Disposable days, destroyed

Bereits Anfang Oktober habe ich mich wild entschlossen noch einmal in das Abenteuer Einwegkamera gestürzt und bin mit der Kodak Funsaver, die ich damals mal in Lübeck gekauft habe, in der Düsseldorfer Altstadt auf Entdeckungsreise gegangen. Als ich den fertig entwickelten Film dann abgeholt habe, waren die Ergebnisse leider etwas enttäuschend oder vielleicht auch ernüchternd, die meisten Motive eher farblos und langweilig, der Fokus oft viel zu sehr daneben. Obwohl ein paar Aufnahmen durchaus halbwegs passabel waren, hatte ich zunächst keine rechte Lust, die Negative zu scannen und einen Artikel dazu zu schreiben, also blieb der Umschlag erst mal auf meinem Schreibtisch liegen. Kürzlich gesellte sich dann noch ein weiterer Umschlag dazu, mit Bildern aus einer alten Nikon F-401x, die ein Kollege im Keller gefunden und mir für einen kleinen Test überlassen hatte. Auch diese Bilder konnten mich nicht so wirklich begeistern und so habe ich mich schliesslich dazu entschlossen, sie einfach für ein die Wissenschaft zu opfern und ein paar Experimente mit ihnen durchzuführen.

Ich habe in der Vergangenheit ja durchaus schon das eine oder andere Mal davon gehört, dass manche Leute recht abenteuerliche Sachen mit ihren Filmrollen anstellen, sie vor dem Entwickeln in den verschiedensten Lösungen kochen oder eben auch die bereits entwickelten Negative mit den verschiedensten Mitteln zerstören. Letzteres wollte ich nun also wagen und habe mir dafür heute Nachmittag einfach mal ein paar Lösungen angesetzt, mit verschiedenen Dingen, die man halt so im Haushalt findet. Zitronensäure hat so gut wie gar keinen Effekt gehabt, vielleicht waren die Reaktionsbedingungen auch nur zu milde, während eine Kombination aus Natron und Kochsalz hat die Bilder hellblau gefärbt und im Grunde nur noch langweiliger gemacht hat. Den größten Teil der Negative hatte ich jedoch glücklicherweise in die Lösung mit dem Bleichmittel gegeben und zugegebenermaßen wirklich sehr grob behandelt, dafür haben die Ergebnisse meine Erwartungen wirklich mehr als übertroffen. Sogar die Motive, die beinahe vollständige von der Lösung aufgefressen wurden und nur noch abstrakte Gebilde sind, gefallen mir ehrlich gesagt richtig gut.

Es ist vielleicht nicht unbedingt etwas für jeden Tag oder auch jeden Monat, eher so ein bisschen wie analoges Instagram, aber ich glaube, ab und zu werde ich mir den Spass wohl mal machen und noch ein wenig mit der Kombination Einwegkamera+Chemie herum experimentieren. Ich könnte mir vorstellen, dass es gerade in der grauen Jahreszeit ganz nett ist, etwas buntes aus dem Alltäglichen zu zaubern. Außerdem muss ich unbedingt noch ausprobieren, ob der Tipp, den ich neulich bezüglich des Fokussierens bekommen habe, auch tatsächlich funktioniert.

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4 Replies to “Disposable days, destroyed”

  1. du und chemie 😀 interessante effekte, auch wenn sie ein bisschen an frühe photoshop-spielereien erinnern. auto, stufen und luftballons finde ich wirklich cool. ansonsten stelle ich mir so in etwa einen lsd-trip vor 😉

    1. Hehe, ich konnte einfach nicht widerstehen, wo ich mich sonst doch nie austoben kann. Ist teilweise schon sehr extrem geworden und ich dachte teilweise, mir fallen jetzt die Negative auseinander, aber ich hatte ja auch nix zu verlieren. Das Auto und die Luftballons hätten sich auch so gut zeigen lassen, das Bild mit den Stufen hat durch die Chemiekeule allerdings wirklich enorm profitiert, da hat die Bleiche genau an den richtigen Stellen aufgepeppt. Und ja, mich hat es auch ein bisschen an frühe Fotoshop bzw. Smartphone-Spielereien erinnert 🙂

  2. Haha, ja, tatsächlich, die Ergebnisse erinnern wirklich etwas an frühe Photoshop-Spielereien 🙂 Unglaublich, was da so alles rauskommen kann. Ein kunterbunter Farbenmix und vollkommen verfremdete Motive mit einer ganz neuen Sichtweise.
    Danke dir für den Artikel! Ich war ja schon sehr gespannt auf deine Erfahrungen!

    1. Ich war auch echt total überrascht, weil ich oft gelesen habe, dass die Effekte nicht so stark ausfallen, wenn man mit bereits entwickelten Negativen arbeitet. Das Vanish Oxy Action hat es offenbar echt in sich.

      Nächstes Mal werde ich mich wohl etwas behutsamer und organisierter an die Sache herantasten, war schon ein wenig sehr chaotisch neulich 🙂 Ich werde auf jeden fall berichten und vielleicht zeige ich auch noch ein paar der natronblauen Bilder.

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