Playing with the ordinary

Vor ein paar Wochen lief ich eines Abends etwas unentschlossen mit der Kamera bewaffnet durch die Nachbarschaft, ohne eine konkrete Vorstellung davon zu haben, nach welcher Art von Bildern ich  eigentlich suchen wollte. Obwohl sich der Frühling bereits von seiner bunten Seite zeigte, hatte ich eigentlich keine wirklich große Lust darauf, im Park auf die Schnelle noch ein paar Blümchen zu fotografieren und so beschloss ich, einfach mal nach ein paar interessanten Stickern oder Tags Ausschau zu halten. Wie es aber in solchen Situationen häufig der Fall ist, findet man genau dann jedoch nie genau das, wonach man sucht und so wanderte ich einfach ein bisschen kreuz und quer durch mir teilweise noch unbekannte Nebenstrassen langsam wieder zurück nach Hause. Als ich dabei so vor mich hin grübelte, den Blick wie gewöhnlich in Richtung Boden gesenkt, fiel mir wieder einmal auf, das man wirklich überall auf der Strasse Kronkorken von Bierflaschen herum liegen sieht, ganz egal, wo man gerade ist. Wenn man sich erstmal auf so ein bestimmtes Motiv oder Detail eingeschossen hat, fällt es einem natürlich erst recht auf und das Gedankenkarussell nimmt Fahrt auf.

Da ich ja bekanntermaßen die Farbe rot sehr gerne mag, sehe ich vor allem die Kronkorken der Dortmunder Brauerei Union und begann damit, ein paar erste Bilder davon zu machen. Irgendwie fand ich zu diesem Zeitpunkt die Idee, daraus vielleicht eine kleine Serie zu machen, ziemlich witzig und wie wäre es denn damit, einfach einen kleinen Tumblr-Blog daraus zu machen, ich könnte die Bilder doch auch auf eine Karte positionieren, um ihre Verteilung in der Stadt zu zeigen und  hätte so außerdem immer eine Möglichkeit, mir an nicht so guten Tagen mit wenig Aufwand die Zeit zu vertreiben. Zuhause angekommen stellte ich dann fest, dass mein Wunschblogname ‚Union Red‘ leider schon von einem Wäschehersteller beansprucht wird und ein paar Tage später fand ich den Gedanken daran, herumliegenden Müll zu fotografieren, rot hin oder her, schon wieder ziemlich langweilig. Nur diese ersten Bilder aus der kurzen Zeit der Gedankenspielerei, in einem Diptychon miteinander vereint, mag ich eigentlich schon ganz gerne. Mehr werden es dann wohl doch eher nicht.

Diptych zweier roter Kronkorken auf steinigem Grund

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15 Replies to “Playing with the ordinary”

  1. Interessante Idee, ein Thema, eng eingegrenzt und einen Blog draus gemacht. Egal ob tumblr oder wordpress…. Aber Kronkorken? Oder Asphaltstrukturen, oder Blätter, Türklinken, Baumrinde, Mülleimer, Autoscheinwerfer, ober oder. Stellt sich gleich die Frage ob das irgendjemanden außer einen selbst interessiert. Und wenn ja, dann könnte man das ja auch mit anderen zusammen machen?
    Um zum Punkt zu kommen: Bei einem spannenden Thema würde ich mitmachen.

    1. Naja, es ist eigentlich nicht ungewöhnlich, für bestimmte Projekte oder Serien eigene Seiten anzulegen, so ergibt sich gleichzeitig ein stimmiges Gesamtbild. Tumblr würde da meiner Meinung nach besser passen, weil es schlichter ist und man in dem Fall auch einfach weniger Funktionalität braucht. Als Gruppenaktion oder Blogprojekt war es eigentlich auch nicht gedacht und was alternative fotografische Themen aus dem alltäglichen Leben betrifft, geht sowas ehrlich gesagt viel besser auf Plattformen wie Flickr oder Google+, wo es hunderte von sogenannten Daily Themes gibt. Hab ich 2013 mal ein bisschen ausprobiert, ist aber nicht wirklich mein Ding, ich möchte mir meine Themen halt lieber selber vorgeben und eigene Projekte realisieren.

      Die Frage, ob es außer mir noch jemanden interessiert stelle ich mir ehrlich gesagt eher selten, ich halte es da schon eher mit Fin DAC und mache halt das, was mich interessiert und mir selber Freude bereitet. Wenn es anderen auch gefällt, ist das natürlich ein schöner Bonus und freut mich sehr. In erster Linie geht es einfach darum, etwas zu erschaffen und sich vielleicht auch ein bisschen weiterzuentwickeln, das Publikum findet sich schon irgendwie von alleine und selbst wenn nicht, ist es immernoch besser, etwas kreatives zu tun, als nur vorm Fernseher zu hängen 🙂

  2. I often found myself traversing the same ground… this looking for the photograph that is seemingly calling for me. I like these 🙂

    1. Yes, I know 🙂 Actually, what I forgot to write with it getting late again, the pictures and the project idea as such was probably strongly inspired by the’dead pegs‘ series you did back in 2013. It’s basically just a variation – you had different subjects on the same ground (under the clotheslines) and I wanted to do the same subject on different ground across the city. I do have a few more pictures but didn’t like them as much as the first two. There’s too much other stuff going on right now but maybe I’ll pick this up again at a later time.

