Close to home

So, da ist er nun also endlich, der Herbst mit seinen immer kürzer werdenden Tagen, die sich doch so wunderbar dafür eignen, sich all den aufgeschobenen Dingen zu widmen und ganz ohne schlechtes Gewissen mit Fellstiefeln und einer heißen Tasse Tee stundenlang am Computer zu sitzen, um sich mit lauter bunten Bildchen zu beschäftigen. Nach dieser einleitenden Wortakrobatik muss ich doch glatt einmal tief Luft holen und auch gleich wieder kräftig husten, denn leider bringen die Herbsttage nicht nur neue Farben und anderes Licht, sondern auch die eine oder andere Erkältung mit sich. Als hätte ich im letzten Jahr nicht wirklich schon genug gehustet. Nun ja, da kann man leider nicht wirklich viel machen außer die Füsse hoch legen (am besten auf die Heizung, die sich praktischerweise unter meinem Schreibtisch versteckt) und die ganze Angelegenheit in Ruhe übers Wochenende auszusitzen, obwohl ich in Anbetracht der Wettervorhersage eigentlich viel lieber nach draußen gehen würde.

Heute Abend habe ich wieder ein paar selbstentwickelte analoge Bilder für euch, die ebenfalls während meines letzten Rostockaufenthaltes Anfang Oktober entstanden sind. Dieses Mal war ich mit der Hassi nahezu ausschließlich im Garten meiner Eltern unterwegs, nur zwei Bilder sind quasi auf der anderen Seite des Gartenzauns, ein kleines Stückchen weiter entfernt, entstanden. Es ist schon irgendwie interessant zu beobachten, wie sich die gewohnte Umgebung nach und nach immer wieder ein kleines bisschen verändert: ein paar andere Blumen hier und da, neue angelegte Wege oder ein frischgepflanzter Apfelbaum, der zum ersten Mal Früchte trägt. Und dann gibt es eben auch Dinge, die sind heute noch genau so wie sie auch schon vor mehr als 30 Jahren waren: auf dem Acker wedelt die Wäsche im Wind, am Schuppen hängen die abgeernteten Zwiebeln in kleinen Bündeln an einer Stange und in allen Gärten blühen die letzten Rosen. Wenn ich das nächste Mal durch den Garten laufe, ist vermutlich alles ziemlich kahl und vielleicht sogar mit Schnee bedeckt. Ich freue mich trotzdem darauf und muss unbedingt daran denken, dafür eine paar Rollen schwarz/weiss Film einzupacken.

Rosafarbene Dahlie in schwarzem Kübel vor grauer Wand Holzbank neben Kiesweg am Hang
Gartenzaun mit Metalltor im Gegenlicht Kleines Apfelbaum auf einer Wiese
Weiße Rose in der Nähe des Gartenzauns Rote Rose vor Haselnussbaum mit Baumhaus im Hintergrund
Gebündelte Zwiebeln zum Trocknen aufgehängt Efeu wächst aus einer Lücke an Schuppenwand

Hier noch kurz die technischen Details: Hasselblad 500 EL mit Zeiss Planar 80 mm f/2.8, Fujicolor Superia (abgelaufen 2010-12), selber entwickelt mit Tetenal C41 Negativ-Kit Rapid im Jobo Tank bei ca. 38°C.

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11 Replies to “Close to home”

  1. Deine eigentlich unspektalulären Bilder haben einen wunderbare heimelige Ausstrahlung, was auch an der weichen Wirkung der analogen Bilder liegt.
    Ich sollte mich vielleicht auch mal an die Farbentwicklung ran trauen.
    Viele Grüße Jürgen

    1. Danke, Jürgen! Das ist ja gerade das, was ich an der analogen Fotografie so mag und auch der Grund, warum ich damit noch etwas mehr experimentieren möchte. Vielleicht werden die Motive irgendwann auch etwas spannender 🙂 Zur Farbentwicklung kann ich nur sagen: trau Dich! Es ist wirklich einfach.
      Ganz liebe Grüße zurück,
      Viola

