall verstümmelte Bäume.

      Mit der Knipserei geht’s Dir ja dann ähnlich wie mir, wo Du mit dem iPhone unterwegs warst, hab ich ausnahmsweise mal analog geknipst. Es schränkt einen schon ein bißchen ein, aber ist eben auch mal wieder etwas anderes und die große Kamera kommt schon wieder früh genug zum Einsatz. Mal davon abgesehen hast Du ja auch ganz sicher noch reichlich Material aus dem Urlaub, dass Du bestimmt noch zeigen magst 🙂 Und ich werde wohl morgen auf unsere Firmenfeier ein bißchen was einfangen, es ist irgendwo auf dem Lande und dort gibt es zottelige Kühe. Ob ich analog oder digital losziehe, weiß ich jetzt aber noch nicht.

  2. Wow, da hat es ja wirklich gewütet bei euch! Tolle Aufnahmen und Farben! Ja, bis man einen 36er Film voll hat, kann es wirklich etwas dauern, aber dafür freut man sich wie verrückt auf die Ergebnisse 😉

    1. Oh ja, es war wirklich ein Riesensturm, der zwar nicht lange gedauert hat, aber enorm viel Schaden angerichtet hat. Ich staune immer noch jedes Mal, wenn ich all die verstümmelten bzw. gefallenen Bäume mitten in der Stadt sehe und an zur Rheinpromenade habe ich mich noch gar nicht wieder getraut, da soll der schaden besonders groß gewesen sein.

      Ich muss echt sagen, als ich hier neulich die gescannten Bilder gesehen habe, hatte ich fast Herzchen vor den Augen, so happy war ich. Es gibt ja immer wieder Leute, die nicht so ganz verstehen, warum jemand heute noch analog fotografiert, aber in solchen Momenten spüre ich ganz deutlich, dass es absolut die richtige Entscheidung war, diesen Weg zu gehen. Natürlich gibt es vieles, dass ich digital technisch besser hinkriegen würde, vor allem in Bezug auf die Schärfe und die Komposition, aber die Farben und mitunter auch die Textur könnte ich in Lightroom oder Photoshop so einfach nie hinkriegen. Und digitale Doppelbelichtungen sind auch nicht dasselbe. Ein Hoch auf die analoge Liebe 🙂

  3. Wow! Ganz tolle Aufnahmen sind dir da gelungen! Vor allem die 3. von den Glasscherben 🙂 bin gespannt wies weiter geht! 🙂

    1. Vielen Dank Eleni, die Glasscherbenbilder mag ich auch sehr gerne 🙂 Es geht gleich blumig weiter, bin gespannt, ob’s Dir gefällt.

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