Under the bridge

Wie ich neulich ja schon kurz erwähnt habe, war ich letzte Woche mal wieder geschäftlich in Zürich, um meine Kollegen dort zu besuchen und auf dem Rückweg habe ich natürlich übers Wochenende bei meinem Zwillingsbruder in Lörrach vorbei geschaut. Ich wusste bereits vorher, dass dort zu dieser Zeit überall in der Stadt Fasnacht gefeiert wird und obwohl ich durchaus ein klitzekleines bisschen neugierig war, wie das wohl so ist, hatte ich mich eigentlich schon auf ein ruhiges, faules Wochenende in geschwisterlicher Zweisamkeit eingestellt, mit viel Schlaf und ein wenig fernsehen. Das einzige, was ich auf meiner unsichtbaren To Do-Liste stehen hatte, war ein Besuch plus Foto von dem Wandbild, das Case (Ma’Claim) dort im Sommer 2013 gemalt hatte, denn obwohl es sich ganz in der Nähe der Wohnung meines Bruders an einem Brückenpfeiler befindet, habe ich es bisher noch nicht dorthin geschafft. Nach einem kleinen Abstecher zum Fasnachtsgetümmel in der Innenstadt am Samstagnachmittag, sind wir auf dem Heimweg zur Brücke gefahren und ich konnte schnell mal mit der Kamera auf die Jagd gehen, während mein Bruder geduldig im Auto wartete. Dabei entdeckte ich so viele tolle Sachen, dass ich kaum wusste, was ich zuerst fotografieren sollte und da das Bild von Case auch etwas weiter hinten angebracht war, dauerte es viel länger als erwartet, so dass mein Bruder irgendwann ausstieg, um zu gucken, ob ich vielleicht irgendwo runter geplumpst bin. Trotz der kurzen Zeit, war die Ausbeute an Bildern ziemlich groß und man kann hoffentlich im 2. und 3. Bild auch erkennen, dass es auf der anderen Strassenseite noch sehr viel mehr zu entdecken gab. Da ich es bei all dem Verkehr nicht über die Strasse geschafft habe, wollte ich dort eigentlich am nächsten Tag noch hin, dann ist mir jedoch die Zeit davon gelaufen.

Eine noch größere Überraschung erwartete mich jedoch erst, als ich bereits wieder zu hause war und mich einen Tag später an die Bearbeitung der Bilder und die Vorbereitung dieses Beitrages gemacht habe. Ich versuche ja in Sachen Streetart möglichst noch ein bisschen zu recherchieren und ein wenig zusätzliche Informationen zu Künstlern oder Projekten zu finden, weil ich ja nicht unbedingt immer so auf dem Laufenden bin und meistens nur mitkriege, was ein paar meiner Lieblingskünstler  so treiben. Da ich das Fotografieren der riesigen Pfeiler mit meiner kleinen Fuji ein wenig schwierig fand, habe ich noch einmal auf Facebook geschaut, wie Case damals eigentlich das Brückenbild fotografiert hat. Dabei ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass es sogar eine ganz konkrete Ortsangabe hatte und so bin ich schließlich auf die Seite der Bridge-Gallery Lörrach gestossen, wo ich erfuhr, dass die Pfeiler der quer über das Wiesental führenden Autobahnbrücke A98 Teil einer der größten, deutschen  Freiluftgalerien für legales Graffiti sind. Mir ist bei meinen letzten Besuchen ja durchaus aufgefallen, dass es in Lörrach wirklich erstaunlich viel Streetart zu sehen gibt, was eigentlich gar nicht so ungewöhnlich ist, wenn man die Nähe zu Basel bedenkt, wo ja jedes Jahr mit der Art Basel eine der größten internationalen Kunstmessen stattfindet, aber da war ich dann schon ein bisschen baff. Als ich ganz aufgeregt meinen Bruder anrief, um ihm davon zu erzählen, meinte er nur so ‚Das hab ich Dir doch erzählt. Es gibt da noch ganz viele solcher Bilder, wir konnten dieses Mal nur nicht so genau ran.‘ Nun ja, in ein paar Monaten bin ich ja wieder dort und werde dann auf jeden Fall ein bisschen mehr Zeit für eine ausgiebige Erkundungstour einplanen. Und wenn ich dann auf dem Rückweg wieder in Mannheim vorbei komme, stelle ich mich gleich am Bahnhof schnell mit der Kamera an die Tür oder ein Fenster, um bei der Ausfahrt nicht noch einmal das riesige Wandbild (700 qm!) von Case zu verpassen. Ein wirklich tolles Video darüber gibt es übrigens hier zu sehen.

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25 Replies to “Under the bridge”

  1. Da hast du mich jetzt aber ganz schön neidisch gemacht. Tolle Bilder, tolle Motive. Und alles eingerahmt in deine Worte. Gut das ich vor dem zu-Bett-gehen nochmal ins Interent geschaut habe.
    Über die Galerie in Lörrach an den Brückenpfeilern bin ich virtuell schon vor einiger Zeit gestoßen, leider liegt das für mich so weit ab vom Schuss, dass das wohl noch ein paar Jahre dauert mit dem Besuch. Im Moment scheine ich eher in die USA oder nach China zu kommen, als nach Süddeutschland. Auch irgendwie schade.

