Black and White, Water and Earth

Wieder zurück von meinem langen, musikalischen Wochenende in südlichen Gefilden stimmt mich der viel zu schnell heran gebrochene Wochenanfang doch ein wenig sehr melancholisch und die noch immer über der Stadt hängende drückende Schwüle verzerrt beinahe jedes Gefühl von Zeit und Raum. Immer wieder blicke ich etwas erstaunt auf die Uhr, nur um festzustellen, dass es tatsächlich noch gar nicht so spät ist, wie es mir in Wirklichkeit vorkommt, dabei sollte das durch die Fenster herein fallende Tageslicht eigentlich Indiz genug sein. Es ist wohl wieder einer dieser Tage, an dem sich die Zeit zwischen ein paar wenigen geplanten oder zu erwartenden Ereignissen dehnt, ein Tag, an dem man im Grunde kontinuierlich darauf wartet, das etwas bestimmtes passiert und dabei dennoch niemals wirklich still steht. In manchen Augenblicken scheint es so als wären Gefühl und Verstand zwei Seiten einer Münze, die schon vor langer Zeit geworfen wurde und sich nun unentwegt auf ihrer Kante weiter dreht ohne das es zu einer endgültigen Entscheidung kommt, vielleicht auch, weil es eben nicht nur das eine oder das andere sein kann.

Während ich hier am Fenster sitze, in dieser warmen Sommernacht, und meine Gedanken mal wieder miteinander Fangen spielen, scheint es mir ein guter Zeitpunkt zu sein, um mit ein paar weiteren analogen Schnappschüssen aus dem Hofgarten weiter zu machen, die auf gewisse Art zwei ganz verschiedene Welten symbolisieren. Nahezu am gleichen Ort, nur wenige Meter voneinander entfernt habe ich bei meinem Spaziergang neulich sowohl weiße als auch schwarze Schwäne ablichten können, was mit der 50 mm Festbrennweite meiner Nikon FM2N kein wirklich leichtes Unterfangen war. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr genau, ob ich mehr Angst davor hatte bei meinen Annäherungsversuchen ins Wasser zu fallen oder von einem wütenden, geflügelten Biest durch den Park gejagt zu werden. Zum Glück ist mir am Ende beides erspart geblieben und so ein bißchen Nervenkitzel mit Luft anhalten gehört ja manchmal auch irgendwie dazu. Das leider etwas unscharfe Bild in der Mitte soll hier einerseits zur Verbindung zwischen schwarz und weiß dienen, andererseits aber auch als kleine Vorschau auf eine Idee bzw. ein Thema geben, das mir schon seit einer ganzen Weile immer wieder im Kopf herum spukt: Minimalismus und Geradlinigkeit. Ich hoffe, dass ich in der zweiten Jahreshälfte endlich mal genug Zeit finden werde, um mich damit etwas gezielter zu auseinander zu setzen.

When you think no-one is watching
Togetherness
Drifting between black and white
Family dinner
Totally down under

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4 Replies to “Black and White, Water and Earth”

  1. der text ist mal wieder wunderbar geschrieben, er wirkt wie wolkenworte und löst ein gefühl aus, das ich nicht näher definieren kann. ich hab noch nie einen schwarzen schwan in natura gesehen 🙁

    1. Dankeschön 🙂 Ich hab mich da ein bisschen von den Bildern treiben lassen und versucht, etwas passendes zusammen zu basteln. Du hast echt noch nie einen schwarzen Schwan gesehen? Hier im Hofgarten, quasi gleich neben der Kö, trifft man eigentlich immer ein paar und sie machen sogar Babies, obwohl die ‚Kleinen‘ in meinen Bildern schon fast so groß wie die Mama oder der Papa sind. Du weißt ja, was das bedeutet: Du musst mal wieder nach Düsseldorf kommen, um Schwäne anzugucken, das ist ohnehin viel einfacher und auch dichter als direkt in ihre Heimat nach Australien zu fliegen 🙂

  2. Das glaube ich, dass das nicht einfach war. Und die Schwäne können ganz schön biestig werden, ich hatte auch mal mit einem zu tun, da war mir ganz mulmig, sie Fauchen richtig und dem langen Hals kann man schwer ausweichen. Da ist die längere Brennweite doch ein Schutz, lg MArlies

    1. Oh ja, und dabei sehen zumindest die weißen immer so unschuldig aus. Ich traue ihnen aber trotzdem nicht so recht über den Weg und fühle mich beim Vögel beobachten mit dem Teleobjektiv einfach viel sicherer. Vor ein paar Jahren haben ich mal in einem Roman gelesen, dass jemand sich bei einer Konfrontation einfach zwei lange Äste gegriffen und damit dann quasi eine größere Flügelspanne simuliert hat, um den angreifenden Schwan zu verscheuchen. Nun ja, man muss ja nicht wirklich alles ausprobieren, was man mal irgendwo gelesen hat 🙂

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