Where we were young

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich vorhin noch genau wusste oder zumindest in etwa eine vage Vorstellung davon hatte, wie ich den Text heute einleiten wollte. Doch irgendwie scheint das alles mal wieder komplett verschwunden zu sein, so dass ich nach dem Einfügen der Bilder, dem einfachen Teil, nur wieder auf den vor mir blinkenden Curser starre. Moment, mir dämmert da gerade, es hatte wohl etwas mit dem Wetter zu tun. Kalt ist es geworden in den letzten Tagen. Irgendwie kommt es mir noch wie gestern vor, dass wir uns so langsam vom Sommer verabschiedet und uns ein bisschen auf den nun kommenden Herbst gefreut haben, da klopft plötzlich ganz unerwartet der Winter an die Tür. Zwar nur ganz vorsichtig, ohne große Aussicht auf einen längeren Aufenthalt, aber doch ganz eindeutig spürbar. Und dann kam der Regen. Die grauen Wolken. Der ersten eiskalte Windzug und die langsam voran schreitende Dunkelheit, die jeden Tag ein kleines bisschen länger bleibt.

Und eben gerade weil es zur Zeit so ungemütlich dort draußen ist, habe ich mir gedacht, ich mache heute erstmal weiter mit ein paar warmen, sonnigen Aufnahmen und einer kleinen Reise zu den Orten meiner Kindheit, die allesamt nur wenige Minuten von meinem Elternhaus entfernt liegen. Normalerweise sortiere ich die Bilder so, dass meine persönlichen Lieblinge am Anfang und am Ende stehen, wegen der Vorschau auf WordPress und Facebook, dieses Mal habe ich sie aber in chronologischer Reihenfolge gelassen, schließlich ist es ja eine Art Spaziergang. Zuerst die Strasse entlang, in der mein Elternhaus steht, dann den alten Rodelberg hinunter, einmal kurz rechts abbiegen auf alte, abgetretene Pfade in Richtung der Wiesen, auf denen noch immer der alte Tarzanbaum steht, auch wenn ihm so mancher Sturm schon heftig zugesetzt hat. Am Horizont, über der Stadt, geht schon langsam die Sonne unter als ich nach den letzten Motiven suche. Zu dem Zeitpunkt habe ich keine Ahnung, ob die Bilder überhaupt etwas werden, denn mein Belichtungsmesser hat kurz zuvor das Zeitliche gesegnet und so waren die Hassi und ich ganz darauf angewiesen, dass die Luxmeter App auf meinem iPhone uns zumindest einigermassen ordentliche Messwerte liefert. Auch das Entwickeln hat mir ein wenig Angst gemacht, immerhin hat der andere Redscale-Film neulich wirklich unheimlich gelitten. Aber, was soll ich sagen, irgendwie hat dann alles doch ganz gut geklappt und ich bin echt mehr als zufrieden mit den Ergebnissen. Könnt gleich noch ne Rolle in rot knipsen, aber dafür muss die Sonne erstmal wieder herauskommen.

Straßenansicht in einer Eigenheimsiedlung Blick den Hang hinunter
Heuballen auf einer Wiese Zugewachsener Metallzaun auf einer Wiese
Sonne hinter einer Weide am Wiesenrand Kleinbus parkt am Rand einer Wiese
Blich auf Wiese im Gegenlicht Großer Baum auf Wiese im Gegenlicht
Sandweg neben einer Wiese Wiese mit Bäumen im Hintergrund

Der Vollständigkeit halber hier noch kurz die technischen Details: Hasselblad 500 EL mit Zeiss Planar 80 mm f/2.8, Lomography Redscale XR 50-200 (abgelaufen 2012-12), selber entwickelt mit Tetenal C41 Negativ-Kit Rapid im Jobo Tank bei ca. 38°C.

Teile diesen Beitrag:

12 Replies to “Where we were young”

  1. also die bilder sind der hammer. ich bin total begeistert und ein bisschen verliebt!!

    1. Vielen Dank 🙂 Ja, so ging es mir wohl auch, nachdem ich meinen ersten Redscale-Film verknipst hatte. Ich mag rot ja ohnehin total gerne und das warme Orange hier ist dieses Mal wirklich toll rausgekommen. Oder bist Du ein bisschen verliebt in die Orte meiner Kindheit? 😉

      1. Ich glaube in beides 🙂

  2. Super Bilder!! 😉 Fehlt eigentlich nur noch, dass die Eltern in Schlaghosen um die Ecke treten 😀 Erinnern mich sehr an Bilder aus meiner eigenen frühen Kindheit. Toll!!

    1. Freut mich sehr, dass sie Dir gefallen und Erinnerungen wachrufen 🙂 Meine Eltern tragen inzwischen leider keine Schlaghosen mehr, ich hab aber noch alte Bilder davon. Habe den Post vorhin an meine Mutter geschickt, sie meinte auch, dass sie sie an ihre alten Familienfotos erinnert und ein paar Freunden ging es wohl ähnlich. Wenn Menschen mit meinen Bildern etwas verbinden, finde ich das ja immer besonders schön 🙂

      1. 😀 ja, meine Eltern tragen auch keine Schlaghosen, sie haben aber mal, vor laaaanger Zeit. Und davon gibt es eben auch ein paar wenige Bilder, die ganz ähnlich sind, wie deine. Irgendwie gibt einem das tatsächlich so ein warmes Gefühl ;-), das stimmt. Und das ist schön.
        Und ich kenn das, wenn die eigenen Bilder beim anderen etwas bewegen oder berühren, ist das toll!! genieß es. 😉

        1. Also ich hab ja auch mal Schlaghosen getragen, so mit 14, in den frühen Neunzigern 🙂 Sah aber irgendwie nicht so cool aus wie bei meinen Eltern und leider wurde damals auch nicht mehr in schwarz/weiss fotografiert. Alte Fotos sind schon was tolles.

  3. Eine richtig heile Welt, wie schön, es gibt sie 🙂
    Oder trügt der Schein?
    Liebe Grüße, Annette

    1. Nun ja, hinter verschlossene Türen fängt vermutlich auch die scheinbare heile Welt an zu bröckeln. Aber ehrlich gesagt, ist dort wirklich sehr vieles noch echt schön und manche Dinge ändern sich auch nie. Man trifft sich zum gemeinsamen Gassi gehen, tauscht mit den Nachbarn Obst, Gemüse und Eier, kocht Marmelade. Einige meiner Kindergartenfreunde wohnen inzwischen dort, wo wir aufgewachsen sind und ziehen die nächste Generation gross. Die spielen dann dort, wo wir damals auch gespielt haben. Und manchmal sitzt man so im Garten mit Leuten, die man 30 oder sogar mehr als 30 Jahre kennt (ich bin erst 37), das ist schon irgendwie toll. Hat auch nicht jeder.

      Ganz liebe Grüsse zurück,
      Viola

  4. Wundervolle Aufnahmen, tolles Licht! Vor allem die beiden letzten Bilder finde ich persönlich grandios!!!

    1. Vielen Dank, Markus! Das freut mich sehr. Und ich muss sagen, dass Licht sieht in den Bildern sogar noch viel schöner aus als in Natur, wenn das überhaupt möglich ist 🙂

  5. […] die ich mit meiner Hasselblad und Redscale Film in der Nähe meines Elternhauses aufgenommen und ‚Where we were young‘ genannt habe, weil sie Orte meiner Kindheit zeigte. Wenn man in einer schon etwas älteren, […]

Wenn Du auch etwas dazu sagen möchtest...