    1. Vielleicht noch ein Hinweis. In Mannheim gibt es direkt an der Bahnlinie auch ein ziemlich großes Herakut Bild, steht auch auf meiner „das will ich unbedingt sehen“-Liste. http://www.whudat.de/new-herakut-mural-in-mannheim-brothers-helping-sisters-helping-8-pictures/
      Da lohnt es sic also die Foto im Zug etwas länger zu zücken (zücken? kann man das sagen?). Gruß

      1. Ja, ich weiss, obwohl ich zugeben muss, dass ich daran schon gar nicht mehr gedacht habe. Den Case hatte ich auch schon gar nicht mehr auf dem Schirm und war echt überrascht, als der Zug direkt daran vorbei fuhr. Dabei erwähnt er es sogar in dem Video. Ich muss mir Mannheim wohl echt auch die Liste setzten, zumal Herakut dort letztes Jahr noch ein weiteres Bild als Teil des „Giant Storybook“-Projektes gemalt haben. Irgendwann im Sommer wird’s wohl klappen 🙂

    2. Hehe. Ich wollte eigentlich schon um halb 11 ins Bett gehen, war ne lange Woche, aber dann hab ich mich doch noch ne Stunde hingesetzt und ein paar Worte um die Bilder herum gebastelt. Erfarhungsgemäss ist auch spät nachts immer noch jemand wach, um meine Beiträge zu lesen und es freut mich natürlich sehr, dass Dir die Bilder gefallen 🙂

      Lörrach ist eigentlich gar nicht so weit weg von Dir, von Frankfurt aus ist man glaube ich in 2,5 Stunden da, aber vermutlich lohnt es sich nur, wenn man es mit etwas verknüpfen kann. Für mich ist’s halt immer ein Besuch bei meinem Bruder, aber ich habe auch ein paar Studienfreunde, die in Basel leben bzw. arbeiten. Und viele würden Dich um die Reisen nach Amerika und China wohl eher beneiden, da gibt es ganz sicher auch viel zu entdecken, wenn es die Zeit erlaubt. Ich hätte auch mal wieder Lust auf die Staaten und hätte eigentlich Ende März zu einer Konferenz nach Texas fahren sollen, wurde aber gestrichen. So geht’s halt erstmal ’nur‘ in den Urlaub nach Südostasien 🙂

      1. Südostasien ist toll. Ein klasse Ziel für eine Reise. Um nach Lörrach zu kommen, muss ich wohl Basel als Ziel wählen, in der Stadt war ich noch nie. Da muss ich mich mal informieren, ob sich die Stadt für eine Wochenend-Reise lohnt. Hilfreich für mich ist immer ein bestimmtes Ziel, ein Museum, eine Bibliothek, ein Lost Place ….

        1. Och, lohnen tut es sich vermutlich schon, ist halt nur extrem teuer. Als mein Bruder nach Lörrach gezogen ist, war der Kurs zum Franken 1:1,5, zur Zeit es es etwa 1:1. Also am besten ein Hotel auf der deutschen Seite suchen, von dort ist man ruckzuck in Basel. Museen gibt es dort jede Menge, ich hab da aber leider keine Erfahrungen, da ich bisher nur 2 mal kurz in Basel war. Kannst ja mal hier stöbern:

          http://www.museenbasel.ch/de/museena-z/

          Mich reizt ja vor allem die Art Basel, die meistens im Juni stattfindet, vielleicht schaffe ich es ja dieses Jahr mal.

  2. Some of these are stunning, it’s an amazing genre and its leading players deserve to be called artists.

    1. Yes, I totally agree. There is so much talent out there, it’s really fascinating to watch how the urban art scene develops.

      I spotted some very beautiful pieces on the other side of the road but couldn’t get there this time. But I will likely return in a couple of months and plan some extra time to have another look.

  3. *lach* Ich kann mir richtig vorstellen, wie die Fotosession ablief und wie Dein Bruder sich dann doch auf die Suche nach Dir begeben hat 😀 Super Ausbeute, meine Liebe! Dir würde die Aerosol-Arena in Magdeburg ganz sicher gefallen – wenn wir unsere Wohnung soweit fertig haben und auch eine Schlafcouch eingezogen ist, dann musst Du uns mal besuchen kommen! :-*

    1. Ja, es war schon lustig. Ich muss ihm aber zu gute halten, dass er extra mit mir dorthin gefahren ist, weil es nämlich schon relativ spät war und es vielleicht zum fotografieren schon zu dunkel gewesen wäre, wenn ich von ihm aus zu Fuss rübergelaufen wäre. Und er hat sich auch nicht an meinem kurz vorher gekauften Kuchen vergriffen, während er im Auto gewartet hat 🙂

      Ich hab bei euch ja schön öfter Bilder von der Aerosol-Arena gesehen, das würde mir ganz sicher gefallen. Und ich komme euch natürlich sehr, sehr gerne mal besuchen 🙂

  4. Wahnsinn was es doch alles an Kunst gibt und spannend wer sich für welche Art von Kunst entscheidet… Das hier ist auf jeden Fall ne ganz großartige Sache… Bild 1 macht mich schon fast sprachlos (zumindest hinterlässt es einen offenen Mund….)