  2. Einfach wunderschön nostalgisch! Tolle Bilder mit einer extra Portion Charme und Heimatgefühl. Ich liebe die Herbsttage gerade sehr! Abends die ganz besondere Gemütlichkeit und morgens die beinahe unwirkliche Stimmung im Nebel, die ersten Sonnenstrahlen und das Licht, wenn ich mit unserer Hündin und Liam draußen bin. Da vergehen Stunden und ich genieße die Ruhe sehr, einfach unter freiem Himmel zu sein. Glücklicherweise gibt es bei uns gleich ein Feld (Tempelhofer Feld, ehemaliger Flughafen). Durch die Stadt zu tilgern wäre nicht so entspannend 😉 Da ich den Kleinen immer bei mir trage, kann ich leider die Pentacon nicht mitnehmen. Schade, aber 10 Kilo plus Kamera stundenlang zu tragen ist dann doch etwas viel. Aber ich muss wieder eine kleinere Kamera mitnehmen, nicht nur das Handy ;)…
    Ich wünsche dir gute Besserung! Liebe Grüße, Anette

    1. Freut mich wirklich sehr, dass Dir die Bilder gefallen, Anette 🙂 Es klingt echt schön, wie Du die Herbsttage bisher verbracht hast. Bei meinen Eltern kann ich ja auch schnell auf’s freie Feld raus, hier in Düsseldorf ist das leider nicht so einfach und ich bin ehrlich gesagt auch etwas bequem. Aber das wird sicher bald ändern, hoffe ich. Ich kann total verstehen, dass die Pentacon einfach zu viel zusätzliches Gewicht ist, aber da muss die Fotografie halt mal kurz zurück stecken. Ist immerhin der erste Herbst für den kleinen Liam und er hat bestimmt Freude an den bunten Blättern. Als Kompromiss eignet sich vielleicht eine Einwegkamera oder halt eine einfache Point-and-shoot bzw. Toy-Kamera. Man ist damit zwar etwas eingeschränkt, aber die Optik der Plastiklinsen passt sicherlich ganz gut zu Deinem ‚Traum‘-Projekt 🙂
      Liebe Grüße,
      Viola

      PS: Ich greife nun nach härteren Bandagen und versuche den Husten mit selbst gemachten Zwiebelsirup in die Flucht zu schlagen.

  3. wieder einmal ganz wundervoll. der analoge farbstich macht auf die melancholie und diese jahreszeit, die sich so ununterbrochen verändert und irgendwie nie gleich ist, besonders aufmerksam.

    1. Dankeschön 🙂 Da passt so eine Rolle abgelaufener Film doch ganz besonders gut. Ehrlich gesagt war ich sogar etwas überrascht, dass die Farben so schön rausgekommen sind. Aber diese Art von Überraschungen mag ich ja auch 🙂

      1. das verstehe ich 😉

  4. Bild 1 finde ich herausragend wundervoll! Könnt ich mir super als Druck auf nem Blech vorstellen… Sehr nostalgisch und ansprechend…

    1. Vielen Dank! Ich musste da erstmal nachschauen, weil ich garnicht mehr wusste, welches Bild das erste war 🙂 Eigentlich mag ich ja Dahlien nicht so gerne, aber es sind halt auch irgendwie die totalen Retroblumen für mich, weil wir sie immer im Garten hatten. Da konnte ich an diesem pinken Exemplar doch nicht einfach so vorbei gehen. Mit dem Thema Bilderdruck werde ich mich in den nächsten Monaten etwas genauer beschäftigen, an Blech hatte ich allerdings noch nicht gedacht.

  5. Love that colors in the gate photo…and the shadow..let me think of a picture of Tarkovsky…not sure why, probably the visual emotion…
    robert

    1. Thank you, Robert! I have actually no idea why they came out like this as all pics are from the same roll of film but I like them, too. Almost like a polaroid. Maybe it was the back light, who knows 🙂

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