All the things she said

Als ich neulich während meiner kleinen, eigentlich eher unbeabsichtigten Reise in die Vergangenheit meine alten Aufzeichnungen nach ein paar fehlenden Puzzlestückchen durchsuchte, entdeckte ich dabei etwas, dass mich wirklich ein bisschen sprachlos gemacht hat. Am 13. Oktober 2001 schrieb ich die folgenden Zeilen in mein Therapietagebuch:

„Ich habe ständig das Gefühl, etwas schaffen zu müssen, den Bildern in meinem Kopf Gestalt zu verleihen (Bilder, Skulpturen etc.). Doch wenn ich dann tatsächlich anfangen will, geht es einfach nicht. Ich bin wie blockiert, frustriert. Ich habe außerdem festgestellt, dass es mich entspannt, wenn ich mit den Händen arbeite, wenn erst das Material da ist und ich ihm aus dem Gefühl heraus eine Form geben kann. Wenn ich in der Natur bin, dann entdecke ich ständig schöne Motive, Dinge, Formen, die mich mehr berühren als irgendein Kunstgegenstand. Vielleicht hält mich das zurück – ich weiß, ich könnte niemals etwas schaffen, dass mir so gefallen würde wie die einfachsten natürlichen Formen. Ich möchte mit dem arbeiten, was da ist, die Dinge erhalten, neu ordnen. Denke ernsthaft darüber nach, mich intensiver mit Fotografie zu beschäftigen, keine Partyschnappschüsse, sondern die wunderschöne Welt um mich herum. Ohne Plan einfach dem Gefühl, dem augenblicklichen Empfinden folgen. So viele Momente, in denen ich wünschte, ich könnte sie festhalten. Warum nicht.“

Sprachlos war ich vor allem deshalb, weil ich überhaupt nicht mehr daran erinnern konnte, dass ich es damals, ausgerechnet in dieser dunklen Zeit, so empfunden habe. Es hat dann aber noch fast 10 Jahre gedauert, bis ich mich tatsächlich ernsthaft auf Entdeckungsreise gemacht habe und dem Gefühl tatsächlich folgen konnte. Und das, was ich bisher dabei erlebt habe, fühlt sich eigentlich noch viel besser an, als ich es jemals für möglich gehalten hätte.

All the things she said

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5 Replies to “All the things she said”

  1. DAS meine liebe, ist der perfekte tropfen! wow!
    und zu den worten: ich habe auch in den letzten monaten schubladen der vergangenheit aufgeschlossen, die ich lange aus sicherheitsgründen versperrt gehalten habe. was ich gefunden habe hat mich überrascht, beruhigt, bestätigt… es ist soviel so lange in einem und manifestiert sich oft erst viel später. erinnert mich an soren kirkegaards zitat: verstehen kann man das leben nur rückwärts. leben muss man es vorwärts…

    aber ich finde es immer toll, wenn man im nachhinein dann wirklich bemerkt, dass man etwas gemacht hat, das schon lange in einem wohnt, etwas verwirklicht, das man sich vorgenommen hat…

    1. Oh, dankeschön 🙂 Freut mich ja, dass meine Tropfen hier und da noch immer auf Begeisterung stossen.

      Mit der Vergangenheit ist das immer so eine Sache. Ich habe (leider) ein sehr gutes Gedächntis und erinnere mich an Dinge, die besser vergessen werden sollten und auch könnten, da verblüffen mich solche wiedergefundenen Erinnerungen schon ein wenig. Du weisst, ich hab Dir ja mal von meinem fotografischen Aha-Erlebnis beim Whale Watching erzählt, das war 2008, also 7 Jahre nach diesem Tagebucheintrag. Ich habe hier echt gesessen und gedacht: ‚Das gibt es doch gar nicht!‘ Mit meinem Job ist es ehrlich gesagt fast ein bißchen ähnlich. Ich hatte irgendwann im Studium mal so die Vorstellung, später was in Richtung Wissenschaftsjournalismus zu machen und auch wenn’s nicht ganz zu viel mit klassischer Forschung zu tun, mache ich in meiner neuen Stelle eigentlich genau das. Und werde quasi für’s Schreiben bezahlt 🙂

      1. ich kenne das mit dem guten gedächtnis, wobei sich das bei mir eher auf erlebtes als auf gefühle erstreckt. ich erinnere mich an momentaufnahmen, aber nicht so an das alltagsleben. oder an dinge die ich „mit mir selbst“ besprochen habe. von daher halten texte, die ich wiederfinde (oder manchmal auch fotos) überraschungen bereit.

        aber unterm strich ist es auf jeden fall super, wenn man feststellt, dass man den weg gegangen ist, den man vorhatte zu gehen – und dabei auch noch halbwegs zufrieden damit ist 🙂

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