Looking for something

Seit ein paar Tagen bin ich nun schon wieder zurück von meinem Kurzabenteuer Krankenhaus und hatte glücklicherweise ausreichend Gelegenheit, an meinem Schlafdefizit zu arbeiten, auch wenn ich dadurch ziemlich viel von dem schönen Wetter verpasst habe. Auch wenn ich eigentlich so gar keine Lust hatte, am Wochenende überhaupt vor die Tür zu gehen, plagte mich ab und zu doch das schlechte Gewissen, weil die Sonne, der Wind und die Bäume vor meinem Wohnzimmerfenster ständig versuchten, mich mit ein paar lustigen Schattenspielchen zu verführen. Am späten Samstagnachmittag ließ ich mich dann doch dazu hinreißen, mal eben kurz zum Bahnhof zu laufen, um mir dort einen kleinen Snack zu kaufen und vielleicht sogar spontan in eine U-Bahn Richtung Park zu springen. Aus letzteren, doch etwas kühnen Unterfangen wurde natürlich nichts, aber ich hatte vorsorglich trotzdem die Kamera eingepackt und mit dem Makroobjektiv bestückt, denn Makro geht eigentlich immer und überall. Auch in den dreckigsten und trostlosesten Ecken. An meinem Motiv bin ich dann trotzdem erst einmal vorbei gelaufen, weil ich erst dachte, das ist doch albern, wieder kein Foto zu machen ist doch nicht schlimm. Ein paar Schritte weiter meldete sich allerdings eine leise Stimme in meinem Kopf, die meinte, probieren könnte ich es doch  trotzdem, geht ja schnell, einfach mal Klick machen und vielleicht einen flüchtigen Augenblick festhalten. Prompt stand ein kleines Mädchen neben mir, schaute auf mich herab, wie ich da so am Boden kniete und mit meinen herum flatternden Haaren kämpfte. ‚Entschuldigung, warum fotografieren Sie den Boden?‘ fragte sie mich. Ich zeigte nach unten und sagte: ‚Ich fotografiere die Spiegelung des Himmels in einem Stückchen Glas.‘ Oder, wie mir jetzt gerade erst einfällt, den Himmel auf Erden. Kommt schon mal vor.

Reflexion von Himmel und Wolken in Scherbe auf dem Boden

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12 Replies to “Looking for something”

  1. Wunderbare Geschichte mit einem traumhaften Ende. Respekt.

    1. Und dann noch ein so unerwartetes Ende 🙂 Dankeschön!

  2. Sehr cool! Ja so ein Makro fehlt mir noch 😉
    Das ist das schöne an Kinder die fragen wenigstens wenn sie etwas komisch finden.
    LG Peter

    1. Danke, Peter! Analog fehlt mir leider auch ein Makro, manchmal sogar sehr. Andererseits knipse ich einfach immer noch viel zu selten und viel zu wenig Film, da lohnt sich eine weitere Anschaffung vermutlich nicht.

      Ja, Kinder fragen mich mindestens einmal im Jahr, was ich da unten am Boden eigentlich so treibe und manchmal gelingt es mir sogar, sie mit der Antwort zu verblüffen 🙂

  3. ja, gefällt mir. sehr!

    1. Das freut mich. Sehr!

  4. Große Klasse – auch die Geschichte dazu!

    1. Vielen Dank, Tobias! Freut mich, dass es Die gefällt 🙂

  5. Tatsächlich wie eine kleine wundervolle Geschichte. Das macht nämlich auch den Unterschied, von 1000 Menschen sehen das höchstens einer oder zwei. Wenn man zu denen gehört ist man ein Geschenk für die Bilderflut im www. Das unterscheidet „Mainstream“ von „Besonders wertvoll“…. Toll!

    1. Vielen Dank für die lieben Worte, Markus 🙂 Es ist ja gewissermaßen auch Teil meiner Mission, die Dinge zu zeigen, die andere vielleicht nicht unbedingt sehen oder auch als nicht beachtenswert abtun. Und eben auch ein bisschen Therapie, mich immer wieder daran zu erinnern, dass es soviel Schönes zu entdecken gibt, wenn man nur genau genug hinschaut 🙂

  6. dschungelpinguin sagt: Antworten

    Krankenhaus ist doof, wie geht es dir jetzt? Die Geschichte ist ja süß. Teile des Himmels ist eine spontan schöne Story. Mich würde interessieren, ob das Mädchen auch Patient der Klinik war?! Eisig warme Grüße, Andreas
    http://dschungelpinguin.com

    1. Mir geht es ganz gut, danke der Nachfrage 🙂 Ich bin ja schon seit einer Woche wieder daheim und seit Montag auch wieder arbeiten, von der OP habe ich nur noch ein kleines bisschen Halsweh. Das Stückchen Himmel habe ich letztes Wochenende entdeckt, als ich von meiner Wohnung aus kurz zum Bahnhof gelaufen bi, das quasi mein Kompromissgang, wenn ich eigentlich keine Lust habe, überhaupt rauszugehen. Das kleine Mädchen war also keine Patientin, sondern wohnt vielleicht in einem der Häuser hinterm Bahnhof. Oder auch irgendwo anders. Als ich gestern noch einmal in der Ambulanz war, ist mir jedoch noch eine Bildidee gekommen bzw. ein Motiv ins Auge gesprungen, d.h. es kommt vielleicht bei Gelegenheit noch etwas aus Krankenhausnähe.

      Liebe Grüße zurück,
      Viola

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