  3. ich finde die idee eigentlich ziemlich cool, aber du kannst ja noch abwarten, ob du vielleicht doch irgendwann lust hast, das wieder aufzunehmen. die zweierkombi finde ich wie immer schön und langsam kann man wohl sagen, dass du eine ganz spezielle (tolle) eigene bildästhetik entwickelt hast, die sich durch viele deiner fotos wirklich konsequent durchzieht und das finde ich wirklich großartig!

    1. Ja, vielleicht mach ich das später tatsächlich, momentan habe ich irgendwie zuviel anderen Kram um die Ohren, im wahrsten Sinne des Wortes. Dazu werde ich vermutlich nächste Woche noch konkreteres schreiben, entweder hier oder auf FB. Freut mich sehr, dass Du das so siehst 🙂 Ich hab in den letzten Wochen ja ein bisschen in alten Beiträgen herumgekramt und da gab es einige Sachen, die mir heute gar nicht mehr gefallen, obwohl ich sie damals noch echt gut fand. Gerade in den letzten Monaten sind aber so einige Bilder entstanden, die ich wirklich gerne mag und ich denke, ich bin schon ein bisschen mehr dort angekommen, wo ich hinwollte, auch wenn ich das vorher nicht einmal wusste 🙂

      1. ich bin schon sehr gespannt, was du zu erzählen hast und ich hoffe, dass es für dich bald weniger stressig wird.
        ja, das kenne ich, ich denke mir heute oft bei alten beiträgen „wie konnte ich das damals überhaupt für veröffentlichungswert empfinden?“. aber daran sieht man immerhin, dass man sich weiterentwickelt 🙂 und ich denke, bei künstlerischen themen kann man vorher nie wissen, wohin die reise geht. ein ziel würde ja meist heißen, etwas zu tun, das man anderswo gesehen hat und das ist ja dann auch wieder nicht das, was aus einem selbst rauskommt (klingt grad etwas verworren, aber vielleicht verstehst du, was ich sagen will 😉 )

        1. Nein, das klingt nicht verworren, ich weiss ganz genau, was Du meinst 🙂 Ich versuche halt gerade so ein bisschen zu analysieren, welche Dinge mich eigentlich am meisten interessieren bzw. meinem eigenen ‚künstlerischen‘ Ansprüchen genügen und dann daraus etwas neues, reduzierteres zu schaffen. Also quasi so etwas wie ein Portfolio.

          So im groben weiss ich auch, was ich haben will, nur bei den Details hapert es halt noch und momentan gibt es ziemlich viel privater/beruflichen Kram, um den ich mich zuerst kümmern muss. Aber es läuft ja alles auch nicht weg und ein bisschen Zeit und Material, um ab und zu den Blog zu füttern, findet sich ja doch immer 🙂

          1. das ist schön! und das andere, wie du sagst, läuft dir nicht davon…!

  4. Mmmmhh, ja, so ist das manchmal, was Heute DIE Idee schlechthin ist, kann Morgen schon weider gähnend langweilig sein. Ging mir auch schon sooo oft so… Ich finde die Idee auch ziemlich cool! Aber wie gesagt, ich hab Verständnis dafür das es einen auch schnell wieder loslässt… Und das ist ja nicht schlimm, immerhin ist so dieser Beitrag entstanden und wer weiß, vllt kommt ja die Idee zurück 😉

    1. Naja, es ist ja auch nur eine Idee unter vielen, da es momentan mit der Zeit aber etwas mager aussieht und es mit den anderen Sachen auch nicht wirklich vorangeht, muss sie sich einfach erstmal hinten anstellen. Wie es in ein paar Wochen oder auch Monaten aussieht, wird sich dann zeigen. Eigentlich hatte ich auch gedacht, dass diese Bilder bei der Masse wohl nicht so gut ankommen werden und bin vom bisheriger Feedback mal wieder positiv überrascht 🙂

  5. „Mehr wird es dann doch wohl nicht“ – schade. Ich fand die Idee ziuemlich witzig, und der Gedanke, einen Ort anhand der herumliegenden Kronkorken zu vermessen, hat für mich ziemlich viel Charme. Eine Art angewandter Soziologie wahrscheinlich. (Du bis in Düsseldorf unterwegs?) Ach, und Dein Diptychon finde ich sehr schön.

    1. Das freut mich sehr zu hören. So ganz vom Tisch ist die Idee noch nicht, hab auch neulich erst ein zweites Diptychon gebastelt und auch noch ein paar spannende Motive gesichtet. Aber momentan fehlt mir ein bisschen die Zeit dafür, also ruht die Idee vorerst. Und ja, ich bin in Düsseldorf unterwegs, wo ich wohne, arbeite und fotografiere 🙂

      1. Düsseldorf war lange meine Stadt, denn ich bin bei Düsseldorf aufgewachsen und zur Schule gegangen … meine Eltern leben immer noch dort. Daher die genaue Nachfrage. Coole Stadt, finde ich nach wie vor, nicht zuletzt, weil ich immer wieder darüber stolpere, wenn ich mich mit Kunst auseinandersetze, die mich interessiert (Gruppe Zero, Gerhard Richter, „Düsseldorfer Schule“ in der Fotografie usw.).

        1. Hab mir schon sowas gedacht. Mich hat es Anfang 2007 beruflich nach Düsseldorf verschlagen und ich finde es auch ganz nett hier. Die Stadt hat eine angenehme Grösse, nicht zu gross, nicht zu klein und man kann hier ganz gut leben. Etwas näher am Meer bzw. der Heimat wäre ich aber manchmal doch gerne 🙂

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