    1. Ja, mir geht es da ganz ähnlich. Es gibt Sachen, mit denen kann ich nicht ganz so viel anfangen, aber es gibt eben auch einige großartige Künstler, die sich eigentlich immer wieder selbst übertreffen. Das erste Bild ist ja von Case, er ist bekannt für einen fotorealisten Stil, haut einen wirklich um. Er hat 2013 während des 40 Grad Urban Art Festivals hier in Düsseldorf ein Selbsporträt an eine Hauswand gemalt, da konnte ich mal direkt zuschauen. Hier sind die Bilder, falls Du mal gucken magst: http://olaswelt.com/2013/09/09/case-for-40-grad-urban-art/

  5. tolle kunstwerke. ich finde das ja auch immer so beeindruckend, wie diese riesigen werke geschaffen werden. mittlerweile haben wir ja in wien doch auch einiges davon. da hat sich in den letzten jahren viel entwickelt. ich glaube, ich muss jetzt dann dringend mal wieder an den donaukanal, als ich letzten sommer dort war war ich total fasziniert, wieviel neue werke dort zu finden waren, die mir richtig gut gefallen haben.

    1. Ich glaube, in Wien habt ihr eine ganze Menge und das nicht nur am Donaukanal. Jana & JS haben inzwischen ja schon mindestens 2 Häuserwände bemalt (eins davon hast Du ja mal für mich fotografiert), die muss ich mir bei meinem nächsten Besuch unbedingt mal anschauen 🙂

      Als Merkzettel für mich, weil ich’s gerade nochmal nachgeschaut habe: Hornbostelgasse und Gierstergasse.

      1. die eine häuserwand ist ja bei mir ums eck, über die bin ich ja damals sozusagen zwangsläufig „gestolpert“ 🙂 muss ich mal schauen, erstere ist ja die bei mir, zweitere kenn ich nicht – dann kann ich mir die auch mal ansehen 🙂

        wir haben ja auch noch ein anderes ganz tolles kunstwerk ebenfalls von einem bekannten sprayer, der gern nagetiere gestaltet, das von diesem unsäglichen puber beschmiert wurde.

        1. Die zweite Wand ist noch relativ neu, vom letzten Sommer oder so.

          Oh je, an die Tags von Puber erinnere ich mich noch, die waren echt überall. Einen Roa zu beschmieren gehört sich einfach nicht.

          1. du sagst es. und auch sonst, einfach nur seinen namen hässlich hinkritzeln, das nervt. aber anscheinend hat er sich jetzt eine andere stadt gesucht.

          2. Naja, ich habe gelesen, dass er im März letzten Jahres verhaftet wurde und ein paar Monate im Knast saß. Wahrscheinlich hat ihm das die Lust am Sprayen in Wien ein wenig verdorben 😉

          3. Ich weiß gar nicht, wie das nach der Verhaftung weiterging. Jedenfalls vermisse ich das Geschmiere hier nicht 🙂

  6. Klasse Bilder und Text! Die Streetart auf dem ersten und achten Bild sind ja wirklich fantastisch.
    Da wünsche ich dir beim nächsten Mal wieder ganz viel Spaß beim Erkunden! 🙂

    1. Vielen Dank, Anette, das freut mich wirklich sehr. Meine Favoriten sind auch ganz klar Nr. 1 und Nr. 8, der Rest ist eigentlich eher schmückendes Beiwerk 🙂 Bevor es Neues aus Lörrach gibt, werde ich wohl noch ein bisschen was altes aus meinen Archiv zeigen. Darunter auch ein paar Bilder aus Berlin, die ich neulich wiederentdeckt habe.

  7. Ich muss mich nochmal bei dir bedanken für die Erwähnung des Case Murals am Hafen direkt an der Bahnlinie. Habe es mir gestern angeschaut, stand direkt drunter und war sehr beeindruckt. Habe noch nie so ein großes Werk gesehen. Auf dem Computermonitor wirkt ja alles immer irgendwie gleich. Merci.

    1. Sehr gern geschehen und schön, dass Du es dorthin geschafft hast. Hab gesehen, dass Du den Herakut in Mannheim auch einen Besuch abgestattet hast 🙂 Wie Case bei so einer großen Wand den Überblick behalten konnte, ist wirklich beeindruckend. Ich hoffe, dass ich es dieses Jahr auch endlich mal nach Mannheim (und auch mal wieder nach Bad Vilbel) schaffe. Im Mai sind ja ein paar lange Wochenenden, die sich für so etwas anbieten.

  8. […] das Mural bin ich durch einen Post auf Ola´s Welt aufmerksam geworden, dafür vielen […]

  9. […] Kollektiven Offensive aus Mannheim und für die Ecke im Südwesten der Bericht auf Der Wohnsinn. Olas Welt verdanke ich das Wissen über das […